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Die besten Auftritte im Netz
Thomas Strerath über seine persönliche Social-Media-Strategie

W&V hat mit Branchenpersönlichkeiten über ihre Social-Media-Strategie gesprochen. Heute im Interview: Thomas Strerath, der über seine Posts im Vorfeld viel nachdenkt.

Text: W&V Redaktion

9. Mai 2019

Seit dem Ausstieg bei Jung von Matt arbeitet Thomas Strerath als selbstständiger Berater.
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Immer mehr Führungskräfte in Deutschland nutzen offen die sozialen Medien und machen mit ihren Profilen im besten Fall auch Werbung in eigener Sache. In der Wirtschaft gibt es zahlreiche gute Beispiele, darunter die Vorstandsvorsitzenden von DaimlerSAP und der Deutschen Telekom. Hört man sich in der Kommunikationsbranche um, werden immer wieder die Profile von Akteuren wie Thomas Strerath (Ex-Vorstand von Jung von Matt), Michael Trautmann (Mitgründer der Agentur Thjnk), Mirko Kaminski (Agenturgründer Achtung), Tina Müller (CEO Douglas und Ex-Marketingchefin von Opel) und Antje Neubauer (Marketing- und PR-Chefin der Deutschen Bahn) lobend erwähnt. W&V hat ihnen Fragen gestellt: Was bringt der Auftritt? Wie viel Zeit investieren sie? Und wie viel Privates sollte man nicht nur als Führungskraft preisgeben? Im Interview spricht diesmal Thomas Strerath, der mit seinen Posts immer wieder für Debatten sorgt.

W&V: Was hat Ihnen Ihre Social-Media-Präsenz bis heute gebracht?

Strerath: Social Media hatte zu unterschiedlichen Zeitpunkten ganz unterschiedliche Funktionen: vor 10 Jahren eher Bekanntheit und Meinungsführerschaft, also das, wofür man vorher eine W&V brauchte. Danach Wissensaufbau, Inspiration und der Blick über den Tellerrand, dann Diskurs und Diskussion, mittlerweile eher Kontaktpflege und Kommunikation.

Welche Kanäle helfen Ihnen für welche Anliegen am besten?

Strerath: Twitter und Youtube nutze ich nur passiv, also eher zur Inspiration oder Information. Xing probiere ich immer wieder, macht aber kein Sinn für mich. Ebenso Insta, da ist meine Aufmerksamkeitsspanne zu lang. Facebook verliert rapide an Bedeutung, die immer gleichen Leute kreisen immer wieder um sich und ihre immer gleichen Statements, einer Mischung aus Empörung über Trump, Selbstfindung und pseudo-privater Darstellung von Business-Tripps. Linkedin hat aktuell die größte Kraft, Themen und Menschen zu entdecken, aber auch abseits der Kommentarspalten in den Diskurs zu kommen.

Wie reagiert Ihr Umfeld? Also was sagen zum Beispiel Kollegen, Kunden und Ihr privates Umfeld dazu?

Strerath: Mein privates Umfeld hat keinerlei Bezug zu meinem Job und ich habe Social Media immer als Teil meines Berufes gesehen. Es gibt ja ausser vielleicht der WM 2014 kaum private Post von mir. Bei Kollegen und Kunden ist es wie mit Konsumenten und Werbung; alle halten sich selbst für zu schlau, um eine Wirkung bei sich erkennen zu können. Ich würde es nicht machen, wenn ich dem zustimmen würde.

Eignet sich Social Media für eine Führungskraft gut zur Eigen-PR? Beziehungsweise wie interpretieren Sie selber den Sinn und Nutzen davon?

Strerath: Der Begriff Press Relations sagt es ja, man braucht oder brauchte eine Beziehung zu den Medien, zu den Journalisten. Damit konnte man nicht nur sich selbst pushen, sondern sogar den Wettbewerb behindern, alles nicht öffentlich nachvollziehbar. Social Media bringt hier eine andere Transparenz, denken Sie an die Deichmann-Geschichte, über die W&V hätte das damals nicht funktioniert. Das Phänomen Trump ist ohne Social Media kaum vorstellbar. Man muss es nicht mögen, aber eine Strategie für die eigene Präsenz ist für Personen, die andere anführen möchten, vielleicht nicht der wichtigste, aber ein unabdingbarer Teil. Deshalb fand ich es sehr schön und so konsequent, als Angela Merkel nach ihrem Abgang als CDU-Parteivorsitzende ihren Facebook-Account gelöscht hat.

Wie viel Zeit verbringen Sie täglich in den sozialen Medien, was posten Sie am liebsten und was würden Sie nie posten? 

Strerath: Das läuft bei mir nebenbei mit, wie bei anderen Radio. Am liebsten poste ich Aufsätze, die mich inspiriert haben, manchmal auch gern eigene, vor allem zur Diskussion. Über mein Privatleben diskutiere ich weniger gern, also poste ich davon nichts.

Welche anderen Auftritte sehen Sie sich gerne an?

Am liebsten von Leuten, die ich nicht kenne, von Dingen, die ich nicht kenne. Ich bin schnell gelangweilt, daher hasse ich Wiederholungen, die ewig gleichen Posts von Awardshows, vom Strand in Cannes, vom Mitarbeiterjubiläum, aus dem Flieger, dem Zug. Rituale sind intern wichtig, man entwertet sie aber, wenn der Eindruck entsteht, das Foto für Facebook war dem Chef aber wichtiger.

Warum glauben Sie zeigen sich andere Führungskräfte nicht offen in den sozialen Medien?

Strerath: Es gibt auch Führungskräfte, die ungern vor allen ihren Mitarbeitern sprechen oder eine Laudatio auf einen Kollegen halten, die vor einer Kamera versagen oder auch nicht gut einen Aufsatz zur Branchendiskussion beitragen können. Es gibt eben kommunikative und weniger kommunikative Führungskräfte.

Alles über den perfekten Social-Media-Auftritt von Führungskräften lesen Sie in der aktuellen Heftausgabe W&V 5/2019, die Sie hier bestellen können (zur PDF-Version gelangen Sie hier).

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