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Kommentar
Walulis-Video: Die wüsten Methoden bei Jung von Matt

Jung von Matt ist skrupellos. Behauptet die Satire-Sendung Walulis auf YouTube. Und kramt dafür tief in der Klischee- und Klamottenkiste. Lustig ist das nicht. Nur dämlich.

Text: W&V Redaktion

6. Februar 2020

Soll Satire sein: die pseudo-investigative Walulis-Sendung über Jung von Matt.
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Das Thema lässt erahnen, was in den kommenden Minuten kommt: eine brutale Abrechnung mit den "skrupellosen Methoden der wichtigsten Werbeagentur Deutschlands". Die Rede ist von Jung von Matt. Sie wird in der aktuellen Ausgabe der YouTube-Sendung Walulis so richtig auseinandergenommen.

Die aus Scheiße Scheiße machen

Weshalb? Es reicht schon, dass es eine Agentur ist. Denn "Werbeagenturen" sind "die, die aus Scheiße Scheiße machen, damit du Scheiße kaufst", klärt Moderator Philipp Walulis die YouTube-Gemeinde auf. Wow. Differenzierter geht es wohl nicht. Lustig ist es sowieso nicht. Auch wenn sie immer wieder mal lustige Filme kreieren, heißt es darauf, so sei die Agentur dennoch skrupellos. Sagt Wallulis und führt etliche Beispiele an: So die Motive für den Nuts & Pearls-Kampagne, die mit psychische Kranken als Models arbeitet. Eine Arbeit aus dem Jahre 2013, die - so wird suggeriert - menschenverachtend ist.

Selbstverliebt im Sessel

Oder weil die Hamburger Kreativen immer wieder provozieren, anecken, nicht politisch korrekt sind, um mithilfe von "kalkulierten Shitstorms" Reichweite zu generieren. Walulis Belege: Das Uralt-Sixt-Motiv mit Angela Merkel aus dem Jahr 2001, aber auch #Heimkommen für Edeka. Letzteres auch ein Musterbeispiel dafür, dass es der Agentur nur um sich selbst gehe. Und nicht um den Kunden. Denn Edeka komme schließlich so gut wie nicht vor im Spot. Wie selbstverliebt JvM sei, das könne man auch am Mey-Motiv mit Gründer Jean-Remy erkennen, der sich nur mit Pants bekleidet ablichten ließ (2011).

Ideenklau und Raffgier

Die Grundsatzfrage, ob eine Agentur hinter ihren Kunden und nicht im Vordergrund stehen will, habe JvM damit ganz klar beantwortet. Meint Walulis und holt zu den finalen, vernichtenden Schlägen aus. Denn damit nicht genug: Die Hamburger Werber klauen auch Ideen, beuten Mitarbeiter aus und verweigern der Urheberin des Claims "Dann geh doch zu Netto", einer unschuldigen Mutter, eine finanzielle Entschädigung. Sie sind auch noch skrupellose Raffzähne. Geht noch mehr? Ach ja, das Drogenthema fehlt noch, das Koksen auf dem Klo oder die sinnlosen Besäufnisse in der Agentur-Bar. Aber dann wäre wirklich alles beisammen, was sich je unter dem Stichwort "Werbung" und "Werber" in der Klischee- und Klamottenkiste finden ließ.

Fundiert ist das alles nicht. Soll es ja auch nicht sein. Aber lustig mit Sicherheit auch nicht. Obgleich Walulis eine Satire-Sendung sein will, die aktuelle Medientrends hinterfragt. Das Motto der Sendung, ein Online-Angebot von ARD und ZDF, lautet "Walulis – die Medikamentenausgabe im Irrenhaus Internet." Bei Jung von Matt nachgefragt, heißt es nur: "Kennen wir, kommentieren wir nicht." Ist es eigentlich auch nicht wert. 

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