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Öffentlich-rechtliche
ZDF schichtet 100 Millionen für neue Zielgruppen um

Analysen des ZDF haben ergeben, dass eine gewisse Audience gar nicht mehr erreicht wird. Um das zu ändern, wird nun ein Millionenbudget umgeschichtet. Unter anderem soll die Mediathek verbessert werden.

Text: W&V Redaktion

4. November 2022

Das ZDF will den Dialog mit dem Publikum weiter entwickeln.
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Das ZDF will neue und jüngere Zielgruppen erreichen. Dafür werden 100 Millionen Euro pro Jahr umgeschichtet, wie ZDF-Intendant Norbert Himmler am Donnerstag in Berlin erklärte. Seine Senderfamilie arbeite mit Nachdruck an dem strategischen Ziel, die Akzeptanz in der Gesellschaft zu stärken.

Online-Panel zur Zielgruppenbefragung

Himmler schilderte die Beweggründe: "Wir erreichen nicht mehr alle Gruppen gleichmäßig. Um das zu ändern, schichten wir strategisch 100 Millionen Euro jährlich für neue und jüngere Zielgruppen um. Die Investition in neue Programminhalte bedeutet auch: weniger im linearen Programm und dafür mehr non-lineare Angebote für Jüngere." Das sind solche Angebote, die im Internet abgerufen werden können.

Das ZDF will nach Himmlers Worten auch den Dialog mit dem Publikum weiter entwickeln. "Wir bauen in den nächsten Jahren ein bundesweites Online-Panel auf. Unser Ziel ist es, uns mit etwa 100.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern regelmäßig auszutauschen. Das Panel ist repräsentativ und wird ein wichtiger zusätzlicher Baustein für einen nachhaltigen Dialog mit unserem Publikum." 

Um Neuentwicklungen im Programm besser an den Bedürfnissen des Publikums auszurichten, hat das ZDF nach Himmlers Worten außerdem eine neue Zielgruppen-Systematik erarbeitet. Diese bilden gesellschaftliche Gruppen nach Kriterien wie Alter, Mediennutzung oder Lebensumständen ab. Dafür hat die ZDF-Medienforschung in den Jahren 2019 und 2020 den Bewegbild-Konsum aller Deutschen, die älter sind als 14 Jahre, neu vermessen und Millionen Datensätze analysiert. 

Manche Zielgruppen fallen komplett raus

"Wir haben uns angeschaut, welche Inhalte nutzt jemand, welche Plattformen und so weiter. Mithilfe von KI und Algorithmen haben wir daraus die neuen Gruppen gebildet. Wir wissen, dass wir einige dieser Gruppen kaum mehr oder gar nicht erreichen. Das müssen und wollen wir ändern", sagte Himmler. So kompliziert muss es manchmal aber gar nicht sein. Ein Anfang wäre, Debatten in den sozialen Netzwerken Gehör zu schenken, wie etwa im September um die Winnetou-Filme. Das ZDF hielt jedoch an den Sendeplänen fest und strahlte den umstrittenen Film "Winnetou und das Halbblut Apanatschi" am Tag der Deutschen Einheit aus. Kritiker:innen hatten dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk zuletzt außerdem vorgeworfen, dass alle Bürger:innen für die Sender zahlen müssen, aber nicht jede:r von dem Programm angesprochen wird.

Offenlegung der Algorithmen in der Mediathek

Zusätzlich bemüht sich der Sender um mehr Transparenz und legt die Algorithmen für die Empfehlungen in seiner Mediathek offen. Seit Donnerstag können Nutzerinnen und Nutzer genau nachlesen, wie die persönlichen Empfehlungen zustande kommen. "Die Offenlegung ist ein wichtiger Teil unserer Transparenz gegenüber dem Publikum", erläuterte Intendant Norbert Himmler. "Das Besondere an unseren Algorithmen ist, dass sie nicht nur aufgrund von Vorlieben und konkreter Nutzung ähnliche Sendungen empfehlen, sondern immer auch Angebote anbieten, die den Horizont erweitern." (rom mit dpa)


Autor: Marina Rößer

hat lange in einem Start-Up gearbeitet, selbst eines gegründet und schreibt für W&V derzeit als Digital Nomad von überall aus der Welt. Sie liebt alles Digitale, gestaltet, fotografiert und kocht aber auch gerne.

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