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TechTäglich
Apple WWDC: Das sind die deutschen Shooting-Stars

Vor dem Mittagessen die wichtigsten Meldungen des Tages – das ist TechTäglich, die Technik-Kolumne von W&V. Heute mit deutschem Content für Apple und mit der umstrittenen 9-Euro-App der Bahn.

Text: W&V Redaktion

1. Juni 2022

WWDC-Shooting-Star aus Bensheim: Nils Eric Bernschneider.
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Kein Ende beim App-Boom! Ab kommenden Montag, 6. Juni, veranstaltet Apple bis zum 10. Juni die WWDC 2022, die weltgrößte Entwickler-Konferenz. Laut Apple-Studien werden alleine in Deutschland mehr als 400.000 Jobs durch App-Entwicklung unterstützt – 11 Prozent mehr als 2020. Europaweit wurde ein Anstieg von 7 Prozent auf 2,2 Millionen Arbeitsplätze verzeichnet. Die Entwickler-Einnahmen gehen ebenfalls nach oben – im Vergleich zu 2019 um bis zu 113 Prozent.

Auf den Montag (Keynote ab 19 Uhr deutscher Zeit/live im Apple-YouTube-Channel) freuen sich alle Entwickler besonders.

Mit diesem Memoji-inspirierten Logo stimmt Apple auf die WWDC ab 6. Juni ein.

Im Online-Format präsentiert Apple den ersten Blick auf seine neuen Betriebssysteme: macOS 13, iOS 16, tvOS 16, watchOS 9 und womöglich ein neues OS für Augmented Reality namens rOS. Details? Bis Montag streng geheim.  

Fleißige Entwickler-Community: 400.000 Arbeitsplätze hat sie allein in Deutschland generiert.

Apples weltweite Community mit 30 Millionen Entwicklern und Entwicklerinnen ist gespannt. Das gilt besonders für die nächste Generation der Developer, die von Apple mit Schüler:innenprogrammen gefördert werden.  Viele von ihnen starten in der Branche durch, gründen Startup oder gemeinnützige Organisationen. In Deutschland hat das Unternehmen seit 2018 mehr als 250 Entwickler über das App Store Foundations Programm gefördert. Die Einnahmen von Entwicklern in Deutschland stiegen um 76 Prozent seit 2019.  

Die Shooting-Stars aus Deutschland sind drei der Swift Student Challenge Bewerber der WWDC 2022. Junge Entwickler zwischen 13 und 23, die Apple aufhorchen lassen. Sie haben mit Apples Swift Playground App, einem Tool zur Erstellung von Apps, Projekte erstellt, die nicht nur die Bosse in Cupertino begeistern, sondern auch hunderttausende User im App Store.

David Knothe (23) aus Karlsruhe ist bereits zum dritten Mal dabei, war zwei Mal Swift Challenge Gewinner, studiert Mathe im Master und hat bereits die App Superflow! im App Store gelauncht. Mit 13 hat er auf dem iPad zu programmieren begonnen…

Timon Harz (13) aus Demmin in Mecklenburg-Vorpommern ist noch Schüler am Goethe-Gymasium. Derzeit arbeitet er an seiner ersten App, basierend auf seinem Projekt "Encephalon" (altgriechisch für Gehirn). Die App soll helfen, sich mehr um die geistige Gesundheit zu kümmern. Timon hält den Informatikunterricht an seiner Schule für  "einseitig und kurz im Vergleich zu den von Apple bereitgestellten Programmiermaterialien".

Nils Bernschneider (auch erst 23) aus Bensheim ist erstmals Swift-Challenge-Gewinner, studiert Informatik an der TU Darmstadt und erklärt im Gespräch mit W&V: "Ich kann schon von den Einnahmen meiner Apps leben." Nils hat die erfolgreiche Sprach-Lern-App Lengo entwickelt, die mittlerweile in 25 Sprachen verfügbar ist. Um die 2 Millionen Downloads generierte Bernschneider bereits! Seine Initialzündung: Er liebte Apps auf dem iPad, begann zu sparen und kaufte sich mit 17 sein erstes MacBook. Ziel: selbst eine App programmieren.

Mit der Lengo-App von Nils Bernschneider lassen sich Sprach- und Lern-Probleme beheben.

Nils' Entwicklung ist besonders bewegend: Im Gespräch mit W&V erzählt er, dass er unter ADHS leidet, einer Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung. Konzentrationsstörungen beeinträchtigten seine schulische Leistungsfähigkeit, besonders bei Rechtschreibung und Fremdsprachen. Nach der Grundschule bekam Nils eine Sonderschulempfehlung! Damals nutzte er noch ein Samsung-Handy: "Ich dachte, ein iPhone ist zu teuer und kann nicht mehr als Android. Doch iOS ist viel anwenderfreundlicher."

Nils fand mit dem Programmieren (vorher hatte er keine Kenntnisse!) ein neues Ziel, auf das er sich komplett konzentrieren konnte. Er verzichtete in den Sommerferien auf den Urlaub: "Es waren die besten Sommerferien meines Lebens. Seitdem weiß ich, dass Programmieren etwas ist, was ich für den Rest meines Lebens tun möchte."

Er programmierte in den Ferien Tag und Nacht und machte dann sogar ein Einser-Abi. So entstand die Sprach-Lern-App Lengo, programmiert, um auch seine eigenen Rechtschreib- und Sprachprobleme "ohne das stumpfe Lernen über Karteikarten" zu beheben. Nils zu W&V: "Ich denke, viele Kinder, die in der Schule Probleme haben, können ihre Leidenschaft woanders finden, damit selbst ein erfülltes Leben leben und gleichzeitig anderen einen Mehrwert bieten. Selbst wenn sie wie ich von Lehrern als 'dumm' und 'unkonzentriert' abgestempelt werden."

Ein Vorbild für die junge Generation. Ein deutscher Shooting-Star bei der WWDC – und ein Gewinner im Leben.

Das sind die Themen von TechTäglich am 1. Juni 2022:


Autor: Michael Gronau

ist Autor bei W&V. Der studierte Germanist interessiert sich besonders für die großen Tech-Firmen Apple, Google, Amazon, Samsung und Facebook. Er reist oft in die USA, nimmt regelmäßig an Keynotes und Events teil, beobachtet aber auch täglich die Berliner Start-up-Szene und ist unser Gadget- und App-Spezialist. Zur Entspannung hört er Musik von Steely Dan und schaut Fußballspiele seines Heimatvereins Wuppertaler SV.

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