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Podcast
Thomas Middelhoff: Junge Manager müssen Demut lernen

Er selbst hat ziemlich lange gebraucht, bis er die Lektion gelernt hat. Jetzt ist Ex-Manager und Ex-Knacki Thomas Middelhoff mit sich im Reinen. Auch für seine früheren CEO-Kollegen hat er ein paar Tipps parat.

Text: W&V Redaktion

29. August 2018

Thomas Middelhoff (re) mit Philipp Westermeyer
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Nach seiner Haftentlassung im November 2017 hat Thomas Middelhoff zwar keinen Manager-Job mehr, aber dennoch wichtige Botschaften, die er unters Volk bringen will. Gerade sitzt er an einem Wirtschaftskrimi, daneben tritt er als Vortragsredner auf, etwa beim diesjährigen Katholikentag.

An kaum einer Person zeigt sich Aufstieg und Fall so exemplarisch wie bei Middelhoff. Bei Bertelsmann stieg er in den 90er Jahren zum Vorstandvorsitzenden auf. Er trieb den Medienkonzern in Richtung Digitalisierung. Später leitete er den Handelskonzern Arcandor. Dort brachte ihn sein Verhalten schließlich zu Fall - und ins Gefängnis. Er wurde wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft verurteilt. 

In der neuesten Folge des "OMR-Podcasts" spricht er mit Philipp Westermeyer über digitale Geschäftsmodelle, die Rolle von CEOs im Zeitalter der Digitalisierung, seinen bisherigen Lebensweg und die größten Fehler.

So berichtet Middelhoff davon, wie er schon relativ früh versuchte, den Medienkonzern Bertelsmann digital aufzustellen, da ihm von Anfang an klar war, dass "Medienunternehmen in besonderer Weise durch die Digitalisierung gefordert sind, weil man dem Endkunden Medienprodukte digital zuliefern kann." Umso unverständlicher ist es deshalb bis heute für ihn, dass Napster nach der Übernahme durch Bertelsmann und seinem eigenen Ausscheiden in Gütersloh nicht die nötige Rückendeckung bekommen hat und eingestellt wurde: "Ich glaube, dass war eine der größten Fehlentscheidungen von Bertelsmann, die Milliarden gekostet hat. Apple Music oder Spotify oder was auch immer – das alles hätte Napster sein müssen!"

Die Rolle des CEOs hält Middelhoff in Zeiten der Digitalisierung für erfolgskritisch, weil sie durch digitale Plattformen noch stärker gefordert wird. Wichtig ist für ihn Authentizität – einer der Hauptgründe, warum so viele Dax-Konzerne nicht in der Lage sind, digitale Geschäftsmodelle erfolgreich selber zu entwickeln: "Weil die ganze Kultur dazu nicht passt. Selbst wenn Herr Zetsche sich dazu entschließt, heute einmal ohne Krawatte in die Firma zu gehen, wird Mercedes dadurch nicht digitaler." Der Kultur-Changer für Middelhoff lautet deshalb ganz klar: Abtreten und der nächsten Generation den Weg frei machen.

Auf die Frage, was sein eigener größter Fehler gewesen ist, gibt Middelhoff zu:"„Ich habe nachher nicht mehr nur PR für das Unternehmen gemacht, sondern weil ich das selber so schick fand, mein Foto auf dem Cover zu sehen – was ja völlig irre ist.  Ich hab dieses Teufelsspiel mit der Presse selber begonnen. Das war super in den guten Jahren und wurde natürlich zum Folterinstrument in den schlechten Jahren."

Trotz allem ist er mit seiner heutigen Situation, was Öffentlichkeit anbetrifft, "eigentlich sehr zufrieden". Middelhoff hat sich seines Erachtens "neu definiert". Seine Zukunft sieht er als Autor und Redner. Er möchte, dass andere nicht die gleichen Fehler machen wie er selbst. "Wenn ich heute  das Führungskräfteprogramm von Bertelsmann nochmal konzipieren sollte, dann wäre da wahrscheinlich drin: vier bis acht Wochen Praktikum in der Behinderteneinrichtung Bethel. Sozialer Dienst. Ein bisschen Demut lernen. Das, was mir gefehlt hat." Er selbst hat dort während seiner Haftzeit gearbeitet.

Hier geht's zum kompletten OMR-Podcast ...

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