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Antrittsinterview
GWA-Chef Minack: "Eitelkeit hilft ganz sicher nicht"

Benjamin Minack ist neuer Präsident des GWA. Im Interview erzählt er, wie er den Branchenverband weiter nach vorne bringen will.

Text: W&V Redaktion

16. November 2017

Hauptberuflcih kümmert sich Benjamin Minack um seine Agentur Ressourcenmangel.
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Öffnung des Verbands, mehr politisches Engagement, passendere Angebote für die Mitglieder und der Kampf gegen den Nachwuchsmangel: Benjamin Minack, der neue GWA-Präsident, hat sich viel vorgenommen für die kommenden Jahre. Auf der Mitgliederversammlung in Frankfurt wurde er einstimmig gewählt. Einen Gegenkandidaten gab es nicht. Im Interview erklärt Minack, hauptberuflich Chef der Berliner Agentur Ressourcenmangel, wie und warum er genau diese Themen angehen will.

Herr Minack, schon mal Präsident gewesen?

Ich bin Schatzmeister in einem Golfverein. Natürlich habe ich schon mal das eine oder andere Vereinsmandat inne gehabt. Aber Präsident? Nein.

Schmeichelt es der eigenen Eitelkeit? Muss man Sendungsbewusstsein haben?

Sicherlich habe ich ein Sendungsbewusstsein, sonst würde ich das nicht machen. Und ich habe natürlich auch eine Idee, was wir als Branche tun können und müssen. Aber ich bin nicht Ludwig XIV,  sondern der Minack, und der ist sehr geerdet. Man  muss das Tun in den Vordergrund stellen. Da hilft Eitelkeit ganz sicher nicht. 

Ihr Vorvorgänger Lothar Leonhard musste den Verband zuletzt stabilisieren. Ingomar Faecks dürfte als politischer Präsident in Erinnerung bleiben.  Wo liegen Ihre Schwerpunkte?

Wenn Ingo Faecks als der politische Präsident in Erinnerung bleibt, dann bin ich der politischere (lacht). Der GWA wird noch politischer. Wir werden noch präsenter sein und  unsere Aktivitäten in Berlin ausbauen. Wir werden sichtbarer sein, uns äußern, schriftlich und mit Veranstaltungen. Wir werden uns in die Debatten einbringen und Stellung beziehen. Das haben wir in der letzten Legislaturperiode  schon in einigen Fällen getan. Zudem hat der Verband mit Aktion „Recht auf Menschenrecht“, die von Raphael Brinkert initiiert wurde, ja auch einen Beitrag zur politischen Debatte geleistet.

Das alles schafft ein ehrenamtlicher Präsident samt Mitarbeiter in der Geschäftsstelle? Oder stocken Sie auf?

Das wird die Planung der Vorstandsarbeit für die nächsten beiden Jahre zeigen. Wir suchen immer wieder neue Mitarbeiter für die Geschäftsstelle. Im vergangenen Jahr haben wir beispielsweise einen Rechtsanwalt eingestellt, der uns auch hilft, kompetent bei gesetzgebenden Verfahren mitzureden und einzugreifen.

Gleichzeitig will sich der Verband weiter öffnen?

Wenn man sich die aktuellen Branchenentwicklungen ansieht, dann ist relativ klar, womit sich der GWA beschäftigen muss: den Verband breiter aufstellen, dem Verband mehr Mitglieder zuführen und den Verband damit politisch wirkmächtiger machen. Wir vertreten aufgrund der Verbandsstruktur ganz wesentliche Teile der Werbewirtschaft,  nicht nur in den klassischen Segmenten, sondern auch in den Bereichen, die ganz neu entstanden sind. Schauen sie unsere Agentur Ressourcenmangel an. Wir sind keine klassische Werbeagentur, aber auch keine Digitalagentur. Wir bieten ganz viele  Dienstleistungskomponenten an. Es gibt sehr viele neue Modelle. Als Verband muss man diese Marktteilnehmer auch an sich binden. Ob das PR-Agenturen sind, Content-Agenturen, SM-Agenturen oder auch der eine oder andere Digitaldienstleister – die sollen ruhig zu uns kommen.

Das klingt nach einer Kampfansage an die Adresse der anderen Verbände.

Ich glaube, jeder Verband hat seinen eigenen Schwerpunkt. Ingo Faecks hat ja vor zwei Jahren die Idee eines Dachverbands in die Debatte gebracht. Das wurde schnell wieder beerdigt. Ich glaube, dass wir  als Verband eine gute Chance haben, andere Agenturen aufzunehmen ohne dafür allzu aggressiv zu werben. Zudem gibt es auch genug Agenturen, die keinem Verband angehören. Die gilt es anzusprechen und zu gewinnen.

Dann können Sie damit gleich im eigenen Haus beginnen. Schließlich ist ihre Mutter Hirschen Group nicht im Verband.

Das ist korrekt. Damit fange ich an. Aber daran mag ich mich nicht messen lassen.

Sie plädieren also für einen Wettbewerb der Verbände?

Wettbewerb ist letztlich immer etwas Feines. Ein Wettbewerb unter den Verbänden  kann am Ende nur dazu führen, dass alle Verbände noch besser werden in dem, was sie tun.  Außerdem arbeiten die Verbände ja schon viel  zusammen. Die Öffnung des GWA bildet auch die Veränderungen in der Branche besser ab. Nennen Sie mir fünf große PR-Agenturen, über die man sagen kann, sie machen nur PR. Nennen sie mir fünf große Werbeagenturen, die nur Werbung machen. Wenn sich die Branche ändert, dürfen wir doch nicht in unseren kleinen Dörfern sitzen bleiben. Wir schauen uns nicht die Mitgliedslisten der anderen Verbände an und rufen die Firmen dann an. Wir suchen aber nach Agenturen, die gut zu uns passen und die mit uns etwas bewegen wollen.

Was planen Sie konkret mit Blick auf eine engere Zusammenarbeit der Verbände?

Das Erfolgsmodell in diesem Jahr war die gemeinsame Employer-Branding-Kampagne ‚Komm in die Agentur‘. Die wird fortgesetzt. Ein derartiges Projekt, getragen von sechs Verbänden – das ist einzigartig. Und es ist eine gute Grundlage, um mehr zu machen. Darüber hinaus trifft sich unser Geschäftsführer Ralf Nöcker in Berlin regelmäßig mit Verbänden und tauscht sich zu Themenfeldern der Politik aus. Gemeinsam mit dem Direktmarketingverband haben wir die Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl veröffentlicht. Wir haben mit dem Unternehmensberaterverband Stellung zu bestimmten Gesetzesvorhaben bezogen, weil wir der Meinung waren, uns einbringen zu müssen. So gibt es zu verschiedenen Anlässen unterschiedliche Aktivitäten.

Was alle Agenturen schmerzt, ist die Nachwuchsproblematik.

Alle, die ihr Geschäft verstehen und es ernst nehmen, haben schon angefangen zu tun, was unmittelbar in ihrer Macht steht: Arbeitszeitmodelle, Vergütungsmodelle und mehr. Dennoch haben wir riesige Lücken, was unter anderem die aktuelle HR-Studie des GWA belegt. Mitarbeiter, die länger als 10 Jahre in Agenturen, die gibt es kaum. Frauen in Führungspositionen – quasi nicht nachweisbar. Menschen mit einem nicht-deutschsprachigen Hintergrund: unter zehn Prozent. Wenn man sich allein diese Cluster ansieht und fragt, woran es liegt, um dann Veränderungen anzustoßen – dann hat der Verband schon viel geleistet.

Zu den Leistungen eines Verbands gehören auch Services für die Mitglieder. Da gab es in der Vergangenheit immer wieder Kritik. Serviceplan beispielsweise trat wegen fehlendem Mehrwert aus dem GWA aus.

Serviceplan ist wieder ordentliches Verbandsmitglied. Der GWA setzt sich heute schon aus sehr unterschiedlichen Agenturen zusammen. Wir haben den schwäbischen Mittelständler, den Berliner Hotshop oder die Düsseldorfer Netzwerkagentur. Natürlich haben die verschiedene Themen, die sie beschäftigen. Das kann die Unternehmensnachfolge sein, wo der Verband beratend zur Seite steht und Modelle anbietet. Oder das Thema Digitalisierung. Es gibt Agenturen, die sind hier schon sehr weit, andere haben erst damit begonnen. Für alle braucht es die passenden Angebote und am besten solche, die unsere Mitglieder so nur bei uns bekommen können. Daher haben wir in der letzten Legislaturperiode beschlossen, dass man die bisherigen Foren stark in Richtung Barcamps weiterentwickelt. Ein erster und entscheidender Schritt in die richtige Richtung.

Wertschätzung untereinander aber auch im Umgang von Auftraggeber und Dienstleister war ein wichtiges Thema bei Ihrem Vorgänger. Zufrieden mit dem Erreichten?

Es gibt den Code of Conduct, der immer wieder als Maßstab in Diskussionen angeführt wird. Das ist gut. Innerhalb des Verbands ist das Wertschätzungsthema gut angenommen worden. Dass wir manchmal noch Probleme haben, uns wertschätzend über die Arbeit von anderen zu äußern, das ist ein anderes Thema. Da können wir als Verbandsmitglieder und vor allem als Vorstand nur mit gutem Beispiel vorangehen.

Vorstand Raphael Brinkert hat vor wenigen Wochen Beschwerde beim Werberat gegen die Fernet-Branca-Kampagne von der Agentur Pilot eingelegt. Vom GWA hörte man nichts dazu.

Dazu hat sich der Verband noch keine Meinung gebildet.  Ich denke, das Thema ist hinreichend diskutiert worden. Für mich sind beide Perspektiven nachvollziehbar.

Der erste Eindruck zählt, aber der letzte bleibt, heißt es. Wie wollen Sie einst in Erinnerung bleiben?

Ich bin ja der erste Ossi (lacht). Nach Bundespräsident und Bundeskanzler jetzt auch der GWA-Präsident. Wenn am Ende der Regentschaft Minack übrig bleibt, dass sich der Verband sauber weiterentwickelt hat und ein paar entscheidende Schritte gemacht wurden, dann bin ich sehr, sehr zufrieden.

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