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Die besten Onlineauftritte
Britta Poetzsch über ihre persönliche Social-Media-Strategie

Die Track-Kreativchefin hat keine echte Strategie für ihre Posts. Trotzdem funktionieren sie hervorragend. Warum? Sie versteht es, Lebensfreude zu vermitteln.

Text: W&V Redaktion

16. Mai 2019

Britta Poetzsch leitet die Kreation der Agentur Track und sitzt außerdem im ADC-Präsidium.
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Immer mehr Führungskräfte in Deutschland nutzen offen die sozialen Medien und machen mit ihren Profilen damit zugleich Werbung in eigener Sache. In der Wirtschaft gibt es zahlreiche gute Beispiele, darunter die Vorstandsvorsitzenden von DaimlerSAP und der Deutschen Telekom. Hört man sich in der Kommunikationsbranche um, werden vor allem die Profile von Akteuren wie Thomas Strerath (Ex-Vorstand von Jung von Matt), Michael Trautmann (Mitgründer der Agentur Thjnk), Mirko Kaminski (Agenturgründer Achtung), Tina Müller (CEO Douglas und Ex-Marketingchefin von Opel) und Antje Neubauer (Marketing- und PR-Chefin der Deutschen Bahn) lobend erwähnt. Es müssen aber nicht immer die Schwergewichter sein - außergewöhnliche Profile finden sich auch in kleinerem Rahmen. Ein solches Beispiel ist Britta Poetzsch, Kreativchefin der Agentur Track. Wer ihr folgt, bekommt gute Laune.

W&V: Was hat Ihnen Ihre Social-Media-Präsenz bis heute gebracht?

Poetzsch: Vor allem Spaß! Aber auch schon mal vor Jahren eine Festanstellung, Aufträge, Bewerber und gute Kontakte. Die sich vor allem schnell wiederfinden lassen, wenn man sie braucht.

Welche Plattformen helfen Ihnen für was?

Auf Instagram lebe ich mehr meine privaten Macken, Vorlieben und Fimmel aus. Da akzeptiere ich auch nicht jeden als Kontakt. Xing und Linkedin nutze ich nur für Berufliches. Facebook ist irgendwas dazwischen. Da habe ich die privaten Posts aber deutlich reduziert. Twitter, Snapchat und was es noch alles gibt, ist mir zu viel.

Wie reagiert Ihr Umfeld? Also was sagen zum Beispiel Kollegen, Kunden und Ihre Familie dazu?

Ich bekomme extrem positives Feedback. Das Negative wird ja nicht direkt geäußert, sondern hinterrücks. Ich stehe aber auf dem Standpunkt, dass man meine Beiträge ja nicht lesen muss. Wen ich nerve, soll mir doch einfach nicht folgen. Jeder hat die Wahl. Manchmal treffe ich Leute im echten Leben, die mir sagen, dass sie von meinen Posts gute Laune bekommen, nach meinen Rezeptideen kochen oder überhaupt meine allgemeine Lebenslustigkeit schätzen, die ich versuche dort zum Ausdruck zu bringen. Hin und wieder schreibe ich auch längere Texte, zu Themen, die mich bewegen oder nerven. Zum Beispiel über meine Zugerlebnisse unter dem Hashtag #lebeninvollenzügen. Schreiben ist meine Leidenschaft. Und das ist der einfachste Weg, sie mit anderen zu teilen. Eine kleine Anekdote am Rande: Unter dem Hashtag #kleinesbelforterstrassenrestaurant poste ich was bei meiner Lust am Kochen rauskommt. Ich werde immer wieder gefragt, wo das denn sei dieses Restaurant. Oder jemand möchte reservieren oder sucht es in meiner Straße in Berlin. Dabei ist das bloß mein Esstisch.

Warum eignen sich die sozialen Medien für eine Agenturführungskraft gut zur Eigen-PR? Beziehungsweise wie interpretieren Sie den Sinn und Nutzen davon?

Ich nehme das alles nicht so ernst. Ich hätte jetzt keine Lust mir eine Social-Media-Strategie zu überlegen. Ich bewundere die Kollegen, die so ein Thema haben, das dann konsequent bespielen und sich so profilieren. Aber heimlich langweilt mich das auch. Mir gefällt halt alles besser, was nicht so streng kontrolliert und mehr persönlich ist. Aber sicher kann man mit Social Media ein Image und Bild von sich zeichnen. Aber wenn ich mit meinem Hackenporsche (eines meiner Lieblingsmotive) zeige, dann fragen sich bestimmt ein paar Leute, ob ich nicht doch schwer einen am Sträußchen habe. Macht nichts! Ich habe eine Mission! Der Hackenporsche muss endlich akzeptiert werden.

Wie viel Zeit verbringen Sie täglich in den sozialen Medien?

Wahrscheinlich zu viel. Aber wer bestimmt, was zu viel ist? Ich verbringe auch viel Zeit mit Warten an Bahnhöfen, in öffentlichen Verkehrsmitteln, am Flughafen etc. Aber schon ist man in der Rechtfertigung. Ich mag diese erhobenen Zeigefinger nicht. Für mich ist das eine Spielwiese. Wir leben in einer mobilen, digiatlisierten Welt, lasst uns ihre Möglichkeiten ausprobieren. Aber lasst uns die Konzerne dahinter auch an die Kette nehmen.

Was würden Sie nie posten?

Was wirklich manchmal in meinem Kopf los ist.

Welche anderen Auftritte gucken Sie sich gerne an?  

Ich öde mich entsetzlich bei diesen ganzen Fashioninfluenzern. Obwohl ich Mode liebe. Das ist alles so humorbefreit, ideenlos und fad. Habe ich alle wieder abgestellt. Ich mag ein paar coole Kunstblogs, die Karikaturen von meinem Ex-Kollegen Kai Flemming, die verrückten Träume von Jana Liebig, die feministischen Erotik-Posts von Suzette Oh, hinter denen eine Freundin von mir steckt, die Beiträge vom Zeit- und auch vom Süddeutsche Magazin und auf Instagram kann ich mich komplett verlieren in diversen Themen. Ach, die Liste ist endlos.

Warum glauben Sie zeigen sich andere Führungskräfte nicht in den sozialen Medien?

Weil man ja auch ins Risiko geht. Man macht sich angreifbarer, wenn man Meinung, Kante oder auch Privates von sich zeigt. Man muss da einfach Lust zu haben dazu. Und auch da bin ich gegen jede Form des erhobenen Zeigefingers. Soll doch jeder tun oder lassen, war er will. Ich habe halt diese leicht narzisstische Grundstörung, mir macht das Spaß.

Welche Social-Media-Strategien andere prominente Branchenköpfe für sich entdeckt haben, lesen Sie in der aktuellen W&V Nr. 5/2019. Schwerpunkt-Thema: Social. Das Heft können Sie hier bestellen.

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