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Kommentar
Facebook muss reguliert werden? Bloß nicht!

Facebooks Geschäftspolitik ist eine Gefahr für die Demokratie und den Wettbewerb. Dieses Geschäft muss sich ändern. Forderungen nach einer stärkeren Regulierung werden laut. Aber das ist der falsche Weg.

Text: W&V Redaktion

22. März 2018

Muss selbst handeln: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg
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Es lebe die Freiheit! Die Freiheit der Bürger UND die Freiheit der Unternehmen. Freie Wahl bedeutet Wettbewerb. Wettbewerb bedeutet Werbung. Werbung ist die Grundlage unserer Branche.

Jetzt gerät das System ins Wanken. Die Freiheit der Bürger ist in Gefahr. Dass sich die Datenanalysefirma Cambridge Analytica Zugang zu Informationen über mehr als 50 Millionen Facebook-Nutzer verschaffen und damit den US-Wahlkampf beeinflussen konnte, ist ein Skandal. Wie konnte das passieren? Die Antwort darauf liegt bei Facebook. Dort ist der Kern des Problems.

Blicken wir nur auf Deutschland. 23 Millionen Menschen nutzen Facebook hierzulande täglich. 30 Millionen nutzen Facebook mindestens einmal im Monat. Die Hälfte der deutschen Online-Bevölkerung tummelt sich auf Facebook. Die Firma ist mächtig. Das ist kein Problem. Aber:

Facebook missbraucht seine Macht

So lautet der Vorwurf, den das Bundeskartellamt fast zwei Jahre lang untersucht und schließlich untermauert hat. Ende Dezember 2017 hat die deutsche Behörde Facebook mit diesem Vorwurf konfrontiert. Bisher hat Facebook darauf nicht geantwortet.

"Wenn wir es mit sehr großen, sehr mächtigen Unternehmen zu tun haben, dann brauchen wir auch sehr große, sehr scharfe Schwerter", sagt der Präsident des Bundeskartellamts Andreas Mundt im W&V-Interview.

Aber gleichzeitig warnt er davor, über das Ziel hinauszuschießen. "Alles das, was wir mit dem Wettbewerbsrecht bei diesen großen Plattformen nicht regeln können und nicht in den Griff kriegen, läuft Gefahr, Gegenstand von Regulierungen zu werden. Und das kann nicht unser Ziel sein", sagt Mundt. Warum nicht? Weil Facebook eigentlich gut ist.

Regulierung engt ein

"Das sind schließlich auch dynamische und innovative Geschäftsmodelle, die die Verbraucher mögen und die vieles vereinfachen", so Mundt. Regulierung, warnt der oberste Kartellwächter, sei "statisch, und engt ein". Fälle der Wettbewerbsbehörden seien "flexibler und schneller".

Okay. Aber was ist überhaupt das Problem?

Facebooks Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) sind zu kompliziert. Viele Nutzer wissen gar nicht, welche Rechte an ihren Daten sie dem Unternehmen gewähren, wenn sie die den AGB zustimmen. Und sie hätten ohnehin keine Wahl: Sie müssen das Gesamtpaket inklusive der umstrittenen Datenschutzvoreinstellungen akzeptieren, wenn sie Facebook nutzen wollen. Dieses Beziehungsproblem lässt sich in zwei Worte destillieren:

Verschleierung und Zwang

Geht man so mit Freunden um? Nein. Facebook duzt mich. Facebook tritt auf wie der Gastgeber einer privaten Party, auf der sich Freunde treffen. Aber Facebook verhält sich nicht so. Kann ich Facebook vertrauen, wenn ich von Freunden erfahre, dass meine Geheimnisse bei dubiosen Firmen landen und dass meine Intimsphäre verhökert wird?

Venezianischer Spiegel

Wenn an dieser Stelle jemand sagt: Ja. Ich habe ja auch nichts zu verbergen – dann ist das okay. Aber: Man muss wissen, dass es so ist. Sonst ist das Verhältnis unfair, die Beziehung vergiftet. Digitalunternehmen preisen gerne das Hohelied der Transparenz. Das ist an sich prima. Aber nur, wenn die Dinge wirklich transparent sind. So wie Facebook bisher networkt, erinnert das eher an einen venezianischen Spiegel. Der Nutzer schaut rein und merkt nicht, dass er beobachtet wird.

Mark Zuckerberg sollte erkennen, dass seine Beziehung auf dem Spiel steht. Die Beziehung zwischen Facebook und seinen Nutzern. Die größte Gefahr für ihn liegt gar nicht darin, dass die Politik regulieren will oder dass die Wettbewerbsbehörden korrigieren müssen. Sondern: Wenn Facebook das Vertrauen seiner Nutzer verspielt, dann vernichtet es seine Geschäftsgrundlage – und die all seiner Geschäftspartner. Sprich: auch die unserer Branche.

Wäre Mark Zuckerberg mein Freund, würde ich ihm sagen: Mensch Mark, lass das PR-Gelaber, vergiss kurz mal das Geld und tu was, was Deinen Nutzern wirklich nützt. Das hilft uns allen. Wir sitzen doch alle im gleichen Boot.

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