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TechTäglich
Elon Musk: So lief sein Fernsehauftritt

Vor dem Mittagessen die wichtigsten Meldungen des Tages – das ist TechTäglich, die Technik-Kolumne von W&V. Heute mit Elon Musk bei Saturday Night Live und mit Apple-Nutzern, die sich nicht tracken lassen wollen.

Text: W&V Redaktion

10. Mai 2021

Elektroauto-Cowboy: Elon Musk im SNL-Trailer mit Miley Cyrus und Comedian Cecily Strong.
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Elon Musk: So lief sein Fernsehauftritt

Es hätte ein veritables PR-Desaster für Elon Musk werden können. Doch schlussendlich schlug sich der Elektroauto-Guru am Wochenende als Gastmoderator in der legendären NBC-Comedyshow "Saturday Night Live" überraschend tapfer. Die SNL-Autoren hatten ganz auf Selbstironie und auf den Nerd-Faktor des Tesla-Chefs gesetzt. Und das klappte so gut, dass das Feedback zur Sendung überraschend positiv ausfiel. Seinen Kritikern nahm Musk gleich beim Stand-up zu Beginn den Wind aus den Segeln, als er sich für ein wenig meschugge erklärte: "Für alle, die ich je beleidigt habe: Ich habe das Elektroauto neu erfunden und ich schicke Menschen mit einer Rakete zum Mars. Dachten Sie, ich würde ein ganz normaler, chilliger Typ sein?" Außerdem verriet er erstmals öffentlich, dass er das Asperger-Syndrom habe, das als eine milde Form von Autismus gilt. Inwieweit das tatsächlich stimmt, lässt sich bei Elon Musk allerdings nie so genau sagen.

Die Autoren des US-Senders hatten ihrem Gaststar einige hübsche Gags ins Drehbuch geschrieben. Um zu beweisen, dass die Show wirklich live übertragen wird, erklärte Musk: "Ich könnte jetzt etwas wirklich Schockierendes sagen – zum Beispiel, dass ich einen Toyota Prius fahre." Die Aussprache des obskuren Namens seines Sohns X Æ A-12 erklärte er so: "Eine Katze, die über die Tastatur rennt." Seine Mutter Maye begrüßte er am Vorabend des Muttertags auch in der Sendung – und jubelte ihr die Spaß-Cyberwährung Dogecoin als Geschenk unter. Auf Twitter hatte der Tesla-Boss zuletzt für einen kleinen Dogecoin-Hype gesorgt. Nun bezeichnete er das virtuelle Zahlungsmittel in SNL als "Hustle" ("Schwindel"). Prompt stürzte der Dogecoin-Kurs während der Sendung laut Reuters um 28 Prozent ab. Elon Musk, der zweitreichste Mensch der Welt, ist also jetzt definitiv der reichste Fernsehmoderator der Welt. SNL übertrug die Show erstmals weltweit live via Youtube – und am Ende waren alle happy mit dem PR-Coup zum Staffelfinale.

Mehr Alu als Xavier: Elon Musk mit Antennen-Nudelsieb in der SNL-Promo.

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WhatsApp: Gnadenfrist erneut verlängert

"WhatsApp kuscht vor der Deadline für seine eigenen Datenschutzrichtlinien", spottet AndroidPolice auf Twitter. Und The Verge staunt über den nächsten Rückzieher von Mutterkonzern Facebook: "WhatsApp lockert die Frist für die Akzeptanz seiner neuen Datenschutzrichtlinien." Eigentlich hätten die Verwender des weltweit beliebtesten Messengers schon bis 8. Februar 2021 die neuen Nutzungsbedingungen akzeptieren müssen, in denen sich Facebook mehr Zugriff auf Nutzerdaten einräumt. Nach weltweiten Protesten verlängerte Facebook die Frist im Februar auf 15. Mai, also auf den kommenden Samstag. Nach dem letzten Stand sollten Zustimmungs-Verweigerer danach schrittweise von der WhatsApp-Nutzung ausgeschlossen werden. In der Ankündigung hieß es in den letzten Wochen: "Du wirst zwar für kurze Zeit Anrufe und Benachrichtigungen erhalten, aber in der App weder Nachrichten lesen noch welche senden können."

Diese Schonfrist sollte einige Wochen dauern. Nach 120 Tagen Inaktivität löscht WhatsApp dann üblicherweise ein Konto. Aber auch diese Regelung will die Facebook-Tochter ab nächsten Samstag nun nicht knallhart durchsetzen, wohl aus Angst vor Protesten und vor Nutzerrückgängen. Jetzt heißt es im englischen Original des WhatsApp-FAQ: "Niemand wird wegen dieses Updates am 15. Mai seine Konten gelöscht bekommen oder die Funktionalität von WhatsApp verlieren." Die neuen AGB sollen demnach zwar wie geplant am Samstag in Kraft treten. Aber wer sie nicht akzeptiert, muss vorerst weiterhin keine Konsequenzen befürchten – sondern soll laut WhatsApp erneut "Erinnerungen erhalten, die neuen Regeln zu akzeptieren". Die überarbeiteten Richtlinien dienen laut Facebook dazu, Werbekunden bessere Kontaktmöglichkeiten zu liefern, die Inhalte der Chats sollen nicht ausgewertet werden. Die Änderungen haben sich für WhatsApp längst zu einem PR-Desaster entwickelt. Wie es nun für AGB-Verweigerer weitergeht, ist vorerst unklar.

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Apple: Nur 13 Prozent erlauben Tracking

Nicht nur WhatsApp macht Facebook Kummer. In Sachen iOS-Tracking bestätigen sich die schlimmsten Befürchtungen des Zuckerberg-Konzerns. Zwei Wochen, nachdem Apple iOS 14.5 veröffentlicht hat, stimmt nur eine kleine Minderheit von iPhone- und iPad-Besitzern zu, weiterhin von Apps getrackt und nachverfolgt zu werden. Nach ersten Zahlen der Marktforscher von Flurry lag die Zustimmungsrate zuletzt weltweit bei nur 13 Prozent. Und es ist kaum zu erwarten, dass es sich die auf ihre Privatsphäre bedachten Nutzer künftig noch anders überlegen. Auf dem für Facebook besonders wichtigen Heimatmarkt in den USA, in dem das iPhone dominiert, sind es sogar nur 5 Prozent. Alle anderen Nutzer verweigern das Sammeln von Werbedaten, das sich in den Datenschutz-Einstellungen von iOS und iPad OS mit einem einzigen Klick im Menü "Apps erlauben, Tracking anzufordern" unterbinden lässt.

Facebook hatte zuletzt versucht, die Akzeptanz für das Ausspähen der Nutzer in seiner eigenen App und in der Fototochter Instagram mit Einblendungen und "Aufklärungsbildschirmen" zu erhöhen. Darin heißt es unter anderem, dass die Werbung dazu beitrage, "dass Facebook und Instagram kostenlos bleiben können". Der Druck auf die Kundschaft zahlt sich aber offenbar nicht aus. Apples verbesserter Datenschutz zeigt Wirkung und stößt bei den Nutzern auf breite Zustimmung. Die Untersuchung beruht laut Flurry auf den anonymen Daten von weltweit 5,3 Millionen Nutzern. Nach zwei Wochen iOS 14.5 haben die Analysten schlechte Nachrichten für Mark Zuckerberg: "Da die Zustimmungsraten niedrig sein dürften, wird diese Änderung voraussichtlich Herausforderungen für personalisierte Werbung mit sich bringen und sich auf die 189 Milliarden Dollar schwere mobile Werbebranche weltweit auswirken."

Schlechte Zeiten für neugierige Apps. Nur 13 Prozent der iOS-Nutzer stimmen dem Tracking zu.

Clubhouse: Die Android-App ist da

Clubhouse? Da war doch was! Nach dem Ende des kurzen Hypes im Januar und Februar ist die Social-Audio-App in den deutschen iOS-Charts mittlerweile nicht mehr in den Top 200 zu finden. Laut Gizmodo ist die Zahl der weltweiten Downloads von 9,5 Millionen im Februar auf nur noch 900.000 im April abgestürzt. Nun soll die längst überfällige Android-Version von Clubhouse den Sinkflug beenden oder zumindest abbremsen. Denn nach (zu) langem Warten hat Hersteller Alpha Exploration aus San Francisco jetzt die Android-App veröffentlicht – allerdings zunächst nur in den USA, nur als Beta-Version und weiterhin nur auf Einladung. Die Hindernisse für Android-Nutzer, jetzt auch auf Clubhouse zu plaudern, sind also massiv.

In einem Blogeintrag heißt es: "Heute freuen wir uns, Ihnen mitteilen zu können, dass Clubhouse für Android ab sofort in der Beta-Version verfügbar sein wird. Wir werden schrittweise beginnen, heute mit den USA, gefolgt von anderen englischsprachigen Ländern und dann dem Rest der Welt." Mit Hilfe des Feedbacks der ersten Android-Nutzer will Alpha Exploration Fehler beseitigen und Funktionen hinzufügen, bis dann eine endgültige Version der App verfügbar ist. Deutsche Clubhouse-Interessenten mit Android-Handy können die App bereits jetzt laden und sich vorab registrieren. Laut Hersteller werden sie dann informiert, wenn das Android-Clubhouse auch bei uns geöffnet hat. So lange bieten Twitter, Discord, Reddit & Co. genug Alternativen, die Clubhouse eigentlich schon jetzt obsolet machen.

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Google impft seinen Assistenten

Immer mehr Menschen erhalten ihre Corona-Impfung. Und nun sind offenbar auch virtuelle Persönlichkeiten mit der Spritze von Biontech, AstraZeneca oder Johnson & Johnson dran. Der Google Assistant hat seinen ersten Impftermin wohl hinter sich. Wer ihn in englischsprachigen Ländern auffordert, "Sing the Vaccine Song!" ("Sing das Impflied!"), hört jetzt einen Song, in dem der Software-Sekretär euphorisch vom Impfen schwärmt. Mit dem Lied will Google seine Nutzer vom der schützenden Spritze überzeugen, zeigt dabei laut der Experten von AndroidPolice "aber nicht seine größte musikalische Leistung".

Textprobe: "Let’s celebrate that we have the vaccine to help us change this old routine." Und weiter: "The scientists worked night and day. In record time they found a way. As superheroes in masks and gloves they helped us get back to what we love." Auf Deutsch sind dann auch noch die Reime dahin: "Lasst uns feiern, dass wir den Impfstoff haben, der uns hilft, die alte Routine zu überwinden. Die Wissenschaftler haben Tag und Nacht gearbeitet. In Rekordzeit haben sie einen Weg gefunden. Als Superhelden in Masken und Handschuhen haben sie uns geholfen, zu dem zurückzukehren, was wir lieben." Fazit: Google hätte seiner KI durchaus noch mehr Kreativität einimpfen können.

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Autor: Jörg Heinrich

ist Autor bei W&V. Der freie Journalist aus München betreut unter anderem die Morgen-Kolumne „TechTäglich“. Er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Internet und Social Media künftig funktionieren, ohne die Nutzer auszuhorchen. Zur Entspannung fährt er französische Oldtimer und schaut alte Folgen der ZDF-Hitparade mit Dieter Thomas Heck.

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