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Gehaltsstudie
Studie: So sehen die Einkommen in Ost- und Westdeutschland aus

30 Jahre nach dem Mauerfall ist das Gefälle zwischen Ost- und Westdeutschland noch immer groß. Das zeigt sich auf den Lohnabrechnungen - aber auch bei den Mietpreisen.

Text: W&V Redaktion

1. Oktober 2019

Trotz des nun schon 29 Jahre alten Einigungsvertrags verdienen Fach- und Führungskräfte in Ostdeutschland im Schnitt deutlich weniger als im Westen.
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"Nun wächst zusammen, was zusammen gehört", sagte Willy Brandt im November 1989 nach dem Fall der Mauer. So einfach, wie so mancher sich damals die Wiedervereinigung vorgestellt hat, war es aber dann doch nicht: Auch 30 Jahre später gibt es noch vieles, das Ost- und Westdeutschland voneinander trennt. Große Unterschiede herrschen beispielsweise nach wie vor im Gehalt, wie eine aktuelle Gehaltsanalyse für Fach- und Führungskräfte der Online-Jobplattform Stepstone ermittelt hat.

Auch wenn sich mit dem Einigungsvertrag vom 3. Oktober 1990, der sich mit dem "Tag der Deutschen Einheit" am Donnerstag zum 29. Mal jährt, die Lebensverhältnisse in Ost- und Westdeutschland angleichen sollten - die Fachkräfte im Osten verdienen im Schnitt immer noch deutlich weniger als im Westen. So liegt das Bruttodurchschnittsgehalt für eine Fachkraft im Westen bei 60.900 Euro. In den östlichen Bundesländern verdient ihr Pendant dagegen jährlich 48.900 Euro - das sind rund 20 Prozent weniger.

Am tiefsten ist der Graben zwischen den Einkommen in Hessen, das mit einem Durchschnitt von 65.800 Euro die Gehaltsliste anführt, und Schlusslicht Sachsen-Anhalt mit 43.800 Euro. "Das Gehaltsgefälle zwischen Ost- und Westdeutschland lässt sich vor allem mit der Nachfrage nach Fachkräften erklären", sagt Anastasia Hermann, Head of Research bei Stepstone. "In Bundesländern wie Hessen oder Baden-Württemberg wurden 2019 rund viermal so viele Fachkräfte gesucht wie beispielsweise in Sachsen-Anhalt."

Datenbasis für die Berechnung der Durchschnittsgehälter war der so genannte "Gehaltsplaner" von Stepstone, der auf mehr als 138.000 Datensätzen basiert. Die Gehälter entsprechen dem Durchschnitt der entsprechenden Stadt- und Landkreise im Zeitraum Oktober 2017 bis März 2019.  

Im Osten Einkommen, aber auch Mieten niedriger

Allerdings: Wie die Studie ebenfalls ergab, bekommen die Fachkräfte im Osten auch mehr für ihr Geld - zumindest, was das Wohnen betrifft. So hat Stepstone nicht nur die Durchschnittsgehälter analysiert, sondern in Zusammenarbeit mit dem Immobilienportal Immowelt.de auch die durchschnittlichen Mieten in 384 Stadt- und Landkreisen Deutschlands ausgewertet. Dabei kam heraus, dass nicht nur die Gehälter, sondern auch die Mieten im Osten der Republik im Schnitt deutlich niedriger sind. So müssen in den zehn größten Städten Ostdeutschlands im Schnitt 19,2 Prozent des Verdienstes für die Mieten aufgewendet werden. Dieser Anteil ist mit 18,9 Prozent in den zehn größten Städten Westdeutschlands nahezu gleich.

Dabei ist sowohl in West- wie auch in Ostdeutschland Miete aber nicht gleich Miete: Während Fachkräfte in einer Stadt wie München mit 29,5 Prozent des Gehalts im Verhältnis am meisten fürs Wohnen investieren müssen, müssen die Kollegen in Hannover nur 15,4 Prozent dafür aufbringen. Ähnlich ist die Lage im Osten: In Potsdam gehen im Schnitt 23 Prozent des Verdienstes für die Miete drauf, in Chemnitz nur 13,7 Prozent. Spitzenreiter hier ist Berlin mit 23,4 Prozent, jedoch nimmt die Hauptstadt aufgrund ihre Historie sowohl im Hinblick auf das Einkommen als auch auf die Mieten eine Sonderrolle ein.

Bundesagentur für Arbeit verzeichnet ähnliche Ergebnisse

Zu einem ähnlichen Resultat kommt übrigens auch eine Auswertung, die die Linksfraktion anhand von Daten der Bundesagentur für Arbeit im August vornehmen ließ: Demnach sind die 60 Landkreise und Städte mit den niedrigsten Einkommen in Ostdeutschland zu finden. Mit einem durchschnittlichen Monatsgehalt von 2.272 Euro brutto verdienen Vollzeitbeschäftigte im sächsischen Landkreis Görlitz am wenigsten, wohingegen die Beschäftigten in der Autostadt Ingolstadt mit im Schnitt 4.897 Euro das höchste Gehalt erhalten. Das bestätigt auch ein Blick auf den Entgeltatlas der Arbeitsagentur: Hiernach werden in Sachsen-Anhalt mit im Schnitt 2.451 Euro brutto die niedrigsten Gehälter gezahlt, während der Hamburg mit 3.700 Euro brutto das höchste Durchschnittsgehalt verzeichnet.

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