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Ende einer Ära
Agenturchef Stan Richards feuert sich selbst

Vor 44 Jahren gründete er die größte inhabergeführte Werbeagentur der USA. Jetzt wurde seine Amtszeit jäh beendet: Stan Richards tritt wegen rassistischer Äußerungen als CEO der Richards Group zurück.

Text: Anonymous User

16. Oktober 2020

Stan Richards zieht sich nach 44 Jahren als CEO zurück
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Nachdem nach Motel 6 und Home Depot laut eines Berichts von Adweek auch noch Keurig Dr. Pepper, die Heilsarmee und die texanische Lebensmittelkette H-E-B seine Verträge mit The Richards Group wegen rassistischer Äußerungen ihres Gründers aufkündigte, zog der 88-jährige CEO die Konsequenzen: Er tritt mit sofortiger Wirkung zurück. Seine Aufgaben übernimmt Glenn Dady, Principal und Creative Director der Agentur.

"Wenn dies ein börsennotiertes Unternehmen wäre, würde ich für meine Kommentare gefeuert werden", sagte Stan Richards in einer schriftlichen Erklärung. "Aber wir sind nicht börsennotiert, also entlasse ich mich selbst." Er habe den größten Fehler seines Lebens gemacht und werde nie in der Lage sein, ihn angemessen zu erklären oder zurückzunehmen. "Ich kann nur sagen, dass ich mich geirrt habe", so der Agenturgründer. Mit dem von Medien verbreiteten Zitat, ein Kampagnenkonzept für die Hotelkette Motel 6 sei zu schwarz für deren weißen rassistischen Kunden, sieht sich Richards allerdings falsch widergegeben. Eigenen Angaben zufolge wollte er darauf hinweisen, dass die Kampagne neben Afroamerikanern noch andere ethnische Gruppen einschließen sollte. 

In sechs Schritten zu mehr Diversity

Unter der neuen Führung will die Agentur sechs Schlüsselinitiativen umsetzen. Dazu gehören die Schaffung einer neuen Position zur Einflussnahme auf Entscheidungen der Agentur in Bezug auf Vielfalt, Gleichberechtigung und Integration, die Umsetzung einer formellen Verpflichtung zu einer spezifischen Vertretung in allen Disziplinen und unter allen Führungskräften, die Überprüfung der aktuellen Richtlinien auf Gerechtigkeit für alle Mitarbeiter, die Durchführung von Schulungen zur Voreingenommenheit für alle Mitarbeiter, die Überprüfung aller aktuellen Arbeiten auf kulturelle Relevanz und die Verpflichtung, die Fortschritte zu verfolgen.

In seiner 44 Jahre währenden kreativen Zeit bei The Richards Group erhielt der Gründer zahlreiche Auszeichnungen. Im Jahr 2017 wurde er in die Advertising Hall of Fame aufgenommen. Im Jahr 2014 benannte die Universität von Texas ihre Werbeschule nach ihm.


Autor: W&V Redaktion

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