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Recruiting von Talenten
Wie der Mittelstand sein Nachwuchsproblem lösen könnte

Praktikanten würden gern längerfristig bei den Firmen bleiben, aber die meisten vernachlässigen die Kontaktpflege. Vor allem schlampen kleine und mittelständische Unternehmen.

Text: W&V Redaktion

31. Januar 2019

Unternehmen verschenken Potenzial mit ihren Praktikanten.
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Deutsche Unternehmen leiden zwar immer noch unter dem Nachwuchsmangel, lassen sich aber viele Gelegenheiten durch die Lappen gehen, um junge Talente zu binden. Denn wenn es darum geht, die talentierten Praktikanten längerfristig an sich zu binden. Eine Nachverfolgung des Kontakts gibt es kaum.  Das ist ein Ergebnis des aktuellen "Future Talents Report" der Unternehmensberatung Clevis Consult.

Die Studie (vormals. "Praktikantenspiegel") zeigt nämlich, dass durchaus 90 Prozent der Praktikanten an einer Stelle in dem Unternehmen interessiert sind, in dem sie gerade ein Praktikum gemacht haben. Aber 49 Prozent der Unternehmen bemühen sich nicht um eine weitere Kontaktpflege mit den potenziellen neuen Mitarbeitern. In kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) liegt der Anteil sogar bei 61 Prozent.

Schon während der Praktikumszeit sind sie nachlässig. Denn nur in 40 Prozent der Beschäftigungen endet das Arbeitsverhältnis mit einem abschließenden Feedbackgespräch. Und nur jede zehnte Nachwuchskraft wird über Alumni-Netzwerke an den potenziellen Arbeitgeber gebunden. Noch schlimmer sieht es in den Unternehmen aus, die händeringend MINT-Fachkräfte suchen: Hier gibt es nur für jeden zwanzigsten ein Alumni-Netz.

Auch in einem dritten Bereich sind die Unternehmen wenig aktiv: Die Gelegenheit, talentierte Absolventen über Abschlussarbeiten zu binden, nutzen nur wenige Arbeitgeber – laut Report nur jeder sechste Konzern und nur 10 Prozent der KMU.

Work-Life-Balance muss stimmen

Die Führungskraft entscheidet darüber, wie zufrieden ein Praktikant mit seinem Schnupperarbeiten ist und wie wahrscheinlich er sich später auch bei dem Unternehmen bewerben wird. Im Umkehrschluss ist der Anteil derjenigen, die sich nicht noch einmal bei einem Arbeitgeber bewerben würden, vor allem dann groß, wenn schwache Führungsarbeit geleistet wurde.

Die Arbeitszeit ist der neuralgische Punkt in dieser Sache. So leistet der Studie zufolge derzeit jeder dritte Praktikant Überstunden. In vielen Mangelberufen ist der Anteil sogar noch höher. Das kann zu Unzufriedenheit führen, denn die Generation Z ist empfindlich, was ihre Work-Life-Balance betrifft.

Die Entlohnung der künftigen Talente unterscheidet sich je nach Unternehmensgröße. Während in größeren Konzernen durchschnittlich 1.318,75 Euro brutto monatlich gezahlt werden, sind es in den KMU 1.087,36 Euro. Der Trend ist rückläufig: Beim letztjährigen Praktikantenspiegel waren es allgemein noch 92 Euro mehr. Aber immerhin sind 93 Prozent aller Praktika vergütet. Die Praktikanten legen allerdings gar nicht so großen Wert auf eine angemessene Vergütung, für ihre Zufriedenheit sind das Lernpotenzial, die Aufgabengestaltung und der positive Einfluss des Arbeitsverhältnisses auf den Lebenslauf viel entscheidender.

Für den "Future Talents Report" wurden7.664 Teilnehmer befragt.

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