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Neues Berufsbild?
Warum der Digital Architect bald den Consultant ersetzt

International hat sich das Berufsbild längst durchgesetzt, nicht so in Deutschland: der Digital Architect. In Zeiten der Digitalisierung ist er unverzichtbar, findet Francesco Loth, Geschäftsführer von Etecture.

Text: W&V Redaktion

15. Oktober 2019

Francesco Loth, seit Mai 2016 Geschäftsführer von Etecture.
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Man will nicht gleich mit der Titanic und ihrer unheilvollen Jungfernfahrt beginnen, doch tatsächlich ähnelt die digitale Transformation in Unternehmen häufig einem Eisberg, auf den das Management mit Volldampf zusteuert. Auf den ersten Blick also vergleichsweise unproblematisch, doch die Tücken lauern viel tiefer versteckt. Denn: Digitale Transformation heißt eben auch neue Schnittstellen in den IT-Systemen, innovative Cloud-Lösungen, Umstellung der Prozessketten auf Blockchain, Implementierung von KI gestützten Systemen und, und, und. Damit erhöht sich die Anzahl der Point-to-Point-Verbindungen in digital geführten Unternehmen deutlich. Diese steigende Vielschichtigkeit ist einer der neuralgischen Punkte im Transformationsprozess. Sie zu reduzieren und für alle wieder beherrschbar zu machen, das ist eine ganz zentrale Herausforderung.

Die andere: die Mentalitäten und Kulturen in den Organisationen aufbrechen. Das ist gar nicht so einfach, wie häufig dargestellt wird. Wer etwa die IT als Speerspitze der digitalen Transformation ausgeguckt hat, wird schnell merken, dass hier Menschen arbeiten, die Jahre bzw. Jahrzehnte damit verbracht haben, ein Maximum an Sicherheit und Stabilität zu gewährleisten. Die klassischen IT-Abteilungen haben sich als Risikovermeider etabliert und setzen oft Innovation und Fortschritt mit Effizienz, Beständigkeit und Performance gleich. Doch für die digitale Transformation braucht es ganz andere Eigenschaften – auf jeden Fall mehr Mut und Lust, technologisches Neuland zu erkunden.

(Langjährige) Mitarbeiter mit echter Kompetenz überzeugen, Technologie verstehen, betriebliche Kennziffern beurteilen, dafür holen Unternehmen in der Regel Berater ins Haus. Aber welche? Dem Unternehmensberater fehlt das technische Knowhow, um in Zeiten der digitalen Transformation bestehen zu können. So mag der klassische BWL-Studiengang für die Betrachtung und Analyse der betrieblichen KPIs sinnvoll sein, für eine Beurteilung der digitalen Leistungsfähigkeit eines Unternehmens jedoch nicht zwingend.

Inwieweit die digitale Transformation gelingt, entscheidet sich wesentlich auch über die vorhandene Dateninfrastruktur im Unternehmen. Doch die zu beurteilen – das setzt in der Regel profunde IT-Kenntnisse voraus. Hinzu kommt: Innovationsprozesse in Unternehmen laufen zunehmend Bottom-to-Top. Innovation ist dabei untrennbar mit Digitalisierung und Technologie verbunden. Beratung muss also zunehmend direkt an der operativen Ebene und nicht im Top-Management ansetzen. Doch wer hier erfolgreich beraten will, muss fachlich auf Augenhöhe wahrgenommen werden. Doch genau das werden die klassischen Consultants häufig nicht. Der externe IT-Experte andererseits steckt viel zu tief drin in technischen Details, um unternehmensstrategisch erfolgreich handeln zu können.

Die Grenzen zwischen Business, Strategie und IT-Consulting verschwinden

Ein Berufsprofil, das Technik und Consulting verbindet, existiert in Deutschland noch kaum. Nötig wird ein Berufsbild, das beide Kompetenzen bündelt – strategischen Weitblick und detaillierte Data-Kenntnisse. International hat sich der sogenannte Digital Architect längst durchgesetzt – per Definition ein Berater, der Technologien einsetzt, "um das Geschäft zu transformieren, Umsatz und Profitabilität zu steigern und die Wettbewerbsposition eines Unternehmens zu verbessern". In Deutschland assoziieren wir mit den Digital Architects immer noch in erster Linie Software-Entwickler bzw. Entwicklungs-Ingenieure. Fachexperten also, die sich in dem engen Korsett der IT bewegen. Doch das ist deutlich zu kurz gegriffen. Digital Architects müssen ihren Aktionsradius viel weiter stecken und in unternehmensstrategische Entscheidungen einbezogen werden. Das heißt im Umkehrschluss natürlich auch: Die Consulting-Branche steht ebenfalls vor einem grundsätzlichen Wandel. Die Grenzen zwischen klassischem Berater und IT-Systemberater verschwinden.

Francesco Loth ist seit Mai 2016 Geschäftsführer von Etecture. Zuvor hatte der Diplom-Wirtschaftsjurist die Position des Managing Director bei der United Digital Group inne. Von 2012 bis 2014 war Francesco Loth als geschäftsführender Gesellschafter für die E-Commerce Agentur Edoras tätig, die 2014 mit UDG fusionierte.

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