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Vier Rügen
Werberat kritisiert sexistische Werbung

Aus der Provinz kommt neuer Stoff für die Hüter der Werbemoral. Motive, die sexistisch, herabwürdigend und so platt sind, dass man schon wieder darüber lachen kann. Erstmals rügt der Werberat den Post eines Influencers.

Text: W&V Redaktion

31. Januar 2020

Sex sells? In dem Fall nicht.
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Der Deutsche Werberat hat vier Unternehmen gerügt, weil sie diskriminierend und/oder sexistisch für ihre Produkte und Dienstleistungen werben. Meist geht es um Frauen, die die Werbungtreibenden herabwürdigend darstellen, aber auch ein Ethikverstoß bzw. die Diskriminierung von Personengruppen sind dabei. Die vier Unternehmen, die am Pranger stehen, heißen:

Pauland Gebäudereiniger

Die Internet- und Fahrzeugwerbung der sächsischen Firma aus Bannewitz verstößt aus Sicht des Werberats gleich zweifach gegen die Verhaltensregeln der Selbstkontrolleinrichtung. Der Werbeslogan "Ihre Schwiegermutter nervt" in Verbindung mit Tatortreinigung überschreite die ethischen Grenzen und verstößt damit sowohl gegen die "Verhaltensregeln des Deutschen Werberats gegen Herabwürdigung und Diskriminierung von Personen" als auch gegen die "Grundregeln des Deutschen Werberats".

Auch wenn der Slogan auf das Klischee der "bösen Schwiegermutter" anspiele, gehe die Werbung über das hinaus, was gesellschaftlich akzeptiert sei. Da könne der Humor noch so schwarz sein. Der Tod von Menschen solle nicht ins Lächerliche gezogen werden. Hier verharmlose eine Firma Gewalt gegen Personen, die "nerven". Zudem werden alle Schwiegermütter pauschal als minderwertig betrachtet. Pauland nervt!

E.T.E. Logistik

Das Logistikunternehmen E.T.E. aus Hamburg wirbt in einer Printanzeige mit einer Frau im Jeansrock, die an einer Straße steht und ihren Daumen Richtung Verkehr reckt. Geht gar nicht, sagt auch der Werberat: Der Slogan "Schnelle Nummer zum kleinen Preis" spielt auf Straßenprostitution an und suggeriert, die Frau sei für Geld zu haben. Betrachten Sie außerdem den Hinweis "Direktlieferungen", die Frau wird zur Speditionsware. Der Deutsche Werberat findet das zu Recht herabwürdigend und diskriminierend. E.T.E. hat sich disqualifiziert: Eine ganz kleine Nummer!

Feuerverzinkerei Metzelaers

In der Werbung dürfen laut Deutschem Werberat keine Darstellungen verwendet werden, die Personen mit Objekten gleichsetzen oder sie auf ihre Sexualität reduzieren. Genau das aber hat die Feuerverzinkerei Metzelaers aus Radevormwald (Nordrhein-Westfalen) getan. Die Abbildung einer nassen, fast nackten Frau, mag die Fantasie dumpfer Brüter anregen, hier erregt sie nur Ekel und Wut. Mit der Überschrift "Wir können auch heiß! Der mit dem Feuer verzinkt" reduziert Metzelaers Frauen auf ihre sexuellen Reize. Unsere Empfehlung: Kalter Entzug!

Influencer Ron Bielecki

Als herabwürdigend und sexistisch klassifizierte der Deutsche Werberat auch den Post des Influencers Ron Bielecki auf Instagram. Der bewarb ein Nahrungsergänzungsmittel des Unternehmens Rockanutrition aus Berlin und legte sich dafür eine nackte Frau auf den Schoß. Dass er das beworbene Produkt auch noch auf den Po der Frau stellt, zeigt, wie Bielecki von Frauen denkt. Sie sind für ihn nur Objekte der Begierde - er selbst ist leider keins.


Autor: Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er liebt alles, was Struktur hat in der Agenturwelt und Werbern unter den Nägeln brennt. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LGBTI*-Rechte, insbesondere in der Ukraine.

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