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Nachwuchsfilm für Politik
"Ich bin die Ilse": Filmstudenten präsentieren den Landtag

Zum ersten Mal stammt der Besucherfilm des Bayerischen Landtags von HFF-Studenten. Telegen: Landtagspräsidentin Ilse Aigner.

Text: W&V Redaktion

18. April 2019

Der wiedererwachte Page verbeugt sich vor Landtagspräsidentin Ilse Aigner.
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Der Landtag in Bayern hat nicht eben den Ruf, die Heimat frischer Ideen zu sein. Und doch sorgten nun die alte und die neue Landtagspräsidentin für frischen Wind. Die eine, Barbara Stamm, hinter, die andere, Ilse Aigner, sogar vor der Kamera. Für die 18. Legislaturperiode im Bayerischen Landtag gab es erstmals eine Eigenproduktion des Landesparlaments in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF).

Wie kommt's? Nach jeder Neuwahl des Parlaments lässt die Landtagsverwaltung einen Erklärfilm für die aktuelle Legislaturperiode drehen. Der ist vor allem für Besucher des Landtags gedacht. Bis jetzt wurden sie vom Bayerischen Rundfunk produziert und kostenfrei zur Verfügung gestellt. 2018 wollte die bisherige Landtagspräsidentin Barbara Stamm mal etwas anderes ausprobieren - und rief einen Wettbewerb für die HFF aus. Rund 100.000 Euro hat der Landtag dafür investiert, berichtet Lisa Schnell für die Süddeutsche Zeitung.

Gewonnen hat ein Studententeam am Lehrstuhl Werbung (Leitung Henning Patzner), das bereits mit eigener Firma (Hadi Film) auf dem Markt ist: Alexander Mayer, Christoph Behr (Produktion, Regie, Idee), Zeno Legner (Kamera) und Sedat Aslan (Buch, Idee). 

Die Idee der HFF-Sieger bietet neben reinen Informationen (die teils anschaulich illustriert sind) auch noch eine unterhaltsame Rahmenhandlung. Behr und Mayer bezeichnen das als "große Herausforderung": "So viele Information in kurzer Zeit zu vermitteln, ohne einen reinen Erklärfilm zu machen". Denn der Landtagsfilm sollte einerseits kurzweilig und optisch ansprechend sein, dabei aber nicht den Fokus auf die politische Bildung und Erklärung des Landtags aus den Augen verlieren, sagen die beiden Studenten.

Hat geklappt - das sehen Sie weiter unten.

Hausmeisterin Irene (Marianne Rappenglück) sorgt im Landtagsfilm für Transparenz.

Der Film "Irene und Vinzenz" dauert rund eine halbe Stunde. Die Hauptrollen spielen Hausmeisterin Irene (Marianne Rappenglück) und der königliche Page Vizenz, Edelknabe Edler von Eglfing (Ferdinand Schmidt-Modrow).

Dessen Berufsstand gibt es seit 100 Jahren nicht mehr im Landtag, doch Vinzenz ist 1878 in eine Art Dornröschenschlaf gefallen und wird von Irene entdeckt und geweckt. "Ein Highlight war es, als wir bei der Locationssuche für den Schlafplatz von Vinzenz in der wirklich letzten Ecke des Landtagskellers dieses tolle Gewölbe gefunden haben. Ein paar Requisiten, und schon befanden wir uns im 19. Jahrhundert", erzählen die Macher Mayer und Behr vom Dreh.

Ilse Aigner, Landtagspräsidentin seit rund einem halben Jahr, spielt ebenfalls mit - und macht ihren Job in der Nebenrolle gut. Bei der Vorstellung des Videos, das Besuchern des Maximilianeums gezeigt, an Schule verschickt und Online bereitgestellt wird, sagte Aigner, den Film würden rund 300.000 Besucher in den nächsten fünf Jahren im Landtag sehen: "In den Kino-Charts wäre er unter den ersten 100."

Kein Wunder, dass Page Vinzenz ordentlich Nahholbedarf hat, was die Zusammensetzung und Arbeitsweise der demokratisch gewählten Landesregierung betrifft. Wie sich der einstige Page moderner Demokratie und moderner Technik - und einer Landtagspräsidentin - nähert, ist charmant. Er vertritt die wissbegierigen Zuschauer des Films, denn aufgrund seiner Geburtsepoche weiß er im Zweifelsfall noch weniger als diese - und das hilft dabei, sich mit keiner Frage zum Landesparlament dumm vorzukommen.

Zugleich ermöglicht er es, mit humorvoller Distanz auf so manches Wunder im Plenum einzugehen - etwa die magischen Stängel, die überll im Sitzungssaal verteilt sind.

Ohnehin ist der Drehort Maximilianeum eine Zutat, die für das HFF-Team - und den fertigen Film - beste Voraussetzungen bot. Sie durften sich "im ganzen Landtag austoben", erzählen die jungen Filmemacher. Sogar eine Ausnahmegenehmigung bekamen die Filmstudenten. "Die letzte Einstellung des Films, der Nachtdrohnenflug, war noch mal ein großes Highlight: Ansonsten ist es ja nicht erlaubt, aber Dank unseres Auftraggebers Bayerischer Landtag durften wir bei Nacht direkt über und neben dem Landtag fliegen", berichten Alexander Mayer und Christoph Behr.

Ein ganz großes Plus des Studentenfilms aber ist das Casting: die Rollen der Hauptdarsteller sind großartig besetzt. Und die der charmanten Präsidentin - "Ich bin die Ilse" - auch.

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