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Bezahlung
Agil, selbstbestimmt und mobil: New Work bei VW

Auf der Suche nach Digitaltalenten haben Firmen mit starren Regelungen schlechte Karten. Deswegen hat VW einen neuen Haustarifvertrag ausgehandelt, der nur für die IT-Tochter gilt und besondere Vorzüge hat.

Text: W&V Redaktion

28. Januar 2021

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Die Zukunft der Arbeit hält Einzug beim Traditionskonzern Volkswagen. Für die neue Software-Sparte im Volkswagen-Konzern gibt es jetzt einen eigenen Haustarifvertrag. Eine Besonderheit sind selbstbestimmte Arbeitszeiten - so soll eine "agile" Entwicklung von IT-Projekten sichergestellt werden. Als Grundmodell ist eine 35-Stunden-Woche vorgesehen, die Beschäftigte aber in einem Korridor zwischen 28 und 40 Stunden nach Bedarf individuell ausfüllen können.

"Eine vereinbarte Arbeitszeitbremse verhindert ausufernde Anforderungen", betonte die IG Metall. Laut VW gilt der Tarifvertrag rückwirkend ab 1. Januar für etwa 4000 Beschäftigte in Deutschland. Die Sparte wird vor allem aus Ingolstadt und Wolfsburg gesteuert.

Zudem bekommen Mitarbeiter der Car-Software-Org, die Audi-Chef Markus Duesmann leitet, unter anderem ein Recht auf mobile Arbeit, Sabbaticals und laufende Qualifizierung. Für die Bezahlung gilt ein "kompetenzbasiertes Entgeltsystem".

Um agil zu arbeiten, räumt der Tarifvertrag den Teams mehr Freiräume und Mitspracherechte ein. So kann auf Teamebene zum Beispiel gemeinsam mitentschieden werden, die tägliche Arbeitszeit befristet zu erhöhen, um ein bestimmtes Projekt abzuschließen, oder Qualifizierungsmaßnahmen für das eigene Team anzustoßen.

Eine weitere Besonderheit: Damit sich der Haustarifvertrag an die kontinuierlichen Veränderungen einer lernenden Organisation anpasst, werden die Regelungen in festgelegten Abständen geprüft und weiterentwickelt ("Iteration").

Bei der Ausarbeitung des Tarifvertrags hatte Martin Hofmann, Personalvorstand der Car.Software Organisation, auch die Arbeitgeberattraktivität im Blick. Hier muss sich VW mit den großen Tech-Konzernen messen lassen, wenn er Digitaltalente anziehen will.  "Karrierepfade wie Fach- und Projektkarrieren, aber auch die Stärkung des Teams in agilen Arbeitswelten, sind ein ausgezeichnetes Fundament für durchgängige, motivierende Entwicklungswege, die auch den individuellen Lebensbiographien Rechnung tragen. Im Zentrum des Tarifvertrags steht die kompetenzbasierte Vergütungssystematik. Der Fokus auf Kompetenzen hilft dabei, das bestehende Software-Know-how unseres Unternehmens weiter auszubauen und immer auf dem neusten Stand zu halten. Ich bin sicher, dass der Tarifvertrag ein weiteres überzeugendes Element für Beschäftigte und Bewerber ist, mit der Car.Software Organisation den Wandel des Volkswagen Konzerns voranzutreiben."

Volkswagen erklärte, die Regelungen spiegelten die speziellen Anforderungen von flexiblen, eigenverantwortlichen Teams wider. "Ich freue mich, dass wir gemeinsam mit der IG Metall neue, zeitgemäße Wege für die tarifliche Gestaltung der agilen Arbeitswelt im Softwarebereich aufzeigen können", so Personalvorstand Gunnar Kilian.

In der markenübergreifenden Software-Tochter arbeiten mehrere Tausend konzerneigene IT-Fachkräfte zusammen. Hinzu kommen soll über die nächsten Jahre weiteres Personal aus Neueinstellungen oder Firmenübernahmen. Insgesamt sollen dort 10.000 Stellen angesiedelt sein.

Der VW-Konzernbetriebsrat hatte früh klargemacht, dass auch für den neuen Bereich tarifliche Regeln mit voller Mitbestimmung gelten sollen und der Wechsel in die Einheit freiwillig sein müsse. Chef Bernd Osterloh sagte: "Für das neue Tarifwerk war der VW-Haustarif an vielen Stellen prägend, etwa bei der Altersvorsorge oder der Möglichkeit des Sabbaticals." Solche Angebote könnten weitere Talente aus der IT-Branche anziehen.

am/mit dpa


Autor: Annette Mattgey

Seit 2000 im Verlag, ist Annette Mattgey (fast) nichts fremd aus der Marketing- und Online-Ecke. Für Markengeschichten, Kampagnen und Karriere-Themen hat sie ein besonderes Faible. Aus Bayern, obwohl sie "e bisi anners babbelt". 

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