Anzeige

Fleisch nur noch gegen Aufpreis
Burger-Kette polarisiert mit Veggie-Konzept

In den Burgerläden der Hamburger Kette Otto’s Burger ist ab sofort Veggie die neue Norm: Wer weiterhin Fleisch will, zahlt einen Euro mehr. Die Reaktionen auf diese Neuerung ließen nicht lange auf sich warten.

Text: W&V Redaktion

16. November 2022

Was steckt drin? Diese Frage wird bei Otto's Burger zum Zankapfel
Anzeige

Die Hamburger Kette Otto’s Burger hat seine Speisekarte, so drückt es das Unternehmen selbst aus, auf den Kopf gestellt: Seit Montag gibt es auf der Karte standardmäßig nur noch vegetarische und vegane Burger – wer weiterhin ein Fleischpatty zwischen seinen Burgerbrötchen haben will, zahlt einen Euro Aufpreis.

Die fleischlosen Patties auf Erbsen- und Weizenbasis gibt es schon seit einigen Jahren, und von nun an werden diese automatisch serviert, sofern nicht explizit anders bestellt – und bezahlt. „Es ist aktuell sehr viel los in der Welt, viel ist im Umbruch. Krieg in Europa, Revolutionen, extreme Wetterveränderungen… das alles macht uns natürlich nachdenklich“, heißt es auf der Website und den Social-Media-Kanälen von Otto’s Burger. „Können wir es noch verantworten den Fokus auf Fleisch zu legen? Die Antwort ist NEIN.“ Den teureren Preis für Burger vom Rind erklärt die Kette ganz simpel: „Unser Fleisch ist teurer im Einkauf als die Veggiepatties.“ Die Formulierung, dass Fleisch „ein echter Klimakiller“ sei, wurde aus dem Text nachträglich entfernt.

Dieser Inhalt kann leider nicht dargestellt werden. Sie finden ihn hier.

„Helden“ oder heuchlerisch: Die Entscheidung polarisiert

Man sei sehr gespannt auf das Feedback der Kunden, endet der Text – und das ließ nicht lange auf sich warten. Dass die Entscheidung von Otto’s Burger polarisieren würde, war abzusehen. Auf Social Media rangieren die Reaktionen von Begeisterung bis Entrüstung – teils auch von denjenigen, denen dieser Schritt nicht weit genug geht.

Ein Großteil der Reaktionen auf den Social-Media-Kanälen der Burger-Kette begrüßt die Entscheidung. Als „Vorreiter“ und gar „Helden“ wird das Team von Otto’s Burger in Kommentaren auf Facebook und Instagram gefeiert. „Ich finde diesen Schritt so wichtig und toll von euch! Sehr progressiv!“ heißt es dort, oder: „Sehr geil, da sollten sich alle Restaurants ein Vorbild dran nehmen!“ Lob gibt es nicht nur aus ideologischer, sondern auch pragmatischer Sicht: „Macht Sinn, Fleisch ist viel teurer (sollte es sein) als pflanzliche Produkte, so herum ist es genau richtig.“

„Schade“ und „scheinheilig“ steht auf der anderen Seite des Spektrums. Viele wollen „auf jeden Fall weiterhin Fleisch, halt nur nicht bei euch“. Persönlichen Boykott kündigen viele an und zweifeln mitunter gar an der Wirtschaftlichkeit des Konzepts: „Dann hoffe ich es gibt genug Vegetarier bzw. Veganer die bei euch kaufen... tät mir um die Arbeitsplätze leid!“

Preiserhöhung in Veggie-Mogelpackung?

Wirtschaftliche Motivation anstatt einer moralischen wittern wiederum andere Nutzer:innen, die Otto’s Burger vorwerfen, eine Preiserhöhung mit einem geschickten, grün gefärbten Marketingkniff zu verkaufen.

„Macht, rein kapitalistisch betrachtet, absolut Sinn. Denn jetzt kann man den gleichen Burger einen Euro teurer verkaufen. Macht's doch einfach gleich teuer und die Veggies ohne Aufpreis. Das wäre fair!“

Einige Fleischliebhaber fühlen sich durch die preisliche Diskrepanz gar benachteiligt: „Ich hätte es schöner gefunden, wenn man das ganze einfach auf eine Stufe stellt. Und nicht das eine über das andere oder es gar als ‚Deluxe‘ verkauft.“

Mutiges Marketing – aber nicht mehr?

Während für die einen eine Grenze überschritten ist, geht es anderen nicht weit genug. „Also kurz gesagt, die Umwelt ist euch wichtig, aber nicht so wichtig, dass ihr Fleisch von der Speisekarte entfernen werdet und auf das Geld von Fleischkonsum verzichtet“, lautet einer von diversen Kommentaren mit ähnlicher Botschaft.

Vorerst setzt Otto’s Burger jedoch auf kulinarische Auswahl. Aufmerksamkeit hat das Unternehmen mit seinem neuen Fokus auf vegetarisches und veganes Essen jedenfalls reichlich generiert.


Autor: Jennifer Caprarella

Jennifer Caprarella begann ihre Karriere in einer Entertainment-Nachrichtenagentur, wo sie direkt nach dem Praktikum die Leitung eines der TV-Ressorts übernahm, und entdeckte als freiberufliche Redakteurin schließlich ihre Affinität für Digital-, Social-Media- und Tech-Themen. Wenn sie nicht von ihrer Heimatstadt München aus in die Tasten haut, treibt sie sich in Londons Theaterhäusern rum oder geht mit Hündin Luna auf Fährtensuche.

Anzeige