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TechTäglich
Nach 15 Jahren: E-Book-Revolution bei Amazon

Auf den Kindle-Lesegeräten von Amazon lassen sich nur E-Books lesen, die auch beim US-Händler gekauft wurden. Das gilt bisher im Wesentlichen. Doch dieser "goldene Käfig" wird nun aufgebrochen.

Text: W&V Redaktion

3. Mai 2022

Liest sich gut: Das Lesen auf dem Kindle wird flexibler.
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Nach 15 Jahren: E-Book-Revolution bei Amazon

Seit Amazon 2007 seinen ersten Kindle-Reader auf den Markt gebracht hat, funktioniert das Lesegerät mit dem hauseigenen Dateiformat "AZW" für elektronische Bücher. Das Standardformat ePUB, das praktisch alle anderen Anbieter von E-Books verwenden, läuft auf dem Kindle dagegen nicht. So stellt Amazon sicher, dass Nutzer seines Readers dann auch ihre E-Books beim US-Händler kaufen müssen. Für Bücherfans bedeutet die kundenunfreundliche Trennung bisher: Bücher aus anderen E-Book-Stores, zum Beispiel von Weltbild oder Hugendubel, lassen sich auf dem Kindle nicht lesen. Und Kindle-Bücher funktionieren auf anderen Lesegeräten wie dem Tolino aus dem deutschen Buchhandel nicht. Wer sich einen E-Book-Reader zulegt, muss sich deshalb für eine der beiden Welten entscheiden. Mit diesem "goldenen Käfig" soll es noch dieses Jahr teilweise vorbei sein.

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Hugendubel-Bücher auf dem Kindle

Denn Amazon plant die E-Book-Revolution: Gegen Jahresende erscheint eine Software-Aktualisierung, mit der sich die üblichen ePUB-Bücher auch auf dem Kindle lesen lassen. Bisher war das nur sehr umständlich über das veraltete Konvertierungsprogramm Calibre möglich. Die Neuerung haben die Experten von Good E Reader auf der Amazon-Website entdeckt. Nutzer können ihre E-Books, die nicht von Amazon stammen, dann mit der Funktion "An Kindle senden" per E-Mail direkt auf das Lesegerät schicken. Dabei wird es in ein Amazon-Format konvertiert. So landen auch elektronische Bücher aus Leihbüchereien auf dem Kindle. Voraussetzung: Die Bücher von Hugendubel & Co. dürfen über keinen "harten" Kopierschutz (DRM) verfügen.

Kindle-Bücher auf dem Tolino?

Auf diese Maßnahme verzichten aber ohnehin immer mehr Verlage. Sie setzen stattdessen nur noch auf ein unsichtbares Wasserzeichen, das zeigt, wer ein E-Book ursprünglich gekauft hat. So lassen sich elektronische Bücher unkompliziert an Familienmitglieder oder Freunde weitergeben. Das massenweise Kopieren und Einstellen in Online-Börsen wird aber verhindert, weil dem Käufer erhebliche Konsequenzen drohen. Die Mauern zwischen den beiden Lesewelten bröckeln also. Ob und wann sich Kindle-E-Books von Amazon auch auf dem Tolino und anderen Readern lesen lassen, ist aber noch nicht abzusehen.

Das sind die Themen von TechTäglich am 3. Mai 2022:


Autor: Jörg Heinrich

ist Autor bei W&V. Der freie Journalist aus München betreut unter anderem die Morgen-Kolumne „TechTäglich“. Er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Internet und Social Media künftig funktionieren, ohne die Nutzer auszuhorchen. Zur Entspannung fährt er französische Oldtimer und schaut alte Folgen der ZDF-Hitparade mit Dieter Thomas Heck.

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