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Inspiration von Sascha Pallenberg
Von Streamern lernen heißt siegen lernen

W&V-Kolumnist Karsten Lohmeyer beschreibt, warum das Home Office zum Video-Studio wird, YouTuber Vorbilder sind – und worauf sich Agenturen bei Pitches, Workshops und Konferenzen einstellen sollten.

Text: W&V Redaktion

2. Juni 2020

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Wissen Sie, was ich die vergangenen Tage gemacht habe? Ich habe eingekauft. Zumindest habe ich es versucht. Denn was ich haben wollte, ist weitestgehend ausverkauft – und das weltweit! Die Produkte, denen ich in Online-Shops in Europa, den USA und Südostasien nach jagte, waren aber weder medizinische Masken noch Klopapier. Es war hochwertiges Video-Equipment, wie es YouTuber und Twitch-Streamer verwenden.

Rund um die Streaming- und Youtube-Szene hat sich in den vergangenen Jahren ein riesiges Ökoystem von Technologie-Anbietern etabliert, die es jedem Nachwuchs-YouTuber ermöglichen mit relativ wenig Aufwand ein Home-Studio einzurichten. Mit der Corona-Krise ist die Nachfrage nach Streaming-Gear nun explodiert, Amazon & co. sind leergekauft. 

Der Grund: Wir alle leben wohl künftig in einer Welt, in der das HomeOffice Normalität ist, Flugreisen für einstündige Kundentermine (endlich) uncool sind und man persönliche Face-to-Face-Gespräche vermeidet. In dieser Welt werden sich viele Bereiche des Medien- und Agenturlebens zwangsläufig im virtuellen Raum abspielen: Vom einfachen Kundengespräch über Workshops und Webinare bis hin zum aufwändigen Pitch und zur Konferenz-Keynote. 

Wer überzeugen will, muss aufrüsten

Um in dieser Welt als Redner, Workshop-Leiter oder Content-Marketing-Berater zu überzeugen, wird langfristig Qualität nötig sein. Nicht nur inhaltlich, sondern auch in Bild und Ton. Ja, der Blick in fremde Schlafzimmer während der Corona-Krise (irgendwie habe ich in jedem zweiten Videocall ein Bett im Hintergrund gesehen) war ja ganz charmant. Pixelige Gesichter und Blech-Ton waren in einer solchen Extremsituation verschmerzbar. Die Lösung mit eingeblendeten Hintergründen kurzfristig neu und aufregend. Aber jetzt ist es für jeden, der beruflich kommuniziert, an der Zeit, sich zu professionalisieren und zu kontrollieren, wie man auf Kunden-Bildschirmen wirkt.

Ich bin absolut überzeugt: Sofern es jetzt noch nicht geschehen ist, werden Agenturen bald technologisch aufrüsten. In bisherigen Meeting-Räumen und auch bei den einen oder anderen Mitarbeitern im HomeOffice entstehen Mini-Studios für Videocalls, Workshops und virtuelle Pitches. Die bisher noch oft genutzten kahlen Räume mit der berüchtigten Telefonspinne werden ersetzt durch regelrechte Studio-Sets mit harmonisch drapierten Requisiten und professionell gesetztem Licht. Praktischerweise kann man diese Studios dann auch für YouTube-Videos, Podcasts oder Streaming-Events einsetzen, die ebenfalls wichtiger werden.  

Inspiration durch Sascha Pallenberg

Zwei Menschen haben mich auf dem Weg zu dieser Erkenntnis beeinflusst: Mein Geschäftspartner Stephan Goldmann, der mir in einem Call einfach mal vor den Latz knallte, dass er mein schiefes Bild mit Bett und Klimaanlage im Hintergrund nicht mehr ertrug – und Sascha Pallenberg, Head of Digital Transformations der Daimler AG. 

Wer Sascha kennt, weiß, dass er aktuell ein selbstgewähltes Schicksal mit mir teilt: Der einstiege Vielflieger ist durch die Corona-Krise dauerhaft in seiner asiatischen Wahlheimat Taipeh gestrandet. Dort hat er in den letzten Wochen seinen bisherigen Abstellraum in ein Video- und Podcast-Studio verwandelt und mir dabei dankenswerterweise eine ganze Menge an Recherchearbeit abgenommen. Ich ihm bei meiner Einkaufstour einfach alles nachgekauft, was ich von Bali aus bekommen konnte. 

Wer nun wissen möchte, wie es in Sascha Pallenbergs ehemaliger Abstellkammer aussieht, der muss nicht weiter suchen: Sascha hat mir exklusiv für diese Kolumne Vorher-Nachher-Fotos seines Setups zur Verfügung gestellt. Wer Näheres wissen möchte, kann in diesem Beitrag von Sascha detailliert nachlesen, wie er bei seinem Projekt vorgegangen ist.

Am Anfang war die Abstellkammer

Home Tech im Überblick

Virtuelles Barcamp zeigt, wie es geht

Ein schönes Beispiel für das, was aktuell möglich ist, habe ich auch gerade auf dem virtuellen „Digital Media Innovation Camp 2020” des Medialab Bayern erlebt. Hier hob sich eine Session alleine durch ihr Bild und ihren Ton eindrucksvoll von allen anderen ab. Bei "Meine Lieblingstricks für funktionierende Webinare” von Inga von Göler stimmte schon rein aus technischer Sicht alles – Ton, Licht und die Zusamenstellung des „Bühnenbilds”.  Kurz nach der Session erfuhr ich, dass nichts davon Zufall war. Inga hatte mit ihrem Mann Marco Maas ein hochkomplexes “Raumschiff-Cockpit” (Zitat) gebaut hat. Wie genau und mit welchem Equipment, erklärt Marco hier

Ich verfolgte die Session voller Neid. Hatte ich mich doch selbst wenige Minuten zuvor dadurch blamiert, dass ich mein neu gekauftes Highend-Mikrofon zu leise eingepegelt hatte. Doch Scheitern ist bekanntlich wichtig für den Erfolg – und ich hatte mal wieder eine alte Weisheit empirisch bewiesen: Selbst das beste Werkzeug nützt nichts, wenn man nicht weiß, wie man es bedienen soll. (“A fool with a tool is still a fool.”)

Daher schaue ich weiter YouTube-Tutorials, hole mir Rat von Sascha Pallenberg und quäle meine Kollegen mit der Bitte um Feedback zu meinem „SkypeRoom”. Denn das optimale Bild und einen guten Ton bin ich sowohl meinen Kunden als auch meinem Business schuldig.


Autor: Karsten Lohmeyer

ist eine der bekanntesten Stimmen der deutschen Content-Marketing-Szene. Der DJS-Absolvent war lange als Journalist tätig und wurde als Lousy-Pennies-Blogger bekannt, bevor er für die Deutsche Telekom eine Content-Marketing-Agentur mit aufbaute. Er bewies schlechtes Timing, als er ausgerechnet im März 2020 eine neue Content-Marketing-Agentur gründete und anschließend durch die Corona-Krise auf der indonesischen Ferieninsel Bali strandete, wo seine Familie lebt.

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