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Nach umstrittenem Artikel
Bild startet Dialog mit Wissenschaftlern

Die Bild wird oft für ihre Art der Berichterstattung kritisiert, mit "Die Lockdown-Macher" hat die Boulevardzeitung im Dezember jedoch übers Ziel hinausgeschossen. Und scheint nun einzulenken.

Text: Anonymous User

12. Januar 2022

Unter Boie scheint ein etwas weicherer Wind zu wehen als unter Reichelt: Die Bild macht Zugeständnisse.
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Nach einem umstrittenen Bild-Artikel über mehrere Wissenschaftler:innen und die Corona-Pandemie suchen die Boulevardzeitung und Wissenschaftseinrichtungen den Dialog. In einer gemeinsamen Einladung sind mehrere beteiligte wissenschaftliche Organisationen aufgeführt. Es soll bei dem Treffen um die Rolle des Boulevardjournalismus in Zeiten der Pandemie gehen. "Bild, der reichweitenstärkste Journalismus des Landes, ist Ziel von berechtigter Kritik, harten Angriffen und tagtäglich auch von breiter Zustimmung von Millionen Leserinnen und Lesern, Zuschauerinnen und Zuschauern. Bild möchte noch mehr ins Gespräch kommen. Mit jenen, über die Bild schreibt. Mit denen, die über Bild schreiben. Mit Kritikern wie Fans", heißt es in der Einladung.

Das Gesprächsformat nennt sich "Hinter den Schlagzeilen - Mit Bild im Gespräch" und wird live übertragen. Die erste Veranstaltung findet am Freitag, 28. Januar 2022 im Medienhaus Axel Springer statt, gemeinsam mit der Helmholtz-Gemeinschaft, der Hochschulrektorenkonferenz und der Max-Planck-Gesellschaft zum "Verhältnis und Selbstverständnis von Wissenschaft und Journalismus in der Pandemie".

"Die Lockdown-Macher" ging zu weit

Die Bild hatte im Dezember breite Kritik wegen der Berichterstattung über die Pandemie auf sich gezogen. Nicht zum ersten Mal, aber dieses Mal ging es konkret um einen Artikel mit der Überschrift "Die Lockdown-Macher", in dem die Rolle mehrerer Wissenschaftler thematisiert wurde. Eine Allianz von Wissenschaftsorganisationen kritisierte daraufhin, dass einzelne Forscherinnen und Forscher "zur Schau gestellt und persönlich für dringend erforderliche, aber unpopuläre Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung verantwortlich gemacht werden". Das könne zu einem Meinungsklima beitragen, das an anderer Stelle bereits dazu geführt habe, dass Wissenschaftler sich physischer oder psychischer Gewalt ausgesetzt sahen oder bedroht wurden.

Boie: Auch die Bild muss Kritik angemessen üben

Beim Deutschen Presserat gingen bis Mitte Dezember fast 100 Beschwerden ein, es läuft ein Verfahren. Bild hatte auf die Kritik reagiert. Chefredakteur Johannes Boie betone in einem Statement, das bei Bild zu lesen war: Wer dieses Land regiere, verändere und über das Leben der Menschen bestimme, müsse Kritik aushalten. Gerade auch von Journalisten. "Umgekehrt muss Kritik angemessen geübt werden. Das gilt ausdrücklich auch für Bild." In der Einladung heißt es weiterhin, man wolle einen nach vorn gerichteten Dialog vertiefen. Für das Gespräch sind zum Teil auch Wissenschaftler:innen angekündigt, die in dem umstrittenen Artikel genannt wurden. "Schlagzeilen bringen die Themen auf den Punkt. Sie spitzen zu, emotionalisieren, polarisieren. Mit unserer neuen Gesprächsreihe wollen wir über die Rolle und gesellschaftliche Herausforderung des Boulevardjournalismus in unserer Zeit sprechen. Ich freue mich sehr, dass gerade Wissenschaftsorganisationen als erste mit uns in diesen offenen Dialog treten", so Boie weiter in der Einladung. (rom mit dpa)


Autor: W&V Redaktion

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