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Kurs-Korrektur
Spark44 baut um und öffnet sich für andere Kunden

Spark44, ein Joint Venture von Agenturmanagern und dem Autobauer Jaguar Land Rover, baut um. Neue Standort-Chefin in Frankfurt ist Dominique Lewis.

Text: W&V Redaktion

21. Februar 2019

Darf auch nach lokalen Kunden Ausschau halten: Die neue Spark44-Geschäftsführerin Dominique Lewis.
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Die Ex-TBWA-Strategiechefin Dominique Lewis ist neue Geschäftsführerin bei Spark44 in Frankfurt. Sie folgt quasi auf Christian Daul, der die Agentur im Spätsommer 2018 verlassen hat.

Mit dieser Personalentscheidung, heißt es, unternimmt Spark44 den nächsten Schritt, um die Agentur in Deutschland breiter aufzustellen und neue Kompetenzfelder aufzubauen.

Jaguar Land Rover gibt den Druck weiter

Das hat seinen Grund. 2011 wurde Spark 44 als 50-50-Joint-Venture von Agenturmanagern und dem Autobauer Jaguar Land Rover gegründet. Und gedieh. Ende 2018 betrieb die Firma global 18 Niederlassungen und beschäftigte nach eigenen Angaben mehr als 1000 Mitarbeiter.

Dennoch gelang eines nicht: Das Konzept mit weiteren Partnern erneut umzusetzen, heißt zu skalieren. Die Spark-Idee von zwei gleichwertigen und gleich starken Partnern, die sich langfristig verpflichten und eine gemeinsame Firma aufbauen, stieß offenbar bei keinem weiteren Kunden auf Gegenliebe. Obgleich das Management, seit Januar 2019 mit Ralf Specht als weltweitem CEO, immer wieder betont hatte, es gäbe vielversprechende Gespräche.

Jetzt die Kehrtwende. Nicht ­zuletzt aufgrund der großen wirtschaftlichen Probleme von Jaguar Land-Rover (Diesel-Thema, chinesischer Markt, Brexit) öffnet sich Spark44 anderen Kunden. Und wird von heute auf morgen eine Agentur wie andere auch.

Selbst wenn Andreas Geyr, seit Oktober 2018 als Regional Director Europe verantwortlich für das Agenturgeschäft in insgesamt 30  Märkten, das anders sieht. Denn, so seine Argumentation, der Grundgedanke der Joint Ventures werde weiter verfolgt, man ergänze lediglich das eigene Leistungsangebot.

Die Idee hinter Spark44 ist nicht skalierbar

Kurz: Unter dem Spark44-Dach gibt es nun weitere Möglichkeiten. So die Option einer "strategischen Partnerschaft". Anders formuliert: Die neu formierte Agentur­einheit wird zu gleichen Teilen von Agentur- und Unternehmensvertretern geführt. Oder die dritte Variante: Wie andere Werbehäuser auch, stellt die Agentur für den neuen Auftraggeber eine passende Mannschaft zusammen und steigt damit auch ins Projekt­geschäft ein.

Grundsätzlich, so Geyr, sollen dabei Pitches vermieden werden. Denn genau das ist einer der Pluspunkte von Customized Agencies. Sie können sich komplett auf den Kunden und dessen Belange konzentrieren und ­müssen nicht übers Jahr um neue Aufträge kämpfen oder auch ­pitchen. Denn erfahrungsgemäß bricht übers Jahr das eine oder andere Geschäft weg. Honorarvolumen, das kompensiert ­werden muss.

Nur: Ist eine auf den Kunden zugeschnittene Agentur überhaupt in der Lage, sich von ­einem Tag auf den anderen im "freien Markt" zu bewähren? Wohl kaum. Zu verzahnt sind die Teams mit den Ansprechpartnern und Prozessen auf Kundenseite.

Bei Spark44 kommt hinzu: Die Agentur hat so gut wie alle kommunikativen Aufgaben für den Autohersteller erledigt. Auch in Frankfurt. Ein Leistungsangebot, das in der Form von kaum einem anderen Kunden beansprucht werden dürfte.

Neue Kunden sind Master & Dynamic und Tetley

Ohne strutkurelle Änderungen, das bestätigt auch Geyr, geht es nicht. Er spricht unter anderem von diversen "Scopes", die an andere Standorte verlegt werden. Auch die Hessen sind davon ­betroffen. Zudem sind die ­weltweiten Agentur-Hubs nun angehalten, nach regionalen Kunden und Aufträgen Ausschau zu halten.

Geyr gibt sich zuversichtlich, den Wandel erfolgreich zu wuppen und nennt zwei neue Spark44-Kunden: den amerikanischen Kopfhörer- und Audiozubehör-Anbieter Master & Dynamic sowie die indisch-britische Teemarke Tetley. Die 1837 gegründete Brand gehört zur ­indischen Tata Group, dem ­Eigentümer unter anderem von Jaguar Land-Rover.

Und die 2013 gestartete Master & Dynamic ist mit ihrer spitzen, ­designorientierten Positio­nierung zwar durchaus erfolgreich, aber, wirtschaftlich ­betrachtet, noch ein überschaubares Unternehmen.

Weshalb "customized" kein Selbstläufer ist, welches Risiko die Agentur eingeht und wie es mit Bobby & Carl weitergeht, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Kontakter (Heft 4/2019). Abo?

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