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TechTäglich
Top oder Flop? Bahn mit eigener App fürs 9-Euro-Ticket

Wär ja nicht nötig gewesen – oder doch? Jedenfalls bietet die Deutsche Bahn jetzt auch noch eine eigene App fürs 9-Euro-Ticket an. Funktionen und Nutzen sind allerdings umstritten.

Text: W&V Redaktion

1. Juni 2022

9-Euro-Ticket – diese App gibt es voraussichtlich nur drei Monate lang.
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Top oder Flop? Bahn mit eigener App fürs 9-Euro-Ticket

Ab heute gilt das vieldiskutierte 9-Euro-Ticket für den Regionalverkehr in ganz Deutschland. Für neun Euro im Monat können Fahrgäste bundesweit Busse und Bahnen nutzen, das Angebot gilt im Juni, Juli und August. Für die Fahrkarten gibt es jede Menge Bezugsquellen wie die Apps der Deutschen Bahn sowie von lokalen und regionalen Verkehrsanbietern, Automaten und Reisezentren. Nun kommt die App "9-Euro-Ticket" für iOS und Android dazu, die die Deutsche Bahn und der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) gemeinsam anbieten. Sie ist für Fahrgäste gedacht, die noch kein Abo bei ÖPNV oder Bahn haben. Sie können mit der App das 9-Euro-Ticket kaufen, auf dem Smartphone abspeichern und das Handy bei Kontrollen dann als Fahrschein vorzeigen.

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"Diese App hätte die Bahn sich auch sparen können"

Ob für das zeitlich ohnehin befristete Angebot auch noch eine eigene App nötig war, ist umstritten. "Die Umsetzung dieses digitalen Angebots war ausdrücklicher Wunsch des Bundes und der Länder", heißt es von Ingo Wortmann, dem Präsidenten des VDV, der auf der Website ticket.besserweiter.de über die App informiert. Einige Tech-Experten wie Felix Gräber vom Magazin Giga sehen die Anwendung aber kritisch. Er kommentiert: "Diese App hätte die Bahn sich auch sparen können. Sie ist purer Überfluss."

Kein PayPal oder Apple Pay

Er bemängelt, dass die App zu spät kommt und auch bei den Funktionen zu wünschen übrig lässt. So ist das Bezahlen nur per SEPA-Lastschrift oder Kreditkarte möglich. Schnelle und unkomplizierte Verfahren wie PayPal, Apple Pay oder Klarna, die für App-Nutzer heutzutage selbstverständlich sind, hat Entwickler "Mobility inside" nicht implementiert. Das praktische Importieren von auf Papier bereits gekauften 9-Euro-Tickets ist auch nicht möglich. Und Services wie Bahnverbindungen oder Verspätungshinweise fehlen komplett. Dafür müssen Fahrgäste wieder zu anderen Apps springen. Ab 1. September ist die 9-Euro-App dann ohnehin wieder obsolet – wenn die Entwickler nicht à la Luca neue Nutzungsszenarien finden. Einzige Hoffnung von Giga: "Hoffentlich ist die 9-Euro-Ticket-App (bei der Entwicklung) nicht auch noch teuer gewesen."

Das sind die Themen von TechTäglich am 1. Juni 2022:


Autor: Jörg Heinrich

ist Autor bei W&V. Der freie Journalist aus München betreut unter anderem die Morgen-Kolumne „TechTäglich“. Er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Internet und Social Media künftig funktionieren, ohne die Nutzer auszuhorchen. Zur Entspannung fährt er französische Oldtimer und schaut alte Folgen der ZDF-Hitparade mit Dieter Thomas Heck.

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