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Tabubruch?
Gillette und Grey lassen Schamhaare tanzen

Gillette macht einen auf Aufklärungskampagne, stellt das eigentliche Thema jedoch verniedlichend und entfremdet dar. Echte Bodypositivity geht anders.

Text: W&V Redaktion

18. Juli 2022

Süß sind sie ja und der Song hat Ohrwurm-Potenzial. Dennoch könnte die der Intimbehaarung gewidmeten Kampagne von Venus mehr Message beinhalten.
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Schamhaare. Allein die Bezeichnung impliziert schon, dass es sich hierbei um etwas handelt, für das man sich schämen muss. Zumindest im Deutschen. Auf englisch nennt man sie "Pubic Hair" und diesen hat Gillette für seine Marke Venus nun einen eigenen Spot gewidmet.

Ausgerechnet ein Unternehmen, dass doch eigentlich seine Klingen an Mann und Frau bringen will, feiert also nun die wuchernde Natur? "I celebrate every hair down there", singt jedenfalls Rapperin Princess Nokia in dem von Grey New York entwickelten Clip. "It's Time to Care (For Your Public Hair)" lautet der Titel des Songs mit Ohrwurm-Potenzial.

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Der rund einminütige Clip knüpft dabei an "The Pube Song" aus dem Jahre 2021 an, welcher für den von Bang Music produzierten Song einen AMP Award gewann. Wie auch der Vorgänger stammt die aktuelle Kampagne vom Animationsstudio Strange Beast unter der Regie von Sacha Beeley. Auch Bang Music zeichnet wieder für die Musik verantwortlich. 

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Das eigentliche Thema zu verfremden ist kein Tabubruch

"Ich liebe es, wie Venus alle Hebel in Bewegung setzt, um die Leute dazu zu bringen, sich mit dem Wort Schamhaar vertraut zu machen", so Princess Nokia, Co-Autorin und Featured Artist. "Als Songwriterin und Rapperin möchte ich mit meinen Fans in Kontakt treten und sie ermutigen, zu ihrem wahren Ich zu stehen." Alle Hebel in Bewegung setzen?

Naja, denn der Film ist wie auch schon "The Pube Song" im Comic-Stil gehalten, die tanzenden und singenden Härchen stilisiert und ohne Bezug zum Körper dargestellt. Einerseits behauptet man bei Procter & Gamble, man wolle sich gegen Tabus einsetzen, andererseits wird das eigentliche Thema doch wieder verniedlicht. Bodypositivity ja, aber nur bis zu einem gewissen Grad. Denn so schön und fröhlich der Film auch ist, die unangenehmen Seiten der Intim- und Haarpflege thematisiert er nicht, wie etwa Rasurbrand, eingewachsene Haare, Stoppeln und natürlich Verletzungen durch unscharfe Klingen.

Wie das besser geht, zeigte Canesten in einer ebenfalls vergangene Woche veröffentlichten Kampagne, die Fotos von Vulven zeigt, um vor allem jungen Menschen mit Vagina Unsicherheiten zu nehmen. Ohne Filter, ohne Zeichnungen und Animationen, mit und ohne Haare.


Autor: Marina Rößer

Marina Rößer hat lange in einem Start-Up gearbeitet, selbst eines gegründet und schreibt für W&V derzeit als Digital Nomad von überall aus der Welt. Sie liebt alles Digitale, gestaltet, fotografiert und kocht aber auch gerne.

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