Anzeige

Ende einer Ära
Amir Kassaei verlässt DDB

Der weltweite Kreativchef kümmert sich noch ein bisschen um C14torce und den Kunden Seat, dann wird sich Amir Kassaei wohl ganz aus der Welt der Werbung verabschieden.

Text: W&V Redaktion

15. Januar 2019

Amir Kassaei macht noch Seat bis Ende des Jahres, dann ist Schluss.
Anzeige

Offiziell bestätigen will die Personalie niemand, obwohl sie längst absehbar war. Amir Kassaei selbst hat seinen Rückzug vom Posten als globaler Kreativchef von DDB angekündigt. Das war im März 2017; jetzt macht er ernst.

W&V-Informationen zufolge hat der Top-Kreative DDB bereits verlassen und kümmert sich mit C14torce in Barcelona erst mal noch um Seat. Die Agentur hatte er 2016 eigens für den Autobauer gegründet; der Vertrag mit dem Kunden läuft bis Ende des Jahres. Kassaei lebt offenbar schon länger in Barcelona.

Kommissarische Nachfolge für Amir Kassaei

Die Aufgaben Kassaeis übernimmt jetzt Richard Brim, Chief Creative Officer von Adam & Eve DDB in London, kommissarisch, bis Wendy Clark, CEO der DDB Group, eine Nachfolge bestimmt. Falls sie das überhaupt will.

Dieser Inhalt kann leider nicht dargestellt werden. Sie finden ihn hier.

Kassaei habe bei DDB, heißt es, schon länger keine aktive Rolle mehr gespielt; Seat war sein letztes Agenturbaby. Der Wechsel ist jetzt vollzogen. Die jüngste Kampagne von Seat lief im Dezember 2018 für die TV-Tanzshow "Masters of Dance". Im Mittelpunkt der Videos stand die Tänzerin Nikeata Thompson, Markenbotschafterin von Seat:

Der weltweit bekannte Werber hat sich im Laufe seines Lebens immer sehr kritisch über die Branche geäußert, für die er tätig war. In jungen Jahren mag das Kalkül gewesen sein; er war eine Art Lieblingsfeind der Kommunikationsbranche, der mit seinen ätzenden Kommentaren gute PR für sich und seine Agentur machte. In all der Zeit hat er durchaus Impulse gesetzt, zum Beispiel mit seiner Forderung, Agenturen müssten wie kreative Unternehmensberater handeln. Zuletzt wirkte er aber tatsächlich angewidert vom Zustand der Werbung.

In einem "Horizont"-Interview kritisierte Kassaei im März 2017, Marketer und Werber hätten jeden Bezug zur Realität verloren. "Unsere Branche lebt davon, dass wir die Finger am Puls der Zeit haben", sagte er. "Das haben wir aber nicht mehr. Wir beschäftigen uns nur noch mit Dingen, die keinerlei Bedeutung haben." Was folgt? Weiß man nicht. Kassaei selbst schweigt.

Die Karriere begann bei Springer & Jacoby

Von 1997 bis 2003 saß Amir Kassaei bei Springer & Jacoby auf dem Mercedes-Etat, von dort hat er sich nach oben gearbeitet. 2003 wurde er Kreativchef von DDB Germany: Aus der damals angeschlagenen Agentur formte er Deutschlands kreativstes Network. Von 2008 bis 2009 war Kassaei sogar Vorstandssprecher des ADC. Bis er 2011 an die Madison Avenue ins DDB-Headquarter abberufen wurde. In Deutschland verlor DDB darauf wieder an Profil, erst recht, als später auch CEO Tonio Kröger, Kassaeis kongenialer Partner, der Agentur den Rücken kehrte. Heute indes steht das Network wieder gut da; 2018 wurde sie W&V-Agentur des Jahres.

(jok, mw, cob)

Anzeige