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Kommunikations-Fail
Wie Ghosting im Beruf Ihren Ruf ruiniert

Sich sang- und klanglos aus dem Gespräch zu stehlen, ist kein guter Stil - auch im Kontakt zwischen Unternehmen und Agenturen. Vor allem die Langzeitwirkung ist fatal, findet Katja Waldor, Ballou-PR. 

Text: W&V Redaktion

14. Januar 2020

Einfach so verschwinden, ist keine Art.
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Ich wette, die meisten Leute kennen es aus persönlichen Beziehungen: Ghosting. Eine nahe Person verschwindet vom Radar und antwortet einfach nicht mehr auf Nachrichten, Anrufe oder andere Formen der Kommunikation. So weit, so schlecht. Aber jetzt hat diese schlechte Angewohnheit die Geschäftswelt erreicht. Man kann es auch als "Professional Ghosting" bezeichnen.

Gerade als Dienstleister erfahren wir diese Form des Kontaktabbruches nicht selten. In der Regel läuft es folgendermaßen ab: Wir erhalten eine Anfrage, beginnen ein Gespräch über eine mögliche Zusammenarbeit, investieren Zeit und Mühe in ein maßgeschneidertes Angebot, senden unsere Ideen an den Interessenten – und hören nichts zurück. Kein Feedback, keine Fragen, kein Kommentar. Nur völlige Stille. Auch nach wiederholten Nachfragen.

Die Menschen neigen vor allem dann zum "Ghosting", wenn sie vermeiden wollen Überbringer schlechter Nachrichten zu sein. Das ergibt Sinn: Jeder hasst unangenehme Gespräche. Es gibt jedoch gute Gründe dafür, sie dennoch zu führen.

Lassen Sie mich erklären, warum sich Tapferkeit, Ehrlichkeit und Respekt im Umgang miteinander für beide Seiten auszahlen.

Verzögerung der Entscheidung

Sie sind nicht der endgültige Entscheidungsträger in Ihrem Unternehmen? Sind auch andere Parteien beteiligt? Kein Grund, dies zu verstecken. Verzögerungen sind mehr als normal, wenn viele verschiedene Parteien bei der Entscheidungsfindung involviert sind. Das wissen wir alle. Zögern Sie also nicht, es den Leuten mitzuteilen. Es ist viel besser, ehrlich und direkt zu sein, als ohne ein einziges Wort einfach zu verschwinden. Jeder wird es verstehen und man wird sich an Sie als jemanden erinnern, der die Zeit und Mühe anderer Menschen respektiert.

Ablehnung

Die Entscheidung wurde zugunsten eines anderen Dienstleisters getroffen? Kein Problem für uns - und es sollte auch keins für Sie sein. Business ist Business - es ist die natürlichste Sache, die es gibt, mit anderen Dienstleistern um das ausgeschriebene Budget zu konkurrieren. Am Ende gewinnt halt nur einer den Pitch. Das beleidigt uns nicht, wir sind nur neugierig! Was können wir tun, um das nächste Mal besser abzuschneiden? Es ist wie in vielen anderen Situationen des Lebens: Zurückweisung ist nicht so schlimm, vor allem nicht, wenn sie mit konstruktiver Kritik und einer Erklärung kommt. Bitte scheuen Sie sich nicht, uns zu sagen, was wir falsch gemacht haben!

Abgesehen davon, dass sie die Zeit eines anderen stehlen, tun "Ghoster" vor allem eines: Sie schaden sich selbst, indem sie ihren eigenen Ruf nachhaltig schädigen. Ghosting im beruflichen Kontext ist unprofessionell und respektlos (dasselbe gilt übrigens auch für private Beziehungen, aber das ist ein anderes Thema). Zudem fällt es negativ auf den "Ghoster" selbst zurück und wirkt sich nachteilig auf den Ruf des gesamten Unternehmens aus.

Das Ökosystem, in dem wir uns bewegen, scheint auf den ersten Blick ziemlich groß zu sein. Als PR-Expertin kann ich jedoch sagen, dass es kleiner ist, als man zunächst denkt. Professionelle Netzwerke sind zunehmend stärker miteinander vernetzt, und jeder wird ständig nach Meinungen über andere gefragt. Man sollte dies bei jeder einzelnen Aktion und vor allem auch ausbleibenden Reaktionen im Hinterkopf behalten.

Katja Waldor, Ballou PR

Als General Managerin Germany leitet Katja Waldor die deutsche Niederlassung der internationalen Tech-PR-Agentur Ballou. Für das Unternehmen ist sie insgesamt bereits seit 2015 tätig. Umfangreiche PR-Erfahrungen sammelte Waldor zuvor bei einem Startup-Inkubator, einer Software-Agentur, einem Wirtschaftsverband sowie als freiberufliche Beraterin. Inzwischen blickt der PR-Profi auf eine über zehnjährige Karriere mit tiefgreifenden Branchenkenntnissen zurück. Dabei hat Katja Waldor die unterschiedlichen Perspektiven der verschiedenen Branchenakteure kennengelernt und bringt dieses Wissen heute in die tägliche Arbeit als Agenturchefin ein.


Autor: W&V Leserautor

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