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Datenleck nach Hackerangriff
Bundesregierung sieht Anschlag auf die Demokratie

Die Regierung wertet die Veröffentlichung teils sensibler Daten von Politikern und Prominenten via Twitter als "schwerwiegenden Angriff" auf die Demokratie.

Text: W&V Redaktion

4. Januar 2019

Deutscher Bundestag: Im politischen Berlin ist man wegen des Hackerangriffs alarmiert.
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Die Bundesregierung hat die massenhafte Veröffentlichung teils sensibler Daten von Politikern und Prominenten als "schwerwiegenden Angriff" gewertet. "Die Urheber wollen Vertrauen in unsere Demokratie und ihre Institutionen beschädigen", sagte Justizministerin Katarina Barley (SPD) am Freitag.

Betroffen von dem Hackerangriff seien Politiker aller Ebenen: aus dem Bundestag, dem Europaparlament und den Landtagen bis hin zu den Kommunen, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Martina Fietz. Es handle sich um Hunderte Personen, auch aus dem Fernsehen und Showbusiness. Betroffen sind Politiker aller im Bundestag vertretenen Parteien - mit Ausnahme der AfD. Die mit Abstand längste Liste betroffener Politiker hat die CDU zu beklagen. Die FDP beklagt 28 Betroffene, in der Linken-Fraktion wurden die Daten von mehr als 40 Abgeordneten gehackt.

Es kann sich um gestohlene Cloud-Daten handeln

Veröffentlicht wurden unter anderem Telefonnummern, Privatadressen, E-Mail-Adressen, Kopien von Personalausweisen, Mietverträge, Rechnungen und Kontoauszüge. Für besondere Empörung sorgt die Tatsache, dass auch Familienangehörige und Kinder betroffen sind - etwa durch die Veröffentlichung von Chatverläufen und Briefen. Auch genutzte Skype-Namen von Kindern angegriffener Personen waren über den Twitter-Account @_0rbit an die Öffentlichkeit gelangt. Erst am Freitagvormittag wurde der Account gesperrt.

Wie die Nachrichtenagentur dpa erfuhr, geht das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gegenwärtig davon aus, dass die Daten aus öffentlichen Bereichen des Internets, aus sozialen Medien sowie aus privaten "Clouddaten" stammen.

Auch der Generalbundesanwalt hat sich mittlerweile in die Prüfung eingeschaltet. Dieser wäre dann für die Ermittlungen zuständig, wenn es sich um einen Fall "geheimdienstlicher Agententätigkeit" handeln würde, also eine ausländische Macht hinter den Vorgängen stecken könnte.

In den USA sind derzeit zwölf russische Geheimdienstler angeklagt, weil sie mit Hackerangriffen in den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 eingegriffen haben sollen.

(dpa/mw)

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