Anzeige

Unternehmenskultur
So arbeitet es sich bei ... Vibrio

Vibrio ist der keine ganz Großen, aber die Kommunikationsagentur ist wegen eines Modells vorbildlich für die Branche: Sie arbeitet fast ausschließlich im Home Office.

Text: W&V Redaktion

22. Januar 2019

Michael Kausch, Gründer der Agentur Vibrio.
Anzeige

Kein Billardtisch, keine Bar, keine Tischtennisplatte. Denn das Homeoffice ist bei dieser Agentur-Standard. Wer ins Stammbüro nach München möchte, der muss sich anmelden. Auch sonst gibt es einige Benefits, die die Leute "immun gegen Anrufe von Headhuntern" machen, sagt Agentur-Gründer Michael Kausch.

Gibt es in Ihrer Agenturgruppe Berufsfelder und Jobs, die lange unbesetzt bleiben und für die Sie händeringend nach Personal suchen? Wenn ja, wie lange sind die Stellen unbesetzt? Und was machen Sie, um genau dort Leute zu finden?

Wir haben lange nach PR-Junior-Beratern mit Erfahrung und Affinität zur IT-Branche und Interesse an einer Vollzeitbeschäftigung gesucht. Beworben haben sich hervorragende junge Kolleginnen und Kollegen – aber fast immer mit dem Wunsch nach Teilzeitbeschäftigung. Wir bieten ja heute schon viele Teilzeitstellen, aber ein Gerüst an Vollzeitkräften erleichtert einem dann doch die Arbeit. Auch haben wir nur eine sehr geringe Fluktuation im Team und so verfügen wir über viele Kolleginnen und Kollegen mit langjähriger Berufserfahrung. Senior-Berater/innen haben wir genug an Bord, wir suchen immer mal "Nachwuchs". Da wir auch noch "furchtbar wählerisch" sind, suchen wir eben länger und auf allen Plattformen, von den klassischen Portalen über LinkedIn bis zu sozialen Netzwerken.
Wir halten auch engen Kontakt zu Hochschulen und bieten eine gediegene Volontariatsausbildung an. Gar nichts aber halten wir von langen Praktika. Mal "reinschnuppern" ist ok, aber mit billigen Praktikanten Kunden zu bedienen – das machen wir nicht. Zahlreiche unserer langjährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben wir selbst ausgebildet. Entsprechend begehrt – und in der Regel immunisiert – sind unsere Mitarbeiter bei Headhuntern.

Haben Sie ein Patentrezept für die Bildung einer starke Arbeitgebermarke gefunden? Ja? Welches ist Ihres?

Wir leben bei der Neukundenakquisition in erster Linie vom Empfehlungsmarketing und das lässt sich auf das Recruiting übertragen. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind der Kern der Arbeitgebermarke. Die Marke wird zum kleineren Teil vom Inhaber definiert, zum deutlich größeren vom Team. Wir können da nur unterstützen durch kleine Maßnahmen wie unsere vibrio Kreditkarte oder Veranstaltungen, in denen wir vor allem auch unsere jüngeren Mitarbeiter/innen schnell in Eigenverantwortung und in eine selbstständige Außendarstellung bringen. Nur Vertrauen in das Team bildet eine starke Marke.

Was tun Sie konkret zur Mitarbeiterbindung? Gibt es bei Ihnen die Möglichkeiten zu
a, Home-Office
Home Office ist bei uns schon seit mehr als zehn Jahren üblich und seit drei Jahren Standard. Das heißt, die Kolleginnen und Kollegen arbeiten drei bis vier Tage pro Woche im Home Office. Wer in unser Büro in der Münchner Innenstadt will, der muss sich vorher einen Arbeitsplatz reservieren.

b, Sabbaticals
Bislang gab es hier noch keine Nachfrage. Sollte aber mal jemand den Wunsch äußern, so werden wir das möglich machen.

c, flexible jährliche Urlaubszeiten
Wir bieten grundsätzlich 30 Tage Urlaub pro Jahr. Plant jemand eine größere Auszeit kann man auch Urlaub ins neue Jahr übertragen oder natürlich unbezahlten Sonderurlaub nehmen. Auch hier gilt: Möglich ist alles, solange das Team mitmacht.

d, flexible Arbeitszeiten
Wir bieten unseren Mitarbeitern jede gewünschte Arbeitszeit an. Viele Kolleginnen und Kollegen haben zum Beispiel für die Kindererziehung ihre Arbeitszeit verkürzt und später wieder ausgeweitet. Wir gehen hier aber noch weit über die Flexibilisierung der Arbeitszeit hinaus. Wir haben derzeit eine Kollegin, die aus privaten Gründen aus München weggezogen ist. Ihren Arbeitsplatz bei vibrio hat sie einfach mitgenommen. Eine etablierte und erprobte Home-Office-Tradition macht sowas möglich.

e, Job-Tausch mit anderen Niederlassungen, bzw. Partner-Unternehmen
Wir sind eine mittlere eigentümergeführte Agentur. In der Schweiz und in Österreich haben wir nur kleine Büros. Deshalb können wir in diesem Punkt mit Großagenturen leider nicht mithalten.

f, Möglichkeiten für eigene Herzensprojekte außerhalb des bezahlten Kundengeschäfts?
Alles ist möglich. Wenn es mit Ressourcen oder gar der Marke der Agentur verbunden ist, muss es aber zu unserer Firmenkultur passen. Es gibt bestimmte Branchen und Themen, die sich mit vibrio nicht vereinbaren lassen. So können unsere Ressourcen zum Beispiel nicht für undemokratische Gruppen oder Parteien eingesetzt werden.

g, bezahlten Überstunden?
Wir legen großen Wert auf eine vernünftige Work-Life-Balance. Überstunden versuchen wir zu vermeiden. Wenn sie mal notwendig sind, so gleichen wir Mehrarbeit mit zusätzlicher Freizeit aus. Hierfür gibt es einen definierten internen Prozess.

Kletterwand, Baumhaus, Sterne-Kantine – was gibt es bei Ihnen an unüblichen Incentives für Mitarbeiter?

Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben eine Vibrio Kreditkarte, auf die die Agentur jeden Monat im Rahmen der steuerlichen Möglichkeiten etwas einbezahlt. Wir nutzen hier die Services von Spendit. Da wir in der Regel zuhause arbeiten, treffen wir uns einmal im Monat für einen halbtägigen Workshop. Regelmäßig gehen wir anschließend gemeinsam auf Agenturkosten essen. Auch sonst setzen wir auf regelmäßige gemeinsam verbrachte Meetings in angenehmer Atmosphäre. Für eine virtuelle Agentur ist das essentiell.

Wir hatten über viele Jahre aber auch einen Billardtisch. Den haben wir ebenso wie unseren Kicker und die gut bestückte Agentur-Bar mit dem Umstieg auf Home Office als Standardarbeitsplatz aufgegeben. Nun gehen wir halt "bei Bedarf" in eine Bar in der Münchner Innenstadt.

Wie erfassen Sie die Mitarbeiterzufriedenheit? Welche Ihrer Errungenschaften sind den Mitarbeitern besonders wichtig?

Wir sind mit derzeit knapp 20 Mitarbeitern in einer Größenordnung, in der man Unzufriedenheit und individuelle Probleme noch schnell und ohne Probleme direkt mitbekommt. Für die Analyse hängender Mundwinkel braucht es noch keine Mitarbeiterbefragung. Trotzdem führen wir Mitarbeiterbefragungen und -gespräche natürlich regelmäßig durch.

Wie hoch ist bei Ihnen die Frauenquote?
Zurzeit liegt die Frauenquote bei knapp 80 Prozent. Wichtiger ist aber, dass auch in der dreiköpfigen Agenturleitung eine Frau ist und dass weitere Kolleginnen stellvertretende Teamleiterinnen sind – und das sind alles Kolleginnen in Teilzeitstellen. Teilzeit und Führungsverantwortung sind bei uns nicht unvereinbar. Davon profitieren Frauen ganz besonders.

Wie hoch ist die Quote der Mitarbeiter über 45? Und unter 25?
Rund 60 Prozent der Mitarbeiter/innen sind derzeit über 45 Jahre alt. Wir sind ein ziemlich erfahrenes Team. Unter 25 Jahre sind bei uns nur Werkstudenten. Wie gesagt: wir sind kein Praktikanten-Club.

Wie lang bleibt ein Mitarbeiter im Schnitt?
Aktuell sind unsere festangestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Durchschnitt schon seit mehr als 14 Jahren bei Vibrio. Das dürfte unter Agenturen ziemlich einzigartig sein.

Clean-Desk-Policy oder ganz persönliche Schreibtische? Wie steht Ihre Agentur zu dem Thema?
Wie gesagt: die Mitarbeiter arbeiten überwiegend im Home Office. Wie "clean" dort der Schreibtisch ist entzieht sich dann doch unserer Kenntnis.

Wie stehen Sie zur internen Offenlegung aller Gehälter im Unternehmen?
Wir haben öffentlich kommunizierte Pay Ranges und die Geschäftsführung bemüht sich, dass alle Gehälter im Rahmen dieser Pay Ranges liegen und niemand unterbezahlt wird. Darüber hinaus sind Gehaltsangaben vertraulich.

Dann wollen wir natürlich wissen: Was verdient ein Junior bei Ihnen im ersten Jahr?
In der Regel zwischen 30.000 und 35.000 Euro. Außerdem verdient er von Anfang an Respekt und Anerkennung.

Anzeige