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Second-Hand-Modell
Ikea zeigt das traurige Schicksal von Billy, Klippan und Kallax

Seit 2019 bietet Ikea seinen Second-Hand-Service an. Nun gibt es eine neue Kampagne unter dem Namen "The Life Collection". Es geht um Tod, Pandemie und sogar Alkoholismus.

Text: W&V Redaktion

27. September 2022

Ikea und Try haben die Stücke aus dem Video nach eigenen Angaben zurück gekauft. Nur von wem, wenn der Besitzer der Toledo-Stühle gestorben ist?
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Was hierzulande mit Ikea-Möbeln passiert, die noch gut erhalten sind, aber nicht mehr gebraucht werden oder nicht mehr gefallen, ist klar: Sie landen auf Ebay-Kleinanzeigen. Doch was ist mit den Stücken, die noch gut erhalten sind, aber irgendwie vergessen wurden? Zum Beispiel weil der oder die Besitzer:in verstorben ist, die Firma, in der sie stehen, konkurs ging oder die einfach nur mal kurz im Treppenhaus abgestellt wurden? Nach der Trash-Kollektion 2021, bei der Ikea-Möbeln, die im Müll gefunden wurden, ein zweites Leben gegeben wurde, folgt nun die "Life"-Kollektion, um den Second-Hand-Service der Möbelkette zu bewerben.

Das Prinzip dahinter: Ikea kauft gut erhaltene Möbel zurück - vom klassischen Billy-Regal bis hin zur Esszimmereinrichtung aus den siebziger Jahren, und bietet diese in einem eigens eingerichteten Second-Hand-Bereich in den Filialen an. Ein traurig anmutendes Video von TRY und produziert von Aparent bewirbt das Konzept angeblich mit echten Fundstücken, die zurück- und nun in den Einrichtungshäusern wieder verkauft werden. Es geht um Tod, Pandemie und sogar Alkoholismus. Unterlegt wird der nostalgische Clip von einer melancholischen Version des 80er-Jahre-Hits "Don't You (Forget About Me)" von Simple Minds.

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"Wir wollten zeigen, wie wir es verstehen, dass Möbel nicht für immer gebraucht werden", sagt Ikea Global Marketing Manager Roberto Giannone. "Unsere neuen Second-Hand-Stores sind notwendig, weil das Leben passiert, und wir suchten nach einer nachhaltigeren Art, mit unseren Möbeln umzugehen."

Das "Zweite-Chance"-Modell hat Schwächen

Den Service gibt es bereits seit Mitte 2019. Mit H&M hat ein weiteres schwedisches Unternehmen kürzlich eine Second-Hand-Kategorie aufgemacht, allerdings erst einmal nur online und für Frauen- und Kinderbekleidung. Das "Zweite-Chance"-Modell von Ikea hat aber einige Schwächen. Denn so schön das ganze auch klingt, ein Blick auf die deutsche Informationsseite zum Service zeigt, mit wie vielen Einschränkungen dieser verbunden ist. Die Liste der Möbel, die Ikea nicht zurück kauft, ist länger als die der gewünschten. Außerdem müssen die Möbel komplett aufgebaut ins Möbelhaus gebracht werden. Bei sperrigen Stücken wie etwa Kommoden könnte das zu einem erheblichen Mehraufwand führen - nervlich, körperlich und finanziell, weil zum Beispiel extra ein Sprinter gemietet werden muss.

Wieviel Ikea für das jeweilige Möbelstück zahlt, ermittelt ein Online-Rechner. So gibt es für eine Kommode, die neu rund 79 Euro kostet, 35 Euro zurück, wenn ihr Zustand "wie neu" ist, und 21 Euro, wenn sie leichte Gebrauchsspuren hat. Auf Ebay-Kleinanzeigen könnte es dafür noch rund 50 Euro geben. Inklusive leichter Gebrauchsspuren und Abholung. Wenn man das noch ins Verhältnis setzt, mit dem lebenslangen Rückgaberecht, das Ikea 2014 versprach und nach zwei Jahren wieder gestrichen hat, wirkt das Modell nicht gerade großzügig.


Autor: Marina Rößer

Marina Rößer hat lange in einem Start-Up gearbeitet, selbst eines gegründet und schreibt für W&V derzeit als Digital Nomad von überall aus der Welt. Sie liebt alles Digitale, gestaltet, fotografiert und kocht aber auch gerne.

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