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Dojo-Gründer als Künstler
Ausstellung mit gekreuzigtem Mark Zuckerberg

In Frankfurt eröffnet dieser Tage die Ausstellung "Geld". Das Kreativkollektiv C4 um Marius Sperlich, Tony Futura und Werber Joachim Bosse beschäftigt sich kritisch mit einem Thema, das alle umtreibt.

Text: W&V Redaktion

22. Juli 2021

"Money Talks", 2016
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Ad goes Art. Joachim Bosse, einer der Gründer der Kreuzberger Agentur Dojo, hat sich einer Gruppe von Künstlern angeschlossen, die in diesen Tagen ihre erste Ausstellung in Frankfurt eröffnet. "Wir haben ein Kreativkollektiv gegründet, das so disruptiv in der Kunst agieren wird wie Dojo in der Werbung. Beides sind interessante Märkte, die es zu erobern gilt." Bosse macht mit C4 also inzwischen neben der Werbung auch Kunst.

Marius Sperlich, Tony Futura und Bosse präsentieren in Frankfurt eine Ausstellung zu Geld, um - wie es in einer Mitteilung heißt - "auf kritisch überspitzte, aber vor allem humoristische Weise das eine Thema zu besprechen, auf das sich der Mensch schon immer einigen konnte: Geld". Geld bringe uns zusammen, schaffe aber auch die größten Konflikte. "C4 hat noch viel vor: Nur sind wir dabei so disruptiv, dass wir es einfach in der anderen Reihenfolge machen: Geld kommt am Anfang. C4 will in erster Linie Kunst machen, die sich auch Millionäre leisten können", sagt Bosse halb ernst, halb selbstironisch.

Kreative machen Kunst zu Geld

In einem ehemaligen Bankgebäude zwei Häuser neben der Städelschule am Schaumainkai präsentiert das Kulturlabel Copyshop die Guppenausstellung des C4 Kunst Kollektivs. Die Künstler:innen setzen sich dort auf mehreren Hundert Quadratmetern mit dem Thema auseinander. Copshopy selbst versteht sich nicht als Modelabel, obwohl es eines ist, sondern als Kultur-Label, das man tragen kann, um Stellung zu beziehen.

In Kooperation mit verschiedenen Künstler:innen aus bildender und darstellender Kunst entstehen alle zwei Wochen neue Editionen, limitiert und nach ethischen Standards produziert, mit dem Ziel, Standards in Frage zu stellen.

Was einen da erwartet, beschreiben die Macher:innen so: "Während in der Ausstellung ein voll Gold aufgequollener Dagobert auf einen gekreuzigten Mark Zuckerberg und einem getunten Turbo-Shopping-Einkaufswagen trifft, läuft man mit Europa Swimwear durch Stacheldraht und hochglanzpolierte Verkaufsschilder. Mit etwas Glück wird einem in der Ausstellung noch heimlich etwas Geld zugesteckt, für das man dann in der integrierten Eckkneipe mit Korn auf das Wohl des Kapitalismus trinken kann. All das selbstverständlich erst, nachdem man sich am Eingang seinen eigenen gesellschaftlichen Status zugewiesen hat." Das klingt zumindest interessant.

Das Label Copyshop profiliere sich damit in Kunst, Popkultur und Mode, und als hässlich schöner Spiegel unserer Gesellschaft, so die Kunstschaffenden.

"OMG", 2020

Die Autorin Sibylle Berg schreibt im Vorwort des Ausstellungskatalogs. "Wir lieben Geld! Geld ist das einzige abstrakte Gefühl, auf das sich die Menschheit einigen konnte. Das uns alle befriedet, vereint. Alle außer die, die nicht an Geld glauben, sondern an Vermögen. Und genau für
die haben wir 'Geld' gemacht. Investieren sie nicht in Grundstücke wie BlackRock, nicht in Ackerland wie Bill Gates. Investieren sie in reales Geld, umgesetzt in über 30 Skulpturen, Gemälden und Installationen. Tauschen Sie Ihre Nullen und Einsen gegen die stille Schönheit ihrer neuen Anlage in einem Kunst-Freilager." Das Motto der Ausstellung lautet denn auch: "Alles muss raus!"

Und das sind die Künstler:innen

Die Werke des 29-jährigen deutschen Künstlers Marius Sperlich hat wahrscheinlich jede:r schon einmal online gesehen, ohne es zu wissen. Sperlich erzählt seine Geschichten am menschlichen Körper.

Sperlich kommentiert Aktuelles, hinterfragt gesellschaftliche Normen. Alles, was man in seinen Bildern sieht, ist real: Es sind Miniatursets, die für seine Erzählungen gebaut wurden - ganz ohne Photoshop.

Der in Berlin lebende Digitalkünstler Tony Futura ist bekannt für seine einfachen Motive mit einer überraschenden Wendung. Er präsentiert seine Kunstwerke an verschiedenen Orten rund um den Globus, von Galerien in New York City und Italien über Museen in Peking und Deutschland bis hin zu Blogs und Magazinen.

Futura gilt als einer der Begründer des "New Pop" und stellt vertraute Bilder in einen neuen Kontext, schafft so surreale Kunst, um sich über den Materialismus und die Popkultur des modernen westlichen Lebens lustig zu machen.

Joachim Bosse

Joachim Bosse (o.) beschäftigt sich in seiner Arbeit mit Konsumkultur, massenmedialen Einflüssen, Hyperrealismus und dem Stellenwert von sozialen Netzwerken in unserer Gesellschaft. Dabei remixed er Rezeptionen und spielt mit bekannten Codes, um unterbewusste Wahrnehmung, gängige Muster und popkulturelle Identitäten in Frage zu stellen.

Joachim Bosse lebt und arbeitet in Berlin. Er ist Kreativchef der Berliner Werbeagentur Dojo und widmet sich nebenbei seinem künstlerischen Schaffen.


Autor: Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er interessiert sich für alles, was Werber:innen unter den Nägeln brennt, in Beratung, Strategie und Kreation. Besonders innovative Agenturmodelle haben es ihm angetan. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LGBTI*-Rechte, insbesondere in der Ukraine. Vielleicht ist er deshalb auch Diversity-Beauftragter der SWMH geworden, der die W&V angehört.

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