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Cannes Lions
Zwischenbilanz: 29 Löwen für Deutschland

Auf der Croisette geht es etwas bescheidener zu als früher, aber Grund zum Feiern bietet das Festival immer. Mit 29 Löwen kann sich das deutsche Ergebnis sehen lassen. Der Medaillenspiegel überrascht.

Text: W&V Redaktion

23. Juni 2022

Sehnsuchts-Tier Cannes-Löwe
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Nach drei Tagen Festival steht fest: Es sieht gar nicht schlecht aus für Deutschlands Agenturen. 2021 gab es 48 Löwen insgesamt, davon 42 Löwen in den ersten drei Tagen. 2019 waren es alles in allem 32 Löwen - diese Marke dürften die Kreativen definitiv knacken. Aber - ganz früher - waren es auch schon einmal deutlich mehr. 2018 zum Beispiel: 66 Stück und Platz 5 im Nationenranking. Egal: Es ist das erste Jahr nach der Pandemie.

Platz 1: Serviceplan

Die Cannes-Jurys vergeben in diesem Jahr nur wenige Löwen und dort, wo zwei möglich wären, bislang immer nur einen Grand Prix. Das geben die KPIs des Festivals, wie zu hören ist, ganz klar vor. Relevanz, harte Währung - darum geht es den Veranstalter:innen in diesem Jahr. Nach zwei Jahren Corona muss sich das Festival 2022 konsolidieren. Die Marke Cannes Lions ist stark - sie soll stark bleiben.

Was den deutschen Medaillenspiegel angeht, wirkt die Konstellation ungewöhnlich frisch. Erstmals steht Serviceplan in Cannes an der Spitze, dafür fällt die als Favoritin gehandelte Kreativagentur Jung von Matt ab. Und: DDB, im vergangenen Jahr der große Abräumer und mit "Uncensored Library" der erste deutsche Gewinner eines Titanium-Löwen, ist diesmal noch überhaupt nicht in Erscheinung getreten. Serviceplan hat mit "The Wish" für Penny und "Dot" zwei starke Arbeiten im Rennen, die international überzeugen. Dot kennt man hier seit Jahren, auch "The Wish" hat in der Corona-Zeit die Runde im Netz gemacht. Mit der Geschichte können sich alle Juror:innen identifzieren. Der Film ist zeitlos.

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Die Münchner Agentur hat überhaupt ein gutes erstes Halbjahr hinter sich und gilt als Anwärter auf die Top-Position im W&V-Kreativranking Ende des Jahres. Jung von Matt dagegen, die wie Serviceplan jede Saison viel Geld für die Beschickung von Awards in die Hand nehmen, scheint auf internationalem Parkett dieses Jahr nicht zu glänzen. Hyundais "The bigger crash" immerhin gewinnt und auch Edeka.

Große Überraschung: Havas

Rang zwei erobert Havas, die mit ihrer Arbeit "Staybl" für die Deutsche Parkinson-Vereinigung Platz 2 im Cannes-Ranking erreicht. Kreativchef Eric Schoeffler gibt selbst zu, dass es im Markt noch andere Lösungen für das Problem gibt. Die seien aber meist teuer und nicht so leicht zugänglich wie die von Havas in Deutschland und den USA entwickelte App, die immerhin kostenlos ist. Düsseldorf hat die Anwendung konzipiert, die Amerikaner:innen habe sie technisch umgesetzt.

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Den dritten Platz teilen sich derzeit BBDO mit What's App, Sieger im W&V-Kreativranking 2021, Jung von Matt, Leo Burnett und Scholz & Friends. Leo Burnett, also Publicis, hatten den Film mit der unglücklich verliebten Spinne eingereicht. Dürfte Liebe auf den ersten Blick gewesen sein, was die Jurys dazu bewog, das Werk so weit nach oben zu wählen. Der Streifen hat bei allen Kreativwettbewerben in diesem Jahr gepunktet.

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Scholz & Friends hat sich in diesem Jahr mit Einreichungen zurückgehalten, aber Mittwoch mit dem Tampon Book doch zwei Löwen gewonnen. Die Performance der Arbeit hat die Jury für Creative Effectiveness beeindruckt.

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Die übrigen Gewinner sind: Seven.One Adfactory für Flutwein, Antoni für Mercedes Benz, Innocean für das Anne-Frank-Haus in Amsterdam, +Knauss mit Frauen aufs Podium, Ogilvy für Curtice Brothers Ketchup sowie Thjnk mit Ursula Karven/Frauen 100. Bis Ende der Woche werden noch Löwen in zahlreichen Kategorien vergeben - alles kann sich noch ändern. (cob/ph)

Hier die Übersicht:

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Autor: Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er interessiert sich für alles, was Werber:innen unter den Nägeln brennt. Seine Schwerpunktthemen sind Agenturstrategie, Kreation und UX. Privat engagiert er sich für LGBTQI*-Rechte, insbesondere in der Ukraine.

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