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Konsole ersetzt Katar
WM-Trick: FIFA-23-Videos statt echtem Fußball

Wer auf Youtube Livestreams von der Fußball-WM in Katar anklickt, sieht oft nicht die richtigen Spiele, sondern täuschend echte Übertragungen von der Playstation. Der Fake-Fußball greift jetzt immer mehr um sich.

Text: W&V Redaktion

12. Dezember 2022

Jubeln hier Fake-Holländer oder echte Spieler? Spätestens nach ein paar Bier ist das kaum mehr zu unterscheiden.
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Fußball-Videospiele wie "FIFA 23" von Electronic Arts oder "eFootball 2023" von Konami sehen mittlerweile so echt aus, dass sie während der WM in Katar eine ganz neue und kuriose Art von Online-Betrug ermöglichen. Youtube-Schummler streamen dabei Playstation-Spiele, die sie als Livestreams von WM-Partien ausgeben, um damit Klicks und Werbeeinnahmen abzugreifen. Wie Techspot berichtet, kommen beispielsweise die Fake-Fußballvideos des vietnamesischen Kanals "Minute90Kplus" teilweise auf mehr als 200.000 Klicks – obwohl dort statt FIFA-WM aus Katar nur "FIFA 23" zu sehen ist.

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1,26 Millionen Abonnenten mit Fake-Fußball

Der englische Youtube-Kanal "Football Live" hat 1,26 Millionen Abonnenten – obwohl dort die Elfmeter zwischen England und Frankreich nicht aus Katar zu sehen sind, sondern nur von der Konsole. Die meisten Zuschauer schalten die Fake-WM zwar offenbar ab, sobald die wenig realistischen Nahaufnahmen der Spieler zu sehen sind. Aber aus der Vogelperspektive, mit reduzierter Auflösung und mit dem echt klingenden Kommentar aus FIFA & Co. kann man durchaus für ein paar Minuten meinen, ein echtes Spiel zu sehen – besonders, so Techspot, "wenn man ein bisschen betrunken ist".

Die Werbeeinnahmen sprudeln

Ein Konsolenspiel als Liveübertragung von der WM auszugeben, noch dazu mit dem roten Livesymbol, verletzt zwar die Youtube-Bestimmungen gegen irreführende Bezeichnungen von Videos. Trotzdem tauchen viele der Clips als echte Liveübertragungen in der Google-Suche auf. Und die Werbeeinnahmen der Fußballschummler sprudeln kräftig.


Autor: Jörg Heinrich

Jörg Heinrich ist Autor bei W&V. Der freie Journalist aus München betreut unter anderem die Morgen-Kolumne „TechTäglich“. Er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Internet und Social Media künftig funktionieren, ohne die Nutzer auszuhorchen. Zur Entspannung fährt er französische Oldtimer und schaut alte Folgen der ZDF-Hitparade mit Dieter Thomas Heck.

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