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Shitstorm
Bayern 3 knickt vor Milchlobby ein

Der Radiosender Bayern 3 entschuldigt sich für den Nachhaltigkeits-Tipp, Milchalternativen im Kaffee zu trinken und sieht sich nun dem Vorwurf ausgesetzt, vor der Milchlobby klein beigegeben zu haben.

Text: Anonymous User

30. März 2021

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Nach dem Shitstorm ist vor dem Shitstorm? Den ersten erntete Bayern 3 von Seiten der Milchlobby aufgrund eines Facebook-Posts zu nachhaltigem Kaffeekonsum. Der Radiosender gab darin die drei Tipps: "Keine Milch im Kaffee", "Bio Kaffee kaufen" und "Eigenen Becher verwenden". Milchbauern, deren Kinder und überzeugte Milch-Trinker äußerten ihren Protest unter dem Post. Wie der Milcherzeugerverband Bayern mitteilt, geht auch "der ein oder andere Anruf" bei dem Sender ein.

Das Ergebnis: der Post wurde gelöscht und es gab eine Entschuldigung - direkt an diejenigen, die sich an Bayern 3 gewandt haben:

"Es war nicht unsere Absicht, die wertvolle Arbeit, die in der Landwirtschaft geleistet wird, zu kritisieren. Und wir wollten auch nicht dazu aufrufen, landwirtschaftliche Produkte zu boykottieren. Es tut uns leid, wenn das durch die stark verkürzte Darstellung auf dem Bildpost so rüberkam. Wir haben gemerkt, dass das nicht der richtige Weg ist, sich mit dem absolut wichtigen Thema „Nachhaltigkeit“ auseinanderzusetzen. Deshalb haben wir den Post auch gelöscht.
Unser aller Ziel sollte eigentlich sein, gemeinsam mit Verbrauchern, Vermarktern und der Politik Wege zu finden, wie man die Landwirtschaft und den Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit noch besser verbinden kann. Unser Post war dazu leider nicht wirklich geeignet – sorry dafür!"

Doch damit reißt die Kritik nicht ab. Sie kommt jetzt nur aus der anderen Richtung. "Bayern 3 entschuldigt sich für die Wahrheit", schreibt der Volksverpetzer, ein Portal, das mit Fakten-Checks gegen Hetzte und Fake News vorgehen will. Der Vorwurf: Bayern 3 knickt vor der Milchlobby ein, obwohl es ausreichend wissenschaftliche Daten gibt, dass Kuhmilch mehr Landverbrauch, Wasserverbrauch und Emissionen verursacht, als Milchalternativen aus Reis, Soja, Hafer oder Mandeln.

Bei Shitstorms gibt es verschiedene Strategien. Häufig hilft eine Augen-zu-und-durch-Haltung, wenn man sich seiner eigenen Position sicher ist. Korrekturen und Entschuldigungen sind dann angebracht, wenn Missverständnisse entstanden sind oder Unternehmen tatsächlich Fehler gemacht haben. Der gelöschte Post von Bayern 3 wirft daher die Frage auf, welche Haltung der Sender tatsächlich hat.

Nach Angaben des Senders waren es redaktionell-inhaltliche Gründe, die die Redaktion dazu bewogen haben, den Post zu löschen, nicht aufgrund der Beschwerden:

"Wir finden das Thema Nachhaltigkeit bei Bayern 3 sehr wichtig und berichten auch sehr oft darüber. Bei dem angesprochenen Post haben wir im Austausch mit den User:innen sehr schnell gemerkt, dass die verkürzte Darstellung in einem Bild keine Grundlage für eine zielführende Diskussion auf Augenhöhe zu dem wichtigen Thema Nachhaltigkeit ist, weil Hintergrundinfos in dieser Darstellung fehlen und auch die verschiedenen Aspekte des Themas nicht abgebildet wurden."

Es ist noch gar nicht so lange her, da musste sich der Sender gegen Rassismus-Vorwürfe wehren. Auslöser war der Moderator Matthias Matuschik und seine Aussagen zu K-Pop.


Autor: W&V Redaktion

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