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EuGH-Urteil zur Zeiterfassung
Marketingverband lehnt EuGH-Urteil zur Zeiterfassung ab

Ein Schritt in die falsche Richtung, kommentiert der Deutsche Marketing Verband das vieldiskutierte EuGH-Urteil, das die Arbeitszeiterfassung zur Pflicht macht. 

Text: W&V Redaktion

22. Mai 2019

Ralf Strauß, Präsident Deutscher Marketing Verband und Vize-Präsident European Marketing Confederation
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Ob Überstunden anfallen oder nicht, lässt sich nur erkennen, wenn die tägliche Arbeitszeit erfasst wird, sagte der EuGH in seinem jüngsten Urteil, das für viel Wirbel gesorgt hat. Nicht alle reagieren so entspannt wie etwa der Thjnk-Personalchef Ulrich Pallas: "Für Kommunikationsagenturen ist das nichts Neues". 

Jetzt hat sich Ralf Strauß, Präsident Deutscher Marketing Verband und Vize-Präsident European Marketing Confederation, zu Wort gemeldet:

"Wir haben mit unseren Mitgliedern gesprochen: Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs hat für Kopfschütteln gesorgt. Es besagt, dass alle Arbeitgeber die Arbeitszeiten ihrer Beschäftigten penibel erfassen = kontrollieren sollen. Das hinterlässt einen schalen Geschmack in Zeiten von modernen, vertrauensbasierten agilen Home Office und New Work Modellen. Besonders im Berufsumfeld Marketing zählt die flexible, selbstbestimmte Gestaltung der Arbeitsstunden zu den Errungenschaften mit Motivationscharakter.

In Zeiten der Globalisierung im Marketing suchen und fördern wir flexible Mitarbeiter, die von überall, zu jeder Zeit und mit der gesamten Welt kommunizieren und interagieren. Oft zu Zeiten die außerhalb der normalen Office Hours in Deutschland und/oder Europa liegen. Wir unterstützen und motivieren junge Mütter und Väter mit Betriebskindergärten, bei der flexibleren Gestaltung ihres Arbeitsplatzes. Die Arbeitgebermarken mit Bestnoten sind meist die, die ihren Mitarbeitern den größtmöglichen Freiraum, bei der Gestaltung ihres Arbeitsplatzes und ihrer Arbeitsstunden lassen.

Das alles wischen wir mit dieser Regelung vom Tisch und gefährden damit Europas Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt in einer weiteren Dimension. Allein in Deutschland arbeiten über 50 Prozent der Arbeitnehmer in flexiblen Arbeitsmodellen. Im ICE noch schnell eine Präsentation fertigmachen, im Homeoffice arbeiten oder den Nachmittag für die Kinder frei nehmen. Die digitale Arbeitswelt ist schlicht und zum Glück zu flexibel und zu mobil für eine Zeiterfassung. Mit dieser Regelung, wird sich für Millionen Europäer in Zukunft einiges ändern. Arbeitgeber sind verpflichtet, die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter/innen penibel zu dokumentieren.

Eine Dokumentation der Überstunden alleine reicht nicht – und das Konzept Vertrauens-Arbeitszeit ist womöglich passé. Das Urteil dürfte Marketing-Organisationen, Agenturen, Redaktionen, Start-ups und viele mehr hart treffen. Überall dort, wo selbstverantwortliches, motiviertes Arbeiten zum guten Ton gehören und häufig private und dienstliche Zeit verwischen. Wie genau die künftige Zeiterfassung aussehen soll, weiß noch niemand so genau, das müssen die EU-Länder selber regeln. Was genau ist der Nutzen dieser Regelung?? Wie sieht es mit dem Datenschutz aus? Und wer übernimmt letztlich die Kosten für den massiven Arbeitsaufwand durch noch mehr Bürokratie.

Aus unserer Sicht ist die Regelung ein Schritt in die falsche Richtung! Möglicherweise spekulieren die Europa Parlamentarier auf Wählerstimmen einiger Arbeitnehmer. Leider verlieren sie dabei den enormen administrativen Mehraufwand und die damit verbundenen Mehrkosten für die Märkte aus dem Auge!".

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