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Ost-West-Vergleich
Freelancer im Westen verdienen deutlich mehr als im Osten

Zwischen den Stundensätzen der Freiberufler in West und Ost klafft eine deutliche Lücke. Das wirkt sich auch auf die Altersvorsorge aus, wie eine gesonderte Auswertung von Freelancermap ergab.

Text: W&V Redaktion

5. November 2019

Was das Gehalt der Freelancer angeht, sind Ost und West noch nicht zusammengewachsen.
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30 Jahre nach dem Mauerfall sollte es eigentlich keine nennenswerten Unterschiede in den Arbeitswelten in Ost und West mehr geben. Eigentlich. Doch die Nürnberger Arbeitsvermittlungsplattform Freelancermap kommt zu einem anderen Schluss: Wie eine regionale Auswertung des Freelancer-Kompass 2019 ergab, verdienen selbstständige IT-Profis im Westen nicht nur erheblich mehr als ihre Kollegen im Osten, sie legen auch deutlich mehr für ihre Altersvorsoge zurück.

Fast zehn Euro liegen zwischen den durchschnittlichen Stundensätzen der Freiberufler im Westen und im Osten: Während der Wessi im Schnitt 94 Euro pro Stunde erhält, kann der Ossi für die gleiche Arbeit durchschnittlich 84,50 Euro in der Stunde verlangen. Das wirkt sich auch auf den jährlichen Bruttoumsatz nieder: So verdienen 61 Prozent der westdeutschen Freelancer mehr als 100.000 Euro im Jahr, im Osten überschreiten gerade einmal 46 Prozent diese Umsatzgrenze.

Im Osten verdienen Freiberufler im Schnitt 10 Euro weniger als die IT-Profis im Westen.

Bessere Altersvorsorge im Westen

Das wirkt sich auch auf die Altersvorsorge der Selbstständigen aus: Obwohl die Freelancer bundesweit im Schnitt 15 Prozent des monatlichen Einkommens für den Ruhestand zur Seite legen, stehen in Ost und West ganz unterschiedliche Beträge zu Buche. In Ostdeutschland macht das umgerechnet 742 Euro, in Westdeutschland aber üppige 1042 Euro im Monat aus. Bei gleichbleibenden Werten würden ostdeutsche Freiberufler im Laufe der nächsten 30 Jahre insgesamt 108.000 Euro weniger für die Rente ansparen als ihre Kollegen im Westen.

Aber auch innerhalb der ehemals getrennten Teile Deutschlands gibt es regionale Unterschiede: Laut der Studie erhalten Selbstständige IT-Fachkräfte in Schleswig-Holstein mit bis zu 99 Euro im Schnitt die höchsten Stundensätze. In Rheinland-Pfalz sind die Verdienstmöglichkeiten mit durchschnittlich 83,50 Euro am niedrigsten. In den neuen Bundesländern erweist sich Sachsen-Anhalt als attraktivster Standort mit einem durchschnittlichen Stundensatz von 90 Euro, Selbstständige in Thüringen dürfen dagegen mit einer Bezahlung von im Schnitt nur 72 Euro in der Stunde für ihre Arbeit erwarten.

87 Prozent der IT-Freelancer arbeiten in Westdeutschland.

Osten ist "Freelancer-Wüste"

Eine mögliche Folge dieser unterschiedlichen Entlohnung dürfte sein, dass sich die meisten IT-Freelancer im Westen tummeln, während man sie Ostdeutschland eher mit der Lupe suchen muss. Ganze 87 Prozent aller unabhängigen Arbeitskräfte sind in Westdeutschland beschäftigt, die übrigen 13 Prozent verteilen sich auf die neuen Bundesländer. Dabei wagen IT- und Engineering-Experten im Osten im Schnitt nach elf Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit, die Westdeutschen warten lieber noch zwei Jahre länger ab. 

Entsprechend sind die Freelancer im Osten mit 45 Jahren im Mittel auch drei Jahre jünger als ihre westdeutschen Pendants. Dabei verbindet sie eine Gemeinsamkeit: Hüben wie Drüben sitzt der Großteil der Freiberufler mit im Büro des Auftraggebers. Und noch etwas ist in Ost und West gleich: Frauen sind in dieser Domäne eindeutig unterrepräsentiert, so sind neun von zehn Selbstständige in der IT-Branche männlich.

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