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Interview mit Heimat-CCO zum Kreativranking
Matthias Storath: "Am Ende bleibt man doch immer Junior"

Heimat belegt Rang drei im W&V-Kreativranking. Im Interview spricht Matthias Storath über seine neue Rolle als Chief Creative Officer, den Umbau der Agentur, Awardpläne und Personalfragen.

Text: W&V Redaktion

6. Dezember 2018

Seit Kurzem offiziell Chief Creative Officer von Heimat: Matthias Storath
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Im vergangenen Jahr stand die Berliner Agentur Heimat zum ersten Mal ganz oben im W&V-Kreativranking. 2018 rangiert sie auf Platz drei. Im Vorjahr hatten Guido Heffels, Kreativchef und Mitgründer der Agentur, und Matthias Storath das Interview gemeinsam gegeben.
Dieses Jahr spricht Matthias Storath alleine, der der Agentur zufolge kürzlich offiziell die Rolle als Chief Creative Officer übernommen hat. Heffels hat sich auf eine Vier-Tage-Woche verlegt und kümmert sich künftig um seine angestammten Kunden, darunter die Baumarktkette Hornbach.

W&V: Wie haben Sie sich in Ihrer Rolle als Chief Creative Officer eingefunden, Herr Storath?

Matthias Storath: Ich bin ja erst seit kurzem CCO. Insofern weiß ich nicht, wie ich mich da eingefunden habe. Am Ende bleibt man doch immer Junior.

Sind Sie zufrieden mit Platz drei im Ranking?

Storath: Platz eins im vergangenen Jahr war sehr gut. Platz drei ist gut. Dieses Jahr freue ich mich besonders, dass wir dank unserer Inhouse-Produktionen für die Freien Demokraten in die Top fünf der kreativsten Filmproduktionen eingestiegen sind. Entscheidend ist trotzdem nicht das Ranking. Entscheidend bleibt, dass wir wirksame Lösungen für die Probleme unserer Kunden haben.

Wie hat sich Ihre Agentur dieses Jahr entwickelt?

Storath: Tatsächlich haben wir 2018 vor allem dafür genutzt um uns frisch aufzustellen. Mit Fokus auf den drei Feldern Technologie, Design und Internationalität. Neben klassischen digitalen Disziplinen wie UX-Design und Social Media haben wir inzwischen auch ein großes Data & Analytics Team um Surya Emylinda und Eero Alto. Dann ist da noch 'Heimat_Studio' mit unserem neuen Head of Design Esra Gülmen.

Hier ist unter anderem das Produkt und Corporate Design für Share entstanden. Nächstes Jahr wollen wir dann auch in Sachen Inhouse-Produktion den nächsten Schritt gehen. Viel wichtiger ist aber, dass sich ganz viele Menschen bei Heimat weiterentwickelt haben und teilweise Riesenschritte gemacht haben.

Was war die richtungsweisendste Arbeit von Heimat 2018?

Storath: Es gibt viele gute Arbeiten. Zum Beispiel: Die Werkstück Edition für Hornbach, das Algorithmus basierte Corporate Design für die Fraktion der Freien Demokraten und viele andere. Das außergewöhnlichste Projekt war aber sicher "Share". Hier hat Heimat ein Produkt und eine Marke von Grund auf aufgebaut: Vom Produkt Design über das Corporate Design, bis hin zur Kampagne.

Dabei ist Share eben kein Produkt auf "Prototyp-Level", sondern ein Breitenprodukt, das bei dm und Rewe gelistet ist.

Wie beurteilen Sie das Niveau der deutschen Agenturen insgesamt dieses Jahr?

Storath: 2017 war der Output herausragend. 2018 war der Output anständig.

Sie haben unter anderem Swisscom als Kunde verloren. Welcher Etatverlust hat die Agentur besonders getroffen?

Eigentlich keiner wirklich.

Welcher neue Kunde hat Sie besonders gefreut?

Storath: Das sind viele. Zum Beispiel: Die Boston Consulting Group, wir haben den Etat bei Otto ausgebaut und ein Projekt für Coca-Cola gewonnen. Außerdem gibt’s auch noch neu: Die Fraktion der Freien Demokraten und Bloomy Days. Und natürlich Share.

Und dann natürlich noch das ein oder andere über das wir noch nicht sprechen können. So, jetzt habe ich wahrscheinlich trotzdem wieder ein paar vergessen.

Heimat will Marken verändern, sagen Sie gern. Konnten Sie sich in dieser Hinsicht ausleben?

Storath: Wir sind dann besonders gut, wenn Kunden etwas voranbringen wollen und dabei an die Kraft von Kommunikation glauben. Wir haben das Glück, dass wir sehr viele Kunden dieser Art betreuen.
 
Wo ist die Agentur an Grenzen gestoßen?

Storath: Letzten Endes stoßen wir immer dann auf Grenzen, wenn nicht wirklich eine Veränderung gewünscht ist.

Im vergangenen Jahr haben Sie die Zahl der Kreativwettbewerbe reduziert, an denen die Agentur teilnimmt. Wie sieht der Plan für das Jahr 2019 aus?

Storath: Wir werden die Anzahl der Wettbewerbe und die Anzahl der Einreichungen nochmals deutlich reduzieren.

Welche Themen erachten Sie gerade als dringend und wesentlich?
 
Storath: Das sind zwei Dinge. Erstens: Das Bewusstsein das wir uns in einer Zeit fundamentalen Umbruchs befinden. Und das ist nicht nur technologisch zu sehen, denn unser gesellschaftliches Betriebssystem ändert sich dramatisch. Es gibt nicht mehr das eine gesellschaftliches Betriebssystem, sondern viele, die scheinbar nicht mehr miteinander kompatibel sind. In dieser Zeit Themen, Insights, Gedanken zu finden die wir alle gemeinsam haben - das ist nicht nur eine kommunikative Herausforderung.

Zweitens: Talent. Wir wollen den besten Talenten eine Heimat sein. Dabei wird es in Zukunft darum gehen diese Talente nicht nur für uns zu gewinnen, sondern auch nationale und internationale Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Der Wichtigkeit dieses Themas angemessen, werden wir das 2019 auch mit einer neuen Personalie unterstreichen.

Das Heft (W&V 49/2018) mit dem diesjährigen Kreativranking und der kompletten Analyse gibt es hier zu bestellen. Wuv.de widmet die laufenden Woche dem Ranking und veröffentlicht unter anderem Interviews mit den Kreativchefs, das Auftraggeberranking und alle wichtigen Tabellen. Bislang kamen bereits der Jung-von-Matt-Kreative Götz Ulmer und Ralf Heuel, Kreativchef von Grabarz und Partner, zu Wort.

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