Anzeige

Retargeting
Google schränkt das digitale Stalking der roten Schuhe ein

Chrome und Android bekommen neue Werbeeinstellungen für Retargeting-Anzeigen. Dies kann als Teil der Adblocker-Strategie des Konzerns betrachtet werden. 

Text: W&V Redaktion

26. Januar 2018

Drei Sekunden dauert es vom Klick auf die roten Pumps im Shop von About You bis die Anzeige (r.) auf GMX.de zu sehen ist
Anzeige

Jetzt geht es den stalkenden, roten Schuhen an den Kragen. Google will das Retargeting und Remarketing deutlich einschränken. Hierfür wird jetzt in den Einstellungen für den Chrome-Browser eine Funktion eingeführt, um diese Erinnerungs-Werbung zu unterdrücken. Wer hier ein Häkchen entfernt, wird also keine Anzeigen mehr für rote Schuhe sehen, die er Stunden oder Tage zuvor in einem Shop angesehen hat. 

Damit entfallen diese Konsumenten für das Remarketing - zumindest zu einem gehörigen Teil. Denn Google gilt als einer der großen Anbieter über sein Werbenetzwerk. Daneben könnte Google solche Nutzerkontakte auch anderen Retargeting-Player verwehren, sofern sie über Googles Netzwerk Werbeplatzierungen einkaufen. Ob dies erfolgen wird, ist im Moment noch unklar. Für solche Player wie Criteo und Sociomantic dürfte Google der wichtigste Lieferant von Werbeplätzen, beziehungsweise Nutzerzugriffen sein. 

Für E-Commerce-Unternehmen ist Remarketing ein zentraler Teil der Strategie. Die Systeme sind inzwischen so ausgefeilt, dass beispielsweise die Suche nach den roten Pumps bei About You  (im Bild oben und hier im Web) bereits drei Sekunden später eine Anzeigenschaltung über den Dienstleister Criteo in mehreren Formaten auf GMX.de auslöst.

Eine Million Anzeigen entfernt

Welcher Anteil der Android- und Chrome-Nutzer über die Einstellungen Werbung ablehnt, ist unklar. Google hat aber nach Angaben von Jon Krafcik, Group Product Manager, Data Privacy and Transparency, 2017 über fünf Milliarden Rückmeldungen bekommen, dass Nutzer Anzeigen ignoriert hätten, die User als "nicht relevant" markiert hatten. Dies habe dazu geführt, dass eine Million Anzeigen aus Googles Werbenetzwerk entfernt wurden. 

Dies soll künftig umfassender stattfinden. Die neue Google-Strategie wird - sofern Nutzer sich mit Google-Konten anmelden - nun auch über verschiedene Geräte hinweg auf Basis der jeweiligen Kontoeinstellungen umgesetzt. Krafcik schreibt: "Wenn ihr also eine Anzeige der Schneestiefel GmbH auf dem Smartphone (per Klick) ignoriert, seht ihr sie auch auf eurem Laptop nicht mehr." Daneben kündigt Google an, diese Schaltflächen - das kleine "i" im Kreis, das zu "Diese Werbung ignorieren" führt - künftig verstärkt zu zeigen. Sie sollen nun auch in mehr Apps und Websites auftauchen, die Google für die Vermarktung nutzen. 

Dass Google ständig an dem Thema arbeitet und sich auch nie wirklich sicher war, in welche Richtung es gehen soll, verdeutlicht die Historie: 2009 bekamen der Crome-Browser sowie das Android-System ein Dashboard für die Anzeigenkontrolle mit dem Namen "Anzeigenvorgaben-Manager", inzwischen heißt dies "Einstellungen für Werbung". Daraus wurde "Warum diese Anzeige" im Jahr 2011 und ein Jahr hieß der Menüpunkt: "Diese Werbung ignorieren". Inzwischen finden sich die Werbetools in einem zentralen Datenkontrollzentrum in "Mein Konto" unter dem reduzierten Begriff "Anzeigen". 

Fest steht jedoch, dass Google die Nutzer nicht völlig vor den Kopf stoßen will. Die erweiterten Adblocker-Funktionen hatte der Konzern ja bereits vergangenes Jahr angekündigt. 

Anzeige