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Entlassungen
Snap-Krise: Entlassungen und Führungswechsel

Der Aktienkurs von Snap hat seit Anfang des Jahres fast 80 Prozent seines Wertes verloren. Die Prognosen sind weiterhin schlecht, jetzt zieht Snap Konsequenzen: Medienberichten zufolge sollen 20 Prozent der Belegschaft entlassen werden. Auch hochkarätige Führungskräfte verlassen das Unternehmen. 

Text: W&V Redaktion

31. August 2022

Bei Snap geht es abwärts.
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Um Snap, den Konzern der hinter der beliebten App Snapchat steht, steh es schlecht. Der Aktienkurs von Snap hat seit Anfang des Jahres fast 80 Prozent seines Wertes. Bereits im Mai kündigte der Konzern an, die Neueinstellungen zu reduzieren und nach Möchglichkeiten für Kostensenkungen zu suchen. Nach enttäuschenden Ergebnissen im zweiten Quartal und der schlechten Prognose für das dritte Quartal werden nun Konsequenzen gezogen. Etwa 20 Prozent der mehr als 6.400 Mitarbeiter sollen laut einem Bericht von The Verge entlassen werden. Das Nachrichtenportal bezieht sich dabei auf eine anonyme Quelle aus dem Konzern. 

Die Entlassungen, die Snap schon seit einigen Wochen plant, sollen heute beginnen und einige Abteilungen härter treffen als andere. Besonders hart treffe es die Entwickler:innen der Mini-Apps innerhalb von Snapchat und das Team der separat betriebenen Social-Mapping-App Zenly. Ein weiteres Team, das von Entlassungen betroffen sein soll, ist die Hardware-Abteilung von Snap, die für die AR-Brille Spectacles und die Pixy-Kameradrohne verantwortlich ist. Diese wurden kürzlich nach nur wenigen Monaten im Verkauf eingestellt. Auch die Anzeigenverkaufsorganisation des Unternehmens soll umstrukturiert werden. Russ Caditz-Peck, ein Sprecher von Snap, lehnte eine Stellungnahme zu den Entlassungen ab.

Führungskräfte wechseln zu Netflix

Unter den Mitarbeiter:innen, die das Unternehmen verlassen werden, sind laut The Verge auch Jeremi Gorman, Chief Business Officer und Peter Naylor, Vice President of Ad Sales. Sie kündigten gestern ihren Wechsel zu Netflix an. Netflix hat in diesem Jahr seine eigenen Entlassungsrunden hinter sich, entließ Hunderte von Mitarbeitern und reduzierte sein Programm, nachdem es den ersten Abonnentenverlust seit einem Jahrzehnt gemeldet hatte. Jetzt bereitet das Unternehmen die Einführung eines billigeren, werbefinanzierten Angebots vor, das zwischen 7 und 9 Dollar pro Monat kosten könnte und Extras wie die Möglichkeit, Videos herunterzuladen, ausschließt.

Auch die Personalreduktion bei Snap kommt nicht überraschend. Ähnlich wie Netflix hat auch Snap während der Pandemie aggressiv Personal eingestellt. Das Unternehmen begann im März 2020 mit rund 3.427 Vollzeitbeschäftigten und beendete das letzte Quartal mit 6.446 Mitarbeiter:innen, was einem Anstieg von 38 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitpunkt des Vorjahres entspricht. Im Mai 2021 tätigte das Unternehmen seine bisher größte Akquisition, indem es Wave Optics, den Lieferanten der AR-Displays, die in seinen neuesten Spectacles verwendet werden, für mehr als 500 Millionen US-Dollar kaufte.

Trotz dieser Investitionen lief das Geschäft von Snap nach der Pandemie nur schleppend. An den Nutzer:innen liegt es nicht: Mittlerweile hat die App 347 Millionen tägliche Nutzer, also mehr als Twitter. Seit dem Börsengang im Jahr 2017 hat es das Unternehmen jedoch nur ein einziges Mal geschafft, Gewinn zu erzielen. 

Evan Spiegel, CEO Snap Inc, kommentiert die Veränderungen im Unternehmen so: "Heute restrukturieren wir unser Geschäft, um uns stärker auf unsere drei strategischen Prioritäten zu konzentrieren: Community-Wachstum, Umsatzwachstum und Augmented Reality. Infolgedessen stellen wir mehrere Projekte ein, reduzieren die Größe unseres Teams um etwa 20 Prozent und geben bekannt, dass Jerry Hunter zum Chief Operating Officer befördert wurde. Veränderungen dieser Größenordnung sind immer schwierig und wir konzentrieren uns darauf, unsere scheidenden Teammitglieder bei diesem Übergang zu unterstützen. Wir sind sehr dankbar für ihre zahlreichen Beiträge." Zugleich hat Spiegel seine Belegschaft in einem Memo über die Änderungen bei Snap unterrichtet.


Autor: Lisa Plank

Lisa Plank hat an der Technischen Universität München Politikwissenschaften studiert. Ihr Volontariat hat sie während des Studiums als Stipendiatin des Institut für Journalistenausbildung der Passauer Neuen Presse absolviert. Weitere Stationen waren die Allgemeinen Zeitung Namibia und das ZDF Auslandsstudio in Paris. Jetzt arbeitet sie als freiberufliche Journalistin und Filmemacherin in München und Windhoek.

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