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Dickmacher-Werbung
Heftiger Streit zwischen Foodwatch und Werberat

Vor Monaten hatte der ZAW die Regeln für Lebensmittelwerbung, die sich an Kinder richtet, verschärft. Jetzt ist ein heftiger Streit zwischen Foodwatch und dem Selbstkontrollorgan der Branche (Werberat) entbrannt.

Text: W&V Redaktion

25. August 2021

Der Verbraucherorganisation Foodwatch gehen die selbstauferlegten Regelungen zu Dickmacher-Werbung nicht weit genug
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Um das Thema Dickmacher-Werbung für Kinder ist ein heftiger Streit zwischen Foodwatch und dem Werberat entbrannt. Der Grund sind 16 Beschwerden, die Foodwatch nach der jüngsten Verschärfung der Regeln für Lebensmittelwerbung, die sich an Kinder richtet, beim Werberat eingereicht hat. Das Selbst­kontroll­gremium der Werbe­wirtschaft habe "ein Einschreiten jedoch in allen Fällen" abgelehnt, berichtet jetzt die FAZ. Die Hälfte der gemeldeten Werbe­maßnahmen sei zurück­genommen worden, die andere Hälfte habe der Werberat nicht beanstandet. Foodwatch fordert als Konsequenz von der nächsten Regierung, "an Kinder gerichtete Werbung für unausgewogene Lebens­mittel per Gesetz zu verbieten". Der Verband wehrt sich. Sogar das Wort "Fake News" sei gefallen. 

Der Streit schwelt seit Jahren

Seit Jahren macht die Verbraucherschutz-Organisation Foodwatch Druck auf die Werbebranche. Ihre Forderung: Werbung für Burger, Gummibärchen, Schokolade und Co. darf sich nicht an Kinder richten, da diese die Fettleibigkeit fördert. Erst im Juni traten - auch auf Druck des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) von Julia Klöckner (CDU) -  daher verschärfte Regelungen in Kraft. In diesen verpflichtete sich der ZAW freiwillig, Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre besser zu schützen. Die bis dahin geltenden Regelungen schützten nur Kinder bis 12 Jahre. Außerdem wurden inhaltliche Grenzen verschärft. So ist es seit Inkrafttreten der neuen Regeln nicht mehr zulässig, positive Ernährungseigenschaften von Lebensmitteln, deren übermäßige Aufnahme im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung nicht empfohlen wird, in der audiovisuellen Werbung gegenüber Unter-14-Jährigen hervorzuheben. Dabei geht es um Angaben wie "unter Zusatz wertvoller Vitamine und Mineralstoffe" oder "hoher Vollkornanteil für körperliche Leistungsfähigkeit".

Foodwatch jedoch geht das nicht weit genug und hat seit dem 16 Beschwerden gegen Unternehmen wie Dr. Oetker, Storck und McDonald’s beim Deutschen Werberat eingereicht. Unter anderem kritisiert Foodwatch Werbung für Paula Pudding und Gummibärchen. Betroffene Werbeformate sind unter anderem Gewinnspiele, Spiele auf Internetseiten und Kooperationen mit Influencern. Acht dieser Beschwerden wurden wieder zurückgezogen, bei den anderen acht lehnte der Werberat ein Einschreiten ab. 

An Kinder gerichtete Werbung soll verboten werden

Oliver Huizinga, Kampagnendirektor von Foodwatch zur F.A.Z.: "Beim Schutz von Kindern versagt das Kontrollgremium Werberat auf ganzer Linie. Wenn selbst Online-Games und Gewinnspiele für Zuckergetränke, süßen Pudding und Weingummi Kinder nicht zu einer ungesunden Ernährungsweise verleiten – was dann?" Die Werbeindustrie sei "offensichtlich kein geeigneter Partner im Kampf gegen Übergewicht bei Kindern". Foodwatch fordert daher: Die künftige Bundesregierung solle dem Gremium das Vertrauen entziehen und stattdessen der Forderung von Ärzteverbänden und der Weltgesundheitsorganisation folgen, "an Kinder gerichtete Werbung für unausgewogene Lebensmittel per Gesetz zu verbieten".

ZAW: Ungesunde Lebensmittel gibt es gar nicht

Der Verband hingegen wehrt sich, die Forderungen seien unberechtigt, politisch durchsichtig und nicht haltbar, wirft den Verbraucherschützern sogar die Verbreitung von Fake News vor. In einer mehrseitigen Stellungnahmen gegenüber der F.A.Z. heißt es unter anderem: "Foodwatch hat als Kampagnenorganisation das Interesse, Stimmungen zu erzeugen, um die eigenen politischen Forderungen medial und politisch durchzusetzen." Der Werberat sei aber nicht der "Erfüllungsgehilfe von Kampagnenorganisationen", sondern entscheide "unabhängig, ausbalanciert und sachverhaltsbezogen", schreibt der ZAW. Die verschärften Regelungen haben nach Ansicht des Werbeverbands bereits zu deutlichen Veränderungen geführt. Foodwatch jedoch erkenne das nicht an. 

Überhaupt gebe es gar keine ungesunden Lebensmittel. So sagte ZAW-Hauptgeschäftsführer Bernd Nauen im April: "Jedes Lebensmittel kann in einer ausgewogenen Ernährung seinen Platz finden." Damit weißt der Verband die Ergebnisse von Studien und Gutachten unter anderem von staatlichen Organisationen wie dem BMEL zurück. Nicht einmal auf eine gemeinsame wissenschaftloche Grundlage kann sich also derzeit geeinigt werden. Ein Ende des Streits ist nicht in Sicht.


Autor: Marina Rößer

hat lange in einem Start-Up gearbeitet, selbst eines gegründet und schreibt für W&V derzeit als Digital Nomad von überall aus der Welt. Sie liebt alles Digitale, gestaltet, fotografiert und kocht aber auch gerne.

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