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OMR-Rant von Jochen Kalka
Typisch OMR: Das ständige Gefühl, etwas zu versäumen

Rant-Spezialist Jochen Kalka hat es diesmal nicht leicht. Alles schien derart perfekt, dass man glaubte, gar nicht auf der OMR zu sein. Außer, man suchte einen Stand.

Text: W&V Redaktion

9. Mai 2019

Jochen Kalka: "Es gibt nichts Schöneres, als dass einem das Denken abgenommen wird."
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"Hallo Chef, darum geht's: Ich schreibe Dir heute mit guten Neuigkeiten: (Dein Name) will beim OMR Festival 2019 dabei sein!" Boah eyh, die Veranstaltung Online Marketing Rockstars zeigt sich immer professioneller. Wer sich schon immer gefragt hat, warum 50.000 Fans zu dieser Marketingseifenrockoper pilgern, der weiß es jetzt:

Auf der Homepage der OMR findet sich ein fertig verfasstes Formular mit dem Titel "Überzeuge Deinen Chef". Ein Schreiben, mit dem "Du nur noch die Vorgesetzten überzeugen musst, dass Du dabei sein kannst." Es gibt nichts Schöneres, als dass einem das Denken erfolgreich abgenommen wird.

OMR macht es möglich. Denn - so wörtlich - "wenn (Dein Name) teilnimmt, strahlt das direkt auf den Erfolg Deines Unternehmens ab." Wie sollte das ein Chef – oder eine Chefin – ablehnen können. "Also, was denkst Du? Bereit in (Dein Name) und die Zukunft des Unternehmens zu investieren?"

Allein für die Vorbereitung empfiehlt es sich, zwei Tage frei zu nehmen 

Wer sich also als Investition begreifen durfte, um nach Hamburg zum größten Digital-Marketing-Event Europas (Eigenangabe) zu reisen, durfte sich glücklich schätzen. Denn allein für die Vorbereitung empfiehlt es sich, zwei Tage frei zu nehmen – oder selbst Chef/Chefin zu sein, um dafür die Zeit zu haben.

Es gibt kaum eine wirrwarrigere Seite von Veranstaltungen als das digitale Teufelswerk des OMR-Festivals. Erste Frage: Wo findet es denn statt? Auf der Startseite steht das Datum, nirgendwo der Ort. Klickt man auf das Ticket, heißt es: "Das OMR Festival 2019 liefert Euch an zwei Tagen neues Wissen, Insights, Netzwerk, Inspiration und echte Erlebnisse. Seid dabei!" Aha, der Ort ist unwichtig. Erst der eifrige Scroller findet den Hinweis: "in Hamburg Messe", komisches Deutsch.

Die Messe selbst, das kann man verkürzen, war so professionell wie wohl noch nie zuvor. Keine dramatischen Warteschlangen, der Armgelenkchip, mit dem man bargeldlos bezahlen kann, funktionierte diesmal perfekt. Am Vorabend der OMR konnte man sich schon - gefühlt - in der ganzen Stadt akkreditieren, auch in einigen Hotels. Ja, es schien alles so perfekt, dass man ständig das Gefühl hatte, gar nicht auf der OMR zu sein. Manche wähnten sich auf der Dmexco, doch selbst diese ist alles. Außer perfekt.

Auch waren viel weniger Rock-T-Shirts zu sehen als in den vergangenen Jahren. Ich selbst hatte, um cool zu wirken, einen sinnlosen Kopfhörer um den Hals. Immerhin konnte ich mich immer als Rockstar outen, stand doch auf meinem Umdenhalshängsel "Editor in Chief", was meinem Bandnamen entspricht (Kostproben auf Spotify, iTunes etc).

Am Fußboden ein Versuch von Standbeschriftungen - leider mit Kreide

Ansonsten: Ja, es war perfekt. Außer, man suchte zum Beispiel einen konkreten Stand. Etwa einen der OMR. Der wurde dann so ausgewiesen: "Hall B5, Booth PB 07/08 & PC07/08". Tja, am Boden war ein Versuch von Standbeschriftungen unternommen worden, leider in Kreide. Klar, coole Idee, doch nach wenigen Sneaker-Berührungen war es vorbei mit der Beschriftung. Wer aber irgendwann eine Toilette aufsuchen musste, fand eine Tafel an der Wand, an der die Beschriftungen zu finden waren. Die aufwändige und schön gemachte App gab es nicht her.

Die Veranstaltung war so perfekt, dass man ständig mit dem Gefühl herumirrte, etwas zu versäumen. Weil alles irgendwie parallel lief. Seminare und Programme an allen Ecken, überall Live-Vorführungen, als sei man auf einer Staubsaugervertreterwettbewerbsveranstaltung. Man wurde umringt von ganz wichtigen Influencern, die ich natürlich alle nicht kannte, Stars und Sternchen auf den Bühnen, aber vor allem äußerst wertvolle Inhalte, wie auf unserem W&V-Liveblog zu sehen. Influencer erkannte man auf den Brettern dieser Digitalwelt immer daran, dass sie kurze Sätze sagten, wie etwa: "Einfach machen!", "Nicht nachdenken!" Darüber hatte ich noch nie nachgedacht.

Kurz: OMR ist eine starke Marke geworden, ist fast schon zu perfekt. Auf Toiletten wurden nicht nur Pastillen angeboten, damit es einem die Sprache nicht verschlägt, sondern auch Kondome. Wurde mir erzählt. Nein, da darf man echt nicht meckern, an alles wurde gedacht. Für mich persönlich ist diese Perfektion echt doof, fällt mir das Schreiben eines Rants doch echt mal schwer.

Also bleibt mir nur zu sagen: Chapeau, Philipp Westermeyer, der OMR-Gründer ist eine coole Socke und nahm sich sogar die Zeit, jeden Gast einzeln zu umarmen. Bei 50.000 Gästen eine echte Challenge…

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