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Tank Tank kreiert für Urologen
Diese Kampagne lotst schamhafte Jungs zum Impfen

Zugleich taucht mit "Schniedel, Pimmel oder Pipimann" im Social Web kein Begriff auf, der Facebook dazu bringen könnte, Jungen nicht über die HPV-Impfung zu informieren.

Text: W&V Redaktion

22. November 2018

Kindertaugliches im Netz, um Jungen ab 9 Jahren zur HPV-Impfung zu bewegen.
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"Sag’ bloß nicht Peni_": Mit dieser Überschrift ist am Donnerstag eine Mitteilung der virtuellen Hamburger Agentur Tank Tank im Mail-Account eingetrudelt.

Informiert wird über eine Kampagne zu einem wichtigen, aber sensiblen Thema: Die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) will zusammen mit dem Berufsverband der Deutschen Urologen (BDU) die eher noch schamhaften Jungen ab 9 Jahren zur HPV-Impfung bewegen.

Zur besseren Einordnung: Humane Papillomviren (HPV) sind in der Öffentlichkeit besser bekannt als Verursacher von Gebärmutterhalskrebs. Weniger bekannt ist, dass der Virus durch Männer beim Geschlechtsverkehr an Frauen übertragen wird. In Kürze übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten der HPV-Impfung. Deshalb klären DGU und BDU ab sofort mit einer HPV-Themenwoche und einem eigenen Informationsportal auf.

Die Krux mit dem Schniedelwutz ...

Auch wollen die Urologen und die Kreativen mit einer Social-Media-Kampagne die HPV-Impfung für Jungen in den Focus von Eltern rücken. Das ist gar nicht so leicht auf Plattformen, die "schlüpfrige" Inhalte in der Regel zügig löschen. "Ein so delikates Thema wie Genitalwarzen auf Social Media zu thematisieren erfordert deshalb kreative Kniffe", meint das Tank-Tank-Team um Till Felber und Stefan Zschaler.

Die Lösung: Online-Ads mit den Worten Schniedel, Pimmel oder Pipimann. "In Zusammenarbeit mit Tank Tank hat die DGU deshalb eine Kampagne auf die Beine gestellt, die zum einen aufschrecken und polarisieren soll, zum anderen aber das Wort Penis oder Genitalien nicht in den Mund nimmt, weil sonst ein Bann durch den Algorithmus drohen würde."

Auch eine Alternative ...

Ernstes Thema, braves Werbemotiv.

In einem Social-Media-Film konkurrieren daneben 4 Frauen ums richtige Wort und versuchen mit Begriffen wie "Alimentenkabel, Kleiner Eberhard oder Beckenbrecher" zu punkten. Die Auflösung schließlich: das kindliche Wort Schniedelwutz. Regie führten die Kreativen von Tank Tank selbst: Felber und Zschaler. 

Daneben wird mit Video- und Bild-Ad-Formaten unter dem neu geschaffenen Kommunikations-Absender "Deine Uros" auf die Dringlichkeit der Impfung und auf die HPV-Themenwoche hingewiesen. Eine Informations-Webseite informiert zusätzlich über die Krebsentstehung im Zusammenhang mit Virusinfektionen.

Ziel der Kampagne sei es, die HPV-Impfquote deutlich zu erhöhen und Krebserkrankungen, die durch diesen Virus verursacht werden, deutlich zu reduzieren, heißt es abschließend. Denn: Gebärmutterhalskrebs, Analkrebs, Mund- und Rachenkrebs sowie Genitalwarzen sind die häufigsten Folgen des HP-Virus. 80 Prozent aller Menschen infizieren sich mit diesem Virus. Pro Jahr erkranken über 7500 Menschen daran, 160.000 Männer leiden an Genitalwarzen.

Ein Virus mit heftigen Folgen also, der sich längst nicht so ausbreiten würde, wenn sich alle jungen Männer zwischen 9 und 14 Jahren - also vor dem ersten Geschlechtsverkehr -  impfen lassen. Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland extrem hinterher.

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