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Seife zum Selbermachen
Startup erhebt Plagiatsvorwürfe gegen Beiersdorf

Refill, Reuse, Reduce: Mit diesem Claim wirbt das Kosmetik-Startup "Better by Less". Aber auch Nivea für ein sehr ähnliches Produkt. Wie Gründerszene herausgefunden hat, hat sich der Konzern möglicherweise des Startup-Konzepts bedient.

Text: W&V Redaktion

18. Mai 2022

Aus Pulver wird Seife: Eine Idee, die immer mehr Verbreitung findet. Doch Beiersdorf hat möglicherweise zu viele Komponenten von Better by Less übernommen.
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Insgesamt zehn Gespräche führte Dominik Eggert, Gründer von Better by Less, mit Beiersdorf zwischen September 2019 und Mai 2020. Rund ein Jahr später bringt der Konzern unter seiner Marke Nivea ein ähnliches Produkt mit einem ähnlichen Claim heraus. Nun hat sich Eggert an das Magazin Gründerszene gewandt, um seine Geschichte zu erzählen, denn er glaubt nicht, dass es sich dabei um einen Zufall handelt, sondern das Unternehmen ganz bewusst sein Wissen ausgenutzt habe, um das Konzept zu kopieren - von Produkt bis Slogan.

Kosmetik und Haushaltsprodukte zum Selbermachen sind der letzte Schrei

Better by Less produziert Seifen und Shampoos zum Selbstanmischen. Die Essenzen befinden als Pulverform sich in kleinen Tütchen, dazu gibt es schicke nachfüllbare Flaschen und Seifenspender aus Glas oder PET. So möchte man Plastik und Emissonen durch Transportvolumen vermeiden. Grundsätzlich kein einzigartiges Konzept, denn auch Konkurrent Less Waste Club verkauft Kosmetikprodukte in Pulverform. Everdrop produziert Tabs und Pulver, die sich in Verbindung mit Wasser in Haushaltsreiniger verwandeln. Klar, dass auch irgendwann die großen Konzerne auf die Idee kommen, auf den Nachhaltigkeits- und Wiederauffüllzug aufzuspringen. Grundsätzlich geschützt ist das Konzept nicht. Doch so einfach ist das im Falle von Better by Less nicht.

Ein Starter-Set von Better by Less. Die Flaschen bestehen aus Glas oder PET. Auf der Unterseite ist der Slogan gedruckt.

Denn wie die Gründerszene berichtet, wurde das Startup im September 2019 von Beiersdorf kontaktiert. Damals befand sich Better by Less gerade in der Frühphase, hatte gerade sein Produkt herausgebracht. Der Nivea-Konzern sei an einer Zusammenarbeit interessiert, möglicherweise an einem Investment. Wie üblich bei solchen Gesprächen wurden viele Fragen zum Produkt, Herstellungsprozess, Marketingstrategie und vieles mehr gestellt. Der M&A-Verantwortliche bei Beiersdorf zeigte sich jedoch nicht beeindruckt und sagte laut Gründerszene noch während des finalen Pitches ab. 

Ein Jahr nach den Gesprächen erscheint ein ähnliches Produkt mit ähnlichem Claim

Wie Gründerszene weiter berichtet, bringt Nivea rund ein Jahr später im Vereinigten Königreich einen recycelten Seifenspender heraus, der sich durch eine Tablette, die mit Wasser angemischt wird, befüllen lässt. Der Claim auf der Vorderseite lautet "Refill. Reuse. Reduce." Denselben Spruch, mit dem Better by Less wirbt und den das Start-Up auf die Unterseite seiner Flaschen druckt. Nachdem der Gründer bei Beiersdorf nachfragte, wie das sein kann, ist für ihn klar, dass der Konzern sein Wissen bewusst ausgenutzt und das Konzept kopiert habe.

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Zu Gründerszene äußert sich Beiersdorf folgendermaßen: "Wir möchten uns klar von einem Plagiatsvorwurf gegen unsere Nivea Eco Refill Handseife distanzieren. Als innovatives Hautpflegeunternehmen verfolgen wir eng das Marktgeschehen, beobachten Trends und reagieren selbständig auf die Entwicklung des Marktes." Das Unternehmen sagte in dem Statement auch, dass es seine Verpackungen bis 2025 wiederverwendbar oder recyclingfähig machen wolle. Die ganze Geschichte gibt es hier.

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Autor: Marina Rößer

hat lange in einem Start-Up gearbeitet, selbst eines gegründet und schreibt für W&V derzeit als Digital Nomad von überall aus der Welt. Sie liebt alles Digitale, gestaltet, fotografiert und kocht aber auch gerne.

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