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TechTäglich
Pleite! Aus für die besten Schallplatten der Welt

Eine Erfindung aus Österreich sollte die boomenden Vinyl-Schallplatten ins HD-Zeitalter befördern, mit besserem Sound und mehr Laufzeit. Doch vorerst ist die Idee gescheitert, die Firma ist pleite.

Text: W&V Redaktion

23. September 2022

Damals klang alles so vielversprechend: Testpressung für HD Vinyl.
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Pleite! Aus für die besten Schallplatten der Welt

Der niederösterreichische Tüftler und Musik-Unternehmer Günter Loibl hatte große Pläne mit seinem Projekt "HD Vinyl". Er wollte nicht mehr und nicht weniger als die besten Schallplatten der Welt erschaffen. Dafür sollte die Musik nicht mehr wie seit Jahrzehnten mit einem Schneidestichel ins Vinyl geritzt, sondern digital per Laser eingebrannt werden. Die Vorteile klangen in der Theorie spektakulär: 30 Prozent höherer Klangumfang der Platten, bis zu 30 Prozent längere Laufzeit. Auf einer LP hätte damit gut eine Stunde Musik in HD-Soundqualität Platz. Die Produktionskosten wären niedriger als mit der aktuellen Technik. Und die HD-Platten hätten sich auf jedem herkömmlichen Plattenspieler abspielen lassen. Nun ist das ambitionierte Projekt vorerst gescheitert. Wie die Futurezone berichtet, musste die eigens für "HD Vinyl" gegründete Firma Rebeat Innovation Insolvenz anmelden.

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Lasertechnik nicht präzise genug

Trotz vielversprechender Ansätze hat sich in der Praxis gezeigt, dass der Laser die erstaunliche Genauigkeit der alten Schneidemaschinen aktuell noch nicht erreicht. "Die digitale Technik war nicht präzise genug, um das Audiosignal auf der Schallplatte abzubilden", so Günter Loibl. Während die analogen Maschinen mit einer Genauigkeit von unter einem Nanometer (ein Millionstel Millimeter) arbeiten, schafft der Laser lediglich um die 100 Nanometer.

"Wenn man nur das macht, das funktioniert, gibt es keine Innovation"

Nach der Insolvenz steht nun ein Minus von 700.000 Euro in den Büchern. Doch Erfinder Loibl, der im Bereich Streaming mit Firmen aus aller Welt zusammenarbeitet, sucht bereits Investoren für ein neues Verfahren, bei dem das analoge Audiosignal den Laser steuert. Denn der Markt für besser klingende Platten könnte angesichts des aktuellen Vinyl-Booms groß sein. Fazit des Österreichers zur zunächst gescheiterten Idee: "Wenn man nur das macht, das funktioniert, gibt es keine Innovation." Und: "Wenn es funktioniert, bist du der Held. Wenn nicht, bist du der Oarsch."

Das sind die Themen von TechTäglich am 23. September 2022:


Autor: Jörg Heinrich

ist Autor bei W&V. Der freie Journalist aus München betreut unter anderem die Morgen-Kolumne „TechTäglich“. Er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Internet und Social Media künftig funktionieren, ohne die Nutzer auszuhorchen. Zur Entspannung fährt er französische Oldtimer und schaut alte Folgen der ZDF-Hitparade mit Dieter Thomas Heck.

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