Anzeige

Interview Hirschen Group
"Wachstumsschmerzen so gering wie möglich halten"

BIG 50 ist raus. Überraschungssieger des Jahres ist die Hirschen Group - im Ranking auf Platz drei. Im Interview mit W&V erklären die Agenturchefs ihre Strategie und warum sie jetzt konsolidieren wollen.

Text: W&V Redaktion

3. April 2019

Martin Blach äußert sich im Interview für die Hirschen Group. Hans Langguth und Philipp Keller sprechen nur für Zum goldenen Hirschen, Andreas Nickel vertritt Ressourcenmangel.
Anzeige

Die Hirschen Group ist stark gewachsen in diesem Jahr. Wie erklären Sie sich den Erfolg? Etatgewinne wie C&A, Tchibo, Obi? Zukäufe wie Zerotwonine?

Martin Blach, CEO Hirschen Group: Die Hirschen Group ist eine Plattform für sehr unterschiedliche Kommunikations- und Consulting-Agenturmarken, die kreative Beratung für Kommunikation, Markenstrategie, Digitalisierung und Public Affairs bieten. Diese breite Streuung bietet Stabilität und die Möglichkeit, sich im Bedarfsfall gegenseitig zu unterstützen. Gibt es beispielsweise einen Fall von Krisenkommunikation, können die 365 Sherpas unkompliziert und schnell unterstützen. Dadurch muss keine Agenturmarke alle Spezialdisziplinen vorhalten, sondern kann entsprechend der Kundenbedürfnisse skalierend tätig sein.

Hans Langguth, CEO Zum goldenen Hirschen: Zuallererst ist der Erfolg der Leidenschaft unserer Leute geschuldet, ihrer Kompetenz und Vielfalt. Wir grooven uns tief in die Themen unserer Kunden ein. Wir nennen das 'Radical Relevance'.

Andreas Nickel, Geschäftsführer Ressourcenmangel: Ergänzend dazu steht sicher ein tiefgehendes Verständnis davon, was der Kunde da eigentlich treibt. Genau an dieser Stelle entstehen Leistungen über die reine Agenturarbeit hinaus: sich verändernde Herausforderungen auf Kundenseite anzunehmen und Lösungen dafür zu entwickeln. Wachstum wird zum Nebeneffekt, wenn man sich als Partner aufeinander einlässt.

Zum goldenen Hirschen will - wie so viele - keine Werbeagentur mehr sein?

Hans Langguth: Wir verfolgen in der Tat einen radikal kundenorientierten Ansatz, verstehen uns als strategische Partner. Das geht weit über den Kernbereich der Kommunikation hinaus. Das ist dann weniger ein Agentur- als ein Business-Modell in einem Umfeld, in dem klassische Agenturen immer mehr in Bedrängnis geraten.

Inwiefern in Bedrängnis?

Philipp Keller, CEO Zum goldenen Hirschen: Der Markt verändert sich in hohem Tempo. Konzentration und Spezialisierung sind die Trends der Stunde. Gerade in einer Zeit, wo Messbarkeit und Algorithmen immer wichtiger werden, setzen wir Hirschen auf die Kombination von Daten, Tech und Kreativität!

Mal Generalist, mal Spezialist. Andere tun das aber auch.

Philipp Keller: Aber so konsequent? Kreative Business Intelligence erfüllt KPIs!

Klingt gut. Aber hier und da hat es 2018 auch geknirscht, zum Beispiel als Strategie-Chef Vincent Schmidlin ging.

Martin Blach: Die personellen Veränderungen bei Vorn Strategy Consulting haben 2018 tatsächlich viel Aufmerksamkeit bei uns in der Holding gebunden. Das Kernteam der Marke hat während des Führungswechsels indes hervorragende Arbeit geleistet und wir freuen uns sehr, dass seit Januar das Managementteam mit Maik Hoffmann, Miriam Barth und Theresa Schleicher das Consulting-Angebot ausbaut und vorantreibt.

Was haben Sie 2019 vor? Zum goldenen Hirschen investiert zum Beispiel seit Jahren in Start-ups.

Hans Langguth: Vier sind es mittlerweile, vier Start-ups, die Zum goldenen Hirschen unterstützt. Wir haben uns vorgenommen, bis Ende 2020 etwa 20 Prozent unseres Geschäfts mit neuen Geschäftsfeldern zu machen. Aber nach so einem Wachstumsschub wie 2018 wollen wir 2019 auch ein Stück weit konsolidieren.

Also erstmal innehalten?

Hans Langguth: Wir ruhen uns nicht aus, falls Sie das meinen. Wir vernetzen unsere acht Hirschen-Standorte weiter, kombinieren die einzelnen Agenturen zu ganzheitlichen Angeboten, treiben die Digitalisierung voran, investieren in Social, Content, Tech, stärken die strategische Beratungskompetenz und und und. Stillstand können wir uns nicht leisten und unsere Kunden schon gar nicht.

Martin Blach: Es ist nicht zu unterschätzen, was ein so rasantes Wachstum für eine Organisation ingesamt bedeutet. Die damit einhergehenden Wachstumsschmerzen so gering wie möglich zu halten und die Energie mitzunehmen, sind zentrale Punkte für dieses Jahr. Darüber hinaus gilt es natürlich, den Start neuer Angebote wie Health Angels für Healthcare Communications, das Change-Communications-Angebot Trafo von Ressourcenmangel sowie das Joint Venture von Zeit-Verlag und Ressourcenmangel, Hi! Employer Strategies, in ihrem Wachstum zu unterstützen. Grundsätzlich gilt: Die Veränderungsgeschwindigkeit wird immer höher. Die Möglichkeit schnell und wirksam reagieren zu können, neue Ideen zu haben, gewinnt an Bedeutung.

Mit Ihrem Buch "Kreativiert Euch" haben Sie sich dafür ja bereits in Stellung gebracht.

Martin Blach: Das ist nicht nur Marketing in eigener Sache. Mit dem Konzept "Total Creativity" haben wir vor drei Jahren intern begonnen, moderne Arbeitsstrukturen aufzubauen. Und mit dem Buch "Kreativiert Euch!" haben wir die gesamtgesellschaftliche Relevanz von Kreativität und Empathie im Zeitalter der Digitalisierung, Algorithmisierung und Roboterisierung aufgeschrieben und verbreiten sie nun. Die Resonanz ist sehr positiv und wirkt sich auch auf die Neugeschäftsanfragen an uns aus – insbesondere für Beratung in der kreativen Transformation.

Dann rechnen Sie 2019 also doch mit Wachstum?

Martin Blach: Wir werden auch 2019 erfolgreich sein, ja.

Anzeige