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Französische TV-Doku
Amazon wirft massenhaft Neuwaren in den Müll

Eine französische TV-Sendung deckt auf, wie Amazon systematisch Neuwaren vernichtet, um Geld zu sparen. Betroffen sind vor allem "Marktplatz"-Artikel.

Text: W&V Redaktion

22. Januar 2019

Screenshot aus dem Video, das den Skandal aufdeckte.
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Amazon zerstört in Frankreich unverkaufte Waren. So lautet der Vorwurf gegen das US-Unternehmen nachdem die französische TV-Sendung Capital Missstände in einem Lagerhaus in der Region Burgund-Franche-Comté offenlegte. Ein Journalist hatte mit versteckter Kamera gefilmt, wie Amazon-Mitarbeiter unverkaufte Neuwaren in Müllcontainer entsorgten. 300.000 neue Artikel seien auf diese Weise in drei Monaten zerstört worden, berichtet der Sender. 

Schätzungen des französischen Gewerkschaftsbundes zufolge könnten im Jahr 2018 somit rund 3,2 Millionen neue Produkte in Frankreich im Müll gelandet sein. Kritiker werfen Amazon vor, die Überproduktion zu verschlimmern, da das Geschäftsmodell auf einer riesigen Warenfülle basiere. Für den E-Commerce-Giganten sei es finanziell sinnvoller, nicht-verkaufte Produkte zu entsorgen, anstatt sie im Lager zu behalten.

Amazon ist Marktplatz - kein Händler 

Gegenüber EURACTIV beklagte Alma Dufour von der Umweltorganisation Amis de la Terre, dass Amazon immer mehr zu einem Marktplatz werde und immer weniger ein Einzelhändler sei. Auch in Deutschland fährt Amazon diese Strategie und wirbt in seiner aktuellen Kampagne für kleine Händler.

Dufour verweist darauf, dass Amazon die Mehrheit der Produkte, die in seinen Lagern gelagert werden, nicht besitze.  "Wirtschaftlich gesehen kostet es Amazon daher nichts, Gegenstände zu zerstören. Die Firma hat keinen Bezug zu den Waren; sie sind ihr egal. Kleine Verkäufer verlieren dabei viel – aber Amazon verliert kein Geld", sagte Dufour gegenüber dem Mediennetzwerk.

Fälle auch in Deutschland bekannt 

Amazon reagierte mit Reue auf die Kritik, gelobte Besserung und versicherte, dass die "große Mehrheit" der unverkauften Artikel "recycelt, weiterverkauft, zurückgegeben oder gespendet" werde. 

Auch in Deutschland sah sich der Internetriese schon mit dem Vorwurf der Warenvernichtung konfrontiert. Bereits im Sommer 2018 berichteten verschiedene Medien über die fragwürdige Praxis in deutschen Lagerhallen, nicht nur bei Amazon. 

Sehen Sie hier das Video zum aktuellen Fall in Frankreich: 

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