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Schadensersatz
Falsch gemessen: Facebook zahlt seinen Kunden 40 Millionen Dollar

Weil ihre geposteten Videos so gut geklickt wurden, haben viele Werbungtreibende mehr Paid Ads auf Facebook hinzugebucht. Eine Entscheidung, die auf fehlerhaften Metriken von Facebook basierten. Das Netzwerk muss nun dafür gerade stehen.

Text: W&V Redaktion

8. Oktober 2019

Falschaussagen kosten: Facebook muss laut Gerichtsbeschluss Entschädigungen an seine Werbeklientel bezahlen.
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Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Das trifft auch darauf zu, wenn Plattformen ihre Video-Metriken messen und an ihre Werbungtreibende übermitteln. Facebook hat bei den Messungen einen Fehler eingestanden, der teuer zu stehen kommt: Das Netzwerk zahlt nach dem Beschluss eines Bezirksgerichts in Kalifornien nun 40 Millionen Dollar an seine rund 1,35 Millionen betroffene Kunden.

Üblich ist es, dass Unternehmen die Messungen ihrer Werbemittel selbst vornehmen, doch bei Facebook, YouTube und Twitter war es nicht so - bis 2016: Damals kam heraus dass Facebook seiner Werbekientel über einen Zeitraum von 18 Monaten fehlerhafte Metriken für ihre Ads ausgewiesen hatte. 

Schuld daran war eine Formel, die den Durchschnittswert von gesehenen Videos überbewertete. Betroffen waren nur die Posts auf den eigenen Kanälen der Werbungtreibenden, die in der Spitze bis zu 900 Prozent aufgeblasen wurden. Die bezahlten Ads waren von diesen Fehlmessungen jedoch ausgenommen. Allerdings hat die Überbewertung der Views bei vielen Werbungtreibenden dafür gesorgt, dass sie mehr Paid Ads hinzugebucht hatten. 

Ein Eklat mit Folgen: Seither verlangen Marktprotagonisten auch von den Social Plattformen, die sich dem eigenen Zugriff der Werbungtreibenden auf ihre Kennzahlen lange verwehrten, mehr Kontrolle von externen Auditoren. Facebook, YouTube und Twitter lassen ihre Messungen nun von Media Rating Council überprüfen.

Die Beliebtheit von Facebook bröckelt indes auch bei den Usern. Das Marktforschungsunternehmen Audience Project stellt in einer aktuellen Studie mit 13000 befragten Usern die sinkende Reputation der Plattform als ein "Must have" fest - und prophezeit eine weitere Abwärtsspirale. Haben im zweiten Quartal 2017 noch 26 Prozent der Befragten in den USA Facebook als die wichtigste App genannt, sind im dritten Quartal 2019 nur noch 21 Prozent dieser Ansicht. 

Aufwind dagegen erhalten Instagram und Whatsapp, die wie Facebook aus dem Zuckerberg-Imperium stammen. Während Instagram im zweiten Quartal 2017 im Ranking der wichtigsten Apps auf Platz 4 lag, hat sie sich im dritten Quartal 2019 den zweiten Platz gesichert. Ähnlich sieht die Entwicklung auch in USA, UK, Deutschland und Nord-Europa aus. Der WhatsApp Messenger ist in den UK (27 Prozent), Deutschland (18 Prozent) und Finnland (53 Prozent) am beliebtesten. 

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