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Nach Corona
W&V Serie: Home oder Office, SAP?

Der Softwarekonzern SAP zählt schon lange zu den Vorreitern in punkto selbstbestimmtes Arbeiten. In Corona-Zeiten blieb Personalchef Cawa Younosi daher Luft, sich um die persönlichen Nöte seiner Kollegen zu kümmern. 

Text: W&V Redaktion

12. August 2020

Am Stammsitz in Walldorf gibt es 15.000 Beschäftigte.
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W&V fragt in seiner neuen Serie "Home oder Office?", welche Erfahrungen Unternehmen in Deutschland gemacht haben und wie sie sich fürs New Normal rüsten.

Wie hat sich der Anteil der Mitarbeiter im Homeoffice seit Beginn der Coronakrise geändert?

Vor Corona kam SAP pro Person und Woche auf 2,6 Tage, heute sind nahezu 100 Prozent im Homeoffice.

Wann planen Sie eine Rückkehr in die Büros? In welchem  Umfang?

Eine Rückkehr für alle wird es nicht geben, sondern nur für diejenigen, die zu Hause nicht gut arbeiten können. SAP bittet alle, weiter im Homeoffice zu bleiben. Wer kommt, braucht sich seit vergangener Woche nicht mehr extra anzumelden. Die Kantinen haben seit kurzem wieder auf, allerdings mit Sitzplatzbeschränkungen. Auch interne Meetings sind möglich.

In den ersten Tagen nach den Lockerungen kamen maximal 1.200 der 23.000 in Deutschland Beschäftigen. "Die Nachfrage war deutlich geringer als von manchen befürchtet", sagte Personalchef Cawa Younosi gegenüber der FAZ.

Verändern Sie jetzt die bisherigen Vereinbarungen zum Thema Homeoffice?

Nein. Bei SAP ist schon seit längerem eine Betriebsvereinbarung dazu vorhanden. Im Jahr 2018 zählte SAP zu den Vorreitern und gestand den Mitarbeitern eine freie Wahl des Arbeitsorts zu. Daher besteht keine Notwendigkeit, hier etwas zu verändern.

Welche Zwischenbilanz ziehen Sie beim Thema Homeoffice für Ihr Unternehmen? Wo hat es gut geklappt, wo lagen Schwierigkeiten?

Schon vor der Coronakrise war SAP in hohem Maße digitalisiert, auf Remote Work eingestellt und engagiert, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen. Ein großer Vorteil, als es plötzlich für alle ins Homeoffice ging. 

Stattdessen fiel der Blick auf Schwierigkeiten ganz anderer Art. Vor allem für Expats und Alleinlebende waren die Wochen und Monate zu Hause eine große Herausforderung und mit psychischem Druck verbunden. SAP versuchte, mit verschiedenen Programmen der Vereinsamung entgegenzuwirken. Darunter etwa digitale Sport- und Kochkurse oder auch Weinseminare. Zusammen mit dem TV-Koch Tim Mälzer veranstaltete SAP ein Live-Cooking, an dem 3000 SAPler teilnahmen. Ähnlich war die Beteiligung bei einer virtuellen Autorenlesung mit dem Bestsellerautor Sebastian Fitzek. Mit der eigens entwickelten App Never lunch alone können Mitarbeiter Gleichgesinnte finden, um gemeinsam digital zu essen.

Eltern, die aufgrund der Kinderbetreuung weniger Arbeitszeit investieren, werden finanziell aufgefangen: "Gehaltseinbußen gibt es nicht, wenn Mitarbeiter:innen durch die Kinderbetreuung weniger oder gar nicht arbeiten können. Damit haben wir Solidarität und Sicherheit geschaffen, die sich in Loyalität ausgezahlt hat", so Younosi im Interview mit dem Fachblatt Human Resources Manager.

An welchen Stellen sehen Sie Verbesserungspotenzial?

"Wir haben in Echtzeit und unter Druck gesehen, was funktioniert und unseren Mitarbeiter:innen hilft – und was nicht. Unser Blick ist schärfer, wir sind schneller geworden und dabei gelassener. Das gilt es zu halten und auf lange Sicht immer wieder mit neuen Ideen auszubauen", betont Younosi.

Was heißt das für Ihr Gebäudemanagement?

SAP hat die bisherigen Räumlichkeiten gründlich inspiziert und Belegungspläne nach den behördlichen Vorgaben erarbeitet. Dementsprechend schrumpft die Zahl der potenziellen Arbeitsplätze auf 30 Prozent.

Die neue W&V-Serie: Home oder Office? Hier sehen Sie alle bisher erschienen Teile:

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Autor: Annette Mattgey

Seit 2000 im Verlag, ist Annette Mattgey (fast) nichts fremd aus der Marketing- und Online-Ecke. Für Markengeschichten, Kampagnen und Karriere-Themen hat sie ein besonderes Faible. Aus Bayern, obwohl sie "e bisi anners babbelt". 

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