Anzeige

Cannes Lions
Großer Erfolg in PR für Jung von Matt und Flutwein

Zweimal Gold, einmal Silber, zweimal Bronze - so gut lief es dieses Jahr nicht in vielen Kategorien. Die Deutschen können eben Content. Außerdem gibt es Gold in Creative Data für PUK. Die Ergebnisse im Engagement-Track, Teil 1.

Text: W&V Redaktion

23. Juni 2022

Gold wert: Das Hanfticket der BVG
Anzeige

Man könnte sagen: Jung von Matt ist zurück! Die Kreativagentur, die bis zur Zwischenbilanz in Cannes viele Erwartungen enttäuscht haben dürfte, eroberte sich heute einen respektablen zweiten Platz im Medaillen-Spiegel - allerdings mit großem Abstand zu Serviceplan. Dazu beigetragen haben am Donnerstag das Gold in PR, das die Agentur mit dem "Hanfticket" der BVG gewonnen hat, und der Bronze-Löwe in Media für "Herzstillstand".

Dass sich Serviceplan und Jung von Matt in Cannes ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern würden, war angesichts der Ergebnisse beim ADC im Mai erwartet worden. Serviceplan hat mit "The Wish" für Penny allerdings einen Grand Prix in Film Craft gewonnen; Jung von Matt wird das kaum einholen können. Insgesamt kommen die deutschen Agenturen, bezieht man sämtliche Kategorien bis Donnerstagabend ein, inzwischen auf 40 Löwen (siehe Medaillenspiegel unten).

Das sind die deutschen Sieger

In der Kategorie PR gewinnen außerdem: Seven.One Adfactory mit dem Flutwein (Gold). Silber geht an DDB für Reporter ohne Grenzen ("The Truth wins") - das ist der erste Löwe für die Agentur 2022 in Cannes. Bronze bekommen Philipp und Keuntje ("Hetzjäger") sowie die Self-Promo "Love the work more" aus Berlin.

Die Arbeit "Hetzjäger" für Laut gegen Nazis hat sich übrigens auch Gold in Creative Data geholt. Hier die Übersicht mit den Case-Filmen:

Dieser Inhalt kann leider nicht dargestellt werden. Sie finden ihn hier.

Dieser Inhalt kann leider nicht dargestellt werden. Sie finden ihn hier.

Dieser Inhalt kann leider nicht dargestellt werden. Sie finden ihn hier.

Dieser Inhalt kann leider nicht dargestellt werden. Sie finden ihn hier.

Dieser Inhalt kann leider nicht dargestellt werden. Sie finden ihn hier.

Zwei Gold, einmal Silber, zwei Bronze - was machen die Deutschen richtig? Eugenia Lagemann, Vorständin der Fischer-Appelt-Gruppe, erklärt es sich so: "Organisations- und Strukturfähigkeit bringen wir als Disposition gegebenenfalls etwas mit, aber wir haben uns vielleicht verbessert was 'left brain' angeht. "Besonders im Content-Bereich gehe es darum, eine große Breite an Anforderungen in Gänze hinzubekommen: von Insight, Strategie über Idee bis Kanal- und Community-Knowhow. "Da muss jeder Schritt richtig gut sein, damit hinten heraus auch wirklich etwas Grandioses entsteht."

Und das scheint in dieser Saison gelungen zu sein. Lagemann saß in der PR-Vorjury. Mit Diether Kerner, Kreativchef der Fischer-Appelt-Gruppe, hat sie mit W&V zusammen dieses Jahr den Cannes-Podcast "Bonjour de Cannes" lanciert.

PR Lions

In Cannes erklärte die Präsidentin der PR-Jury, Judy John, Content zum Kommunikations-Trend schlechthin. Nur mit guten Inhalten könne man die Menschen erreichen, sagte die Global Chief Creative Officer von Edelman. In der Flut an Formaten sei es allerdings nicht leicht, hervorzustechen. "Dafür brauchen wir wirklich brillante Ideen."

Der Grand Prix "The Breakaway" in der Kategorie habe eine solche geliefert. In Belgien hat der französische Sporthändler Decathlon (Agentur: BBDO Belgium) ein Gefängnis mit Material für ein eCycling-Team ausgestattet. Die Verurteilten konnten so, von der Anonymität geschützt, mit Teams in der Außenwelt in den Wettkampf treten. Eine Form der Inklusion, sagt Jury-Präsidentin John, die eine ganze Bewegung in dem Land begründet habe. "Das ist viel mehr als eine Kampagne."

Dieser Inhalt kann leider nicht dargestellt werden. Sie finden ihn hier.

Creative Data Lions

In der Disziplin Creative Data setzte sich die Arbeit "Data Tienda" als Grand Prix (Agentur: DDB Mexiko) durch.

Dieser Inhalt kann leider nicht dargestellt werden. Sie finden ihn hier.

In Mexiko bekommen nur die wenigsten Frauen einen Kredit, wenn sie einen brauchen. Angeblich werde das in 83 Prozent aller Fälle abgelehnt, sagt der Case-Film. Der Grund: Sie haben keine Finanzhistoririe, jedenfalls keine offizielle. Das Unternehmen WeCapital wollte das ändern und hat dafür eine Anwendung gebastelt, die sich eines einfachen Tricks bedient.

Dieser Inhalt kann leider nicht dargestellt werden. Sie finden ihn hier.

Die betroffenen Frauen haben nämlich durchaus ihre Geschichte: Die meisten lassen in den kleinen Läden im Viertel immer mal wieder anschreiben und zahlen ihre Schulden zuverlässig zurück. Mit "Data Tienda" lassen sich die papiernen Einträge der Shop-Inhaber nun ganz leicht erfassen und schon können Frauen ihre Kreditwürdigkeit digital belegen. Der Erfolg: Viele Minikredite für Mexikos Frauen.

Daneben, sagt Jury-Präsident Alan Kelly, Chief Creative Officer von Rothco in Irland, habe die Kategorie den Fun wieder entdeckt. Als ein Beispiel dafür nannte er "Apologize the Rainbow" von Skittles:

Dieser Inhalt kann leider nicht dargestellt werden. Sie finden ihn hier.

Social & Influencer Lions

In dieser Kategorie haben deutsche Agenturen nichts gewonnen. Der Grand Prix geht hier an die Arbeit "The Unfiltered History Tour" von Vice Media (Agentur: Dentsu Creative, Benagaluru), die wie Decathlons "The Breakaway" mehrmals Grands Prix in Cannes gewonnen hat.

Wie andere große Museen der Welt auch zeigt das British Musem nur einen Bruchteil seiner Exponate, darunter Objekte, die seit Jahren von Ländern zurückgefordert werden, aus denen sie ursprünglich stammen. Es sind gestohlene oder vereinnahmte Ausstellungsstücke, deren Geschichte nur wenigen Menschen bekannt ist.

Hier setzt die - übrigens unauthorisierte - interaktive Tour von Vice Media an. Besucher können bis zu zehn Objekte einscannen und erfahren dann dank Augmented Reality mehr über die Umstände, unter denen die Kunstwerke einst nach London gekommen sind. Ergänzt wird die Tour um einen Podcast mit Expert:innen-Interviews. Und eben auch um eine Social-Media-Komponente, die die Aktion weltbekannt gemacht hat.

Dieser Inhalt kann leider nicht dargestellt werden. Sie finden ihn hier.

Jury-Präsidentin Caitlin Ryan von Meta sagte, man könne als Marke heutzutage nicht mehr einfach einen Creator kaufen und ihn damit beauftragen, Reichweite zu generieren. Der Grand Prix zeige das: "Im Gegenteil müssen Sie mit der Community des Creators zusammen eine Kampagne gemeinsam erarbeiten, um Impact zu erzielen." Außerdem müsse das Ganze auch handwerklich perfekt umgesetzt werden, um ansprechend zu sein. Dann habe es eine echt Chance, Teil der Popkultur zu werden.

Und hier ist der Medaillenspiegel für Donnerstag:

Dieser Inhalt kann leider nicht dargestellt werden. Sie finden ihn hier.


Autor: Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er interessiert sich für alles, was Werber:innen unter den Nägeln brennt. Seine Schwerpunktthemen sind Agenturstrategie, Kreation und UX. Privat engagiert er sich für LGBTQI*-Rechte, insbesondere in der Ukraine.

Anzeige