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Spotlight Festival
Doppel-Gold mit Boschs IoT-Rapper

Autospots gehen (fast) leer aus, Weihnachten fällt aus und studentische Filme verlangen Geduld. Die Bandbreite der Einreichungen bei der Neuauflage des Spotlight Festivals ist groß. Erfolgreichste Agentur ist JvM.

Text: W&V Redaktion

25. März 2020

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Gut 10 Stunden Videokonferenz brauchte es, dann hatte die Fachjury beim Spotlight Festival die besten Profi- und Studentenarbeiten selektiert und prämiert. 27 Juroren diskutierten leidenschaftlich unter der Leitung von Überground-Chefin Jo Marie Farwick (Professional) und Embassy of Dreams-Boss Helmut Hartl (Students) über die Stärken und Schwächen der Einreichungen. Summa summorum waren es 331, davon 49 in der finalen Video-Runde. Die Jury war streng und lernfähig zugleich. Nicht nur einmal wurden Arbeiten aus der zweiten Runde in die Shortlist gelupft und konnten sogar Edelmetall gewinnen. So die BVG-Kampagne "Weltkulturerbe" von Jung von Matt (Produktion: Czar Film). Alle Gewinner gibt es in Kürze auf der Spotlight-Seite zu sehen.

Kein Weihnachten, nur ein Auto

Die wichtigsten Ergebnisse: Es sind tolle Kampagnen entstanden in den vergangenen Monaten. Sowohl beim Nachwuchs wie bei den Profis. Wenn auch manche studentische Arbeit etwas "kompakter" hätte ausfallen können. So schien es, als wären die Macher bisweilen so berauscht von der eigenen Idee, dass sie den richtigen Zeitpunkt für den Absprung verpassten. Zudem: Weihnachtsfilme, noch vor zwei Jahren die Creme de la Creme der Kreation, spielen keine Rolle. Zumindest nicht beim diesjährigen Spotlight. Auffällig zudem: Autowerbung hat an Relevanz verloren. Obgleich weder „Autoagenturen“ wie Antoni Garage oder auch Thjnk offiziell eine Awardpause einegelegt haben. Lediglich „The Small Escape“, die Fluchtstory mit der BMW Isetta von JvM, wurde mit Bronze ausgezeichnet.

Das mit Überraschendste aber: Selbst Hornbach konnte in diesem Jahrgang nicht überzeugen. Jahrelang heimsten die Kampagnen von Heimat einen Preis nach dem anderen ein. Diesmal reichte es nur zu einer Shortlist-Platzierung: Für die "Säge". Glücklicherweise hatte die Berliner Agentur auch die Kampagne des Bestatter-Bundesverbands eingereicht. Mit "My Coffin" holten die Werber immerhin Silber in der Kategorie Social Influence. Die Idee dahinter: Designer gestalten Särge, die nichts gemein haben mit den Standardausführungen in Eiche oder Buche. Und erzählen, was ihnen dabei durch den Kopf gegangen ist, was sie fühlten. Ein dankbares Thema fürs Web und die Medien. Last but ot least: Der "Purpose"-Hype, wie er noch in Cannes 2019 zelebriert wurde, war beim Spotlight Festival kein dominierendes Thema. Auch wenn es natürlich etliche Einreichungen gab, die gesellschaftsrelevante Themen aufgreifen.

Gute Resonanz bei Social Influence

Mit Social Influence etablierte der Veranstalter eine neue Kategorie. Gedacht ist sie, in wenigen Worten zusammengefasst, für Arbeiten und Kampagnen, die Haltung zeigen beziehungsweise vermitteln. Sie wurde gut angenommen von den Einreichern. Wenn vielleicht auch nicht immer verstanden. Gold holte hier der Aufklärungsfilm zur Baby Delfin-Kampagne von Tank Tank und Flowfwd (Produktion: Nicolas Lazaridis (@Inscope21)). Die virtuelle Agentur von Stefan Zschaler engagierte den bekannten Influencer Inscope21. Er arrangierte ein Dinner mit Freunden, bei dem es als kulinarisches Highlight einen Bab Delfin geben sollte. Dass dieser aus dem 3D-Drucker stammte, erzählte er nicht. Der Shitstoorm blieb nicht aus. Erst tags darauf gab es die Auflösung: Dahinter verbarg sich eine Kampagne von Followfish, die das Sterben der Delfine durch Schleppnetze thematisiert. Eine geniale Idee, konstatierte Thjnk-Kreativchef Armin Jochum. "Das ist der Wahnsinn, Influencer wollen geliebt werden und Likes sammeln. Und nicht zum Objekt des größten Shitstorms aller Zeiten werden.“ Dennoch eine Arbeit, die keineswegs nur Zustimmung fand in der Jury.

Wie auch der Spot für Sea-Watch "Hold your breath". Der Film von Scholz & Friends Berlin ist eine "einminütige Zumutung. Aber sie ist notwendig. Denn sie führt in Echtzeit vor Augen, wie ein junger Mensch auf dem Weg zu uns ertrinkt, er begegnet uns auf Augenhöhe. Sein stummer Kampf ums Leben wird so zu unserem. Ganz ohne Worte", lautet die Begründung der Juroren. Etwas überraschend, dass es hier dennoch nur für Bronze reichte, wenn auch für Silber bei TV & Kino.

Den großen Überflieger gibt es nicht

Erfolgreichste Arbeit ist "Like A Bosch" aus dem Hause Jung von Matt. Ohne große Diskussionen wanderte der rasante Rap-Spot Runde um Runde nach oben und wurde mit zweimal Gold belohnt – in TV & Kino sowie Web & Mobile. Zweimal Silber holte DDB mit Arbeiten für Magenta TV (Produktion: Soup Film).

Aber den gigantischen Überflieger, der in vielen Kategorien abräumt, den gab es nicht. Dafür zwei Kategorien, in denen „noch reichlich Potenzial ist“, wie es Dominique Schuchmann von der Agentur Mark 13 mit Blick auf die Arbeiten bei Animation formuliert. Entsprechend mau die Ausbeute: Bronze für „Metropolis“ von Scholz & Friends. Ähnlich das Bild bei Digitale Innovation. Hier verlieh die Jury lediglich zweimal Bronze. Die Freunde belegen im Wettbewerbsranking Platz zwei mit je einmal Gold und Silber sowie dreimal Bronze, hinter Jung von Matt mit zweimal Gold und zweimal Bronze. Den dritten Platz teilen sich (punktemäßig) DDB, Kolle Rebbe, BBDO und Tank Tank.

Hohe Produktionsqualität

Vergleichsweise ergiebig war die Ausbeute bei den studentischen Arbeiten. Hier gab es drei Mal Gold. Bei TV & Kino überzeugte "Blowing Bubbles". Es ist ein bedrückender Film über einen Schiedsrichter und die Anfeindungen, mit denen leben muss. "Alles bei diesem Film wirkt echt, vor allem die Bedrohung. Der Film berührt, denn die Macher haben ihr Thema engagiert, hochsensibel und handwerklich stark umgesetzt", befand die Jury. Regisseurin ist Emilia Möbus (HFF München).

Ebenfalls Gold gab es in dieser Kategorie für die Kampagne "Reclam" von Marlen Valien. Die Begründung: "Wie die Leser dieser kleinen gelben Bücher, wird die Protagonistin in diesen Filmen eins mit Geschichten, die darin erzählt werden. Und obwohl jeder einzelne Film individuell und fantasievoll gestaltet ist, vereint alle drei das Thema, die Faszination des Lesens." Ein drittes Gold holte Pascal Schelbli (wie Valien von der Filmakademie Baden-Württemberg) mit dem Social-Spot "The Beauty". In ruhigen, aber sehr eindringlichen Bildern zeigt der Film die Folgen der Meeresverschmutzung. Hier das Making-of.

Für alle Gewinnerarbeiten galt: Produktionstechnisch ist das Niveau durchwegs hoch. Nur beim Storytelling, der Dramaturgie oder auch, wenn es um die inhaltliche Verbindung zur Absendermarke geht, gibt es Luft nach oben.

Das Publikum votet anders

Nicht nur die Fachjury stimmte online ab. Auch die Publikumsjury wurde ins Web verlegt. Rund 1000 Teilnehmer machten auf diese Weise Gebrauch von ihrem Stimmrecht. Und hatten – wie in vielen Jahren davor – eine durchaus differenzierte Meinung zu den Arbeiten. So voteten sie den BVG-Spot „Weltkulturerbe“ auf Gold (TV & Kino). Bei Web & Mobile setzte sich die Kolle Rebbe-Arbeit „Stück zum Glück“ durch für den Kunden Aktion Mensch. Ebenfalls Gold holte „Wooden Metropolis“, in der Kategorie Animation (Agentur: Thjnk; Produktion: PX2 Hamburg). Auch der Gold-Award bei Trailer, Teaser, Trenner ging nach Hamburg: für #ALL41, eine Hommage an Ausnahmesportler Dirk Nowitzki. Auftraggeber ist DAZN. Bei den Studenten-Einreichungen holten „A Story o Love“ (Regie: Linda-Schiwa Klinkhammer, Rebecca Hoeft), „Josh & Jacob“ (Regie: Alexander Kühn) sowie „China“ von Regisseur David Preute jeweils Gold. Das Online-Voting kam gut an, sagen die Spotlight-Macher. Daher wird es künftig fester Bestandteil von Spotlight werden.

Angesichts der Corona-Pandemie vergab das Festival den Sonderpreis Creative Characters. Er ist allen Menschen gewidmet, die in dieser Zeit Verantwortung übernehmen, Solidariät leben und mit viel Kreativität Charakter zeigen und auf diese Weise dafür sorgen, dass gute Ideen andere anstecken.

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