Anzeige

Trickserei auf Websites
"Über uns": Firmen erfinden Fake-Mitarbeiter

Ist der eigene Mitarbeiterstab nicht groß, kompetent oder divers genug, um auf der "Über uns"-Seite Staat zu machen? Dagegen gibt es ein neues Mittel: Künstliche Intelligenz füllt die Lücken mit Fake-Mitarbeitern.

Text: W&V Redaktion

17. Oktober 2022

Sympathische und kompetente Mitarbeiter auf der Website von Informa Systems. Nachteil: Es gibt sie nicht.
Anzeige

Die "Über uns"-Seite ist für fast jede Firma im Internet Pflicht. Sie zeigt, wer für das Unternehmen arbeitet, und wie sympathisch oder kompetent die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wirken. Der Journalist und Tech-Experte Evan Ratliff hat für Business Insider nun aber herausgefunden, dass auf solche Angaben längst kein Verlass mehr ist. Denn findige Firmen füllen ihre "Über uns"-Rubrik mittlerweile mit Gesichtern und Namen, die künstliche Intelligenz erzeugt hat. In Wahrheit gibt es das gezeigte Personal überhaupt nicht. So wirken die Unternehmen größer, kompetenter oder auch diverser, als sie in Wirklichkeit sind. Wer nur weiße Männer beschäftigt, kann KI-Frauen und andere Hautfarben einbauen, und wirkt gleich viel moderner.

Dieser Inhalt kann leider nicht dargestellt werden. Sie finden ihn hier.

Ein falscher Mitarbeiter auf 30 Firmen-Websites

Bei seinen Recherchen sind dem Journalisten beispielsweise Merkwürdigkeiten auf der Seite der österreichischen Firma TakeIELTS aufgefallen, die Menschen auf Prüfungssituationen vorbereitet. Eine der "Mitarbeiterinnen" trug nur einen Ohrring, bei einem "Kollegen" waren beide Gesichtshälften unterschiedlich rasiert. Ein Manager des Unternehmens gab offen zu, dass die "Über uns"-Seite KI-Gesichter zeigt: "Das vermittelt die richtige Botschaft, dass es sich um ein großes Unternehmen handelt, das mit Fachleuten zusammenarbeitet." Mittlerweile hat TakeIELTS sowohl seinen Namen als auch die Website geändert. Evan Ratliff ist auf weitere Beispiele für Fake-Mitarbeiter gestoßen. Ein Mann namens "Roger Tendul" erschien dabei auf den Seiten von mehr als 30 Firmen. Seine Geschichte überschreibt Ratliff mit "Wer in aller Welt ist Albertina Geller? Wie künstliche Intelligenz dazu verwendet wird, um eine ganz neue Internet-Betrügerei zu erfinden".


Autor: Jörg Heinrich

ist Autor bei W&V. Der freie Journalist aus München betreut unter anderem die Morgen-Kolumne „TechTäglich“. Er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Internet und Social Media künftig funktionieren, ohne die Nutzer auszuhorchen. Zur Entspannung fährt er französische Oldtimer und schaut alte Folgen der ZDF-Hitparade mit Dieter Thomas Heck.

Anzeige