Anzeige

Inflation
Edeka beklagt Preistreibereien globaler Markenhersteller

Alle stöhnen über hohe Preise. Einige große Markenartikler hätten dennoch zuletzt ihre ohnehin hohen Gewinnspannen sogar noch ausgebaut, klagt der Edeka-Chef. Eine Antwort darauf sieht er in Einkaufsallianzen.

Text: W&V Redaktion

23. Juni 2022

Die Preise steigen – oft ohne jeden Grund.
Anzeige

Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka klagt über Preistreibereien globaler Markenhersteller. "Es werden nicht selten völlig überzogene Preiserhöhungen gefordert - oft ohne nachvollziehbaren Grund", sagte Edeka-Chef Markus Mosa am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Mit seiner Kritik steht Mosa nicht allein. Auch Rewe-Chef Lionel Souque hatte sich in den vergangenen Monaten ähnlich geäußert. 

Nicht alle aktuellen Preissteigerungen im Einzelhandel seien auf gestiegene Rohstoffpreise und Transportkosten zurückzuführen, sagte Mosa. Globale Markenhersteller nutzten ihre Marktmacht in den Einkaufsverhandlungen mit nationalen Einzelhändlern weiterhin, um die eigenen Gewinnmargen zu erhöhen. Regelmäßig werde seitens der Hersteller dabei auch mit Lieferstopps gedroht. 

"Die unfairen Industriepraktiken führen dazu, dass Markenhersteller ihre Gewinnmargen nicht nur festigen können, sondern diese sogar kontinuierlich ausgebaut haben", sagte Mosa. Die hohen Umsatzrenditen globaler Markenhersteller im zweistelligen Prozentbereich sprächen hier für sich. 

Internationale Einkaufsgemeinschaften als Gegengewicht 

Ein Gegengewicht zur Marktmacht der globalen Markenindustrie seien die internationalen Einkaufsgemeinschaften im Einzelhandel, sagte der Manager. Sie ermöglichten es dem Handel zunehmend auf Augenhöhe zu verhandeln. Gewinner seien die Verbraucher, die von geringeren Preisen profitierten. 

Mosa verwies auf eine aktuelle Studie der Wirtschaftshochschule Insead zum Einfluss der internationalen Einkaufsallianz Agecore, zu deren Mitgliedern auch Edeka gehörte. Danach wurde im Zeitraum von 2014 bis 2019 von den Kunden für Produkte, die über die Einkaufsallianz gekauft wurden etwa 12 Prozent weniger gezahlt, als es ohne Agecore der Fall gewesen wäre. Bei einzelnen Produktkategorien wie Tiefkühlkost hätten die Einsparungen sogar bei bis zu 36 Prozent gelegen. Auch die Einkaufsallianzen der europäischen Lebensmittelhändler sind allerdings wegen ihrer geballten Einkaufsmacht nicht unumstritten. 

Aktuell ist Edeka Mitglied der Einkaufsallianz Epic, die an die Stelle von Agecore getreten ist. Ihr gehören neben Edeka unter anderem die Schweizer Handelsgruppe Migros, der schwedische Händler ICA Gruppen und das niederländische Start-up Picnic an. Konkurrent Rewe gehört dagegen den Einkaufsallianzen Coopernic und Eurelec an. (dpa/st)


Autor: W&V Redaktion

Nicht alle W&V-Artikel erscheinen unter dem Namen eines einzelnen Autors. Es gibt unterschiedliche Gründe, warum Artikel mit „W&V-Redaktion“ gekennzeichnet sind. Zum Beispiel, wenn mehrere Autoren daran mitgearbeitet haben oder wenn es sich um einen rein nachrichtlichen Text ohne zusätzliche Informationen handelt. Wie auch immer: Die redaktionellen Standards von W&V gelten für jeden einzelnen Artikel.

Anzeige